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HHL-Studie: RB Leipzig treibt Region wirtschaftlich voran

"Erster postmoderner Fußball-Klub" HHL-Studie: RB Leipzig treibt Region wirtschaftlich voran

Laut einer aktuellen Studie ist der Bundesligist RB Leipzig ein wirtschaftlicher Treiber in der Region. Der Klub stelle "Kapitalismus von seiner besten Seite dar" – so das Fazit einer Untersuchung der Leipziger Managementschmiede HHL. Und: "Nirgendwo sonst in Deutschland hätte das Projekt RB so gut funktioniert wie in dieser Stadt."

Ausverkaufte Red-Bull-Arena: Laut einer aktuellen HHL-Studie ist RB Leipzig ein Wirtschaftsmotor für die Region.

Quelle: Robert Nößler

Leipzig. Bestnoten von Wirtschaftsexperten für den Fußball-Bundesligisten RB Leipzig: Er stellt Kapitalismus von seiner besten Seite dar, setzt das Geld geschickt ein, um gute Spieler zu gewinnen, investiert gleichzeitig gezielt in die Nachwuchsförderung und übernimmt das Stadion in der Innenstadt. Das ist das Fazit einer Studie der Leipziger Managementschmiede HHL. Der Klub „bringt nicht nur den Fußball, sondern auch die Gesellschaft voran“ lautet die Kernaussage der Untersuchung, die sich auf die Befragung von 24 Experten in der gesamten Bundesrepublik stützt. RB sei ein „gesellschaftliches Phänomen ersten Ranges“.

Für die Menschen „ist RB mehr als der Tabellenplatz“, betont Timo Meynhardt, Professor an der HHL, der die Studie leitete. „RB hat der Region eine Art gesellschaftliche Euphorie beschert, nicht zuletzt, weil der Verein mit seinem Erfolg alle überrascht“, fügt der Experte für Wirtschaftspsychologie und Führung an der HHL hinzu. Der Fußball-Klub habe faktisch die Region wachgeküsst. „Das strahlt auf alle gesellschaftlichen Bereiche der Stadt und Mitteldeutschlands aus.“ RB habe zudem in besonderem Maße von seinem Standort im Osten Deutschlands profitiert. „Nirgendwo sonst in Deutschland hätte das Projekt RB so gut funktioniert wie in dieser Stadt.“

RB kurbelt Gastronomie und Baubranche an

Unter dem Titel „Der Public Value des RB Leipzig“ ist untersucht worden, welchen öffentlichen Wert der Fußball-Klub besitzt beziehungsweise wie wertvoll er für die Gesellschaft ist. Der Nutzen der Rasenballer „widerspiegelt sich in vier Effekten: im Erfolg um (fast) jeden Preis, in der Stärkung der Region, in der Identitätsstiftung und der Herausbildung einer neuen Fußballkultur“, betont der Wissenschaftler. Der konsequente Erfolgsdrang „klingt zwar etwas hart, ist aber eine wichtige Voraussetzung für die gesellschaftliche Rolle von RB in der Region“, ist Meynhardt überzeugt. Das bedeute, das RB tut, was getan werden muss, um seine Ziele zu erreichen. Das schließe ein, etwas zu ändern, wenn es nicht funktioniere.

Mit dem Aufschwung des Klubs wachse zugleich die Region. So werden der Studie zufolge, über die auch die Wochenzeitung „Die Zeit“ berichtet, die Rasenballer zum wirtschaftlichen Treiber. Nicht nur, dass dadurch das Tagesgeschäft in der Gastronomie angekurbelt werde, auch Souvenir- und Merchandising-Verkäufe zählten dazu. Selbst als Arbeitgeber spiele der Klub eine Rolle. Zudem löse er Investitionen in der regionalen Wirtschaft aus – beispielsweise bei Stadion-Umbaumaßnahmen oder bei der Verbesserung der Infrastruktur. „Und: Die positive Entwicklung werte natürlich die Region weiter auf. „Das weckt den Stolz der Menschen hier – nach dem Motto ,Wir sind wieder wer’“, erklärt Meynhardt.

Verbunden damit sei ein großer Imagegewinn, der sich in einem stärkeren Selbstbewusstsein niederschlage. Nach der Wende hätten sich hierzulande die Umstände so entwickelt, „das kaum Siegermentalität aufkommen konnte“. Das ändere sich jetzt mit RB. Allerdings sei nach wie vor in der Volksseele verankert, dass man als Ostdeutscher immer einen Tick besser sein müsse, um bestehen zu können und anerkannt zu werden. Am Ende werde auf diese Weise nun bewiesen, „der Osten kann es doch“. Das sei nicht nur gut, um den Minderwertigkeitskomplex im Ossi zu bekämpfen, sondern auch um die Akzeptanz der Marktwirtschaft in der Bevölkerung zu steigern und beflügele die Leistungsfähigkeit der Menschen. Genauso, wie die gute Stimmung, die die RB-Erfolge bei den Einwohnern auslösen. Selbst mancher Leipziger, der kein Fußball-Fan sei, freue sich über RB – „das ist gut für die Stadt und die Region“, würden dann viele sagen. Und wer frohen Mutes ist, werde manche beruflichen Herausforderungen auch leichter packen.

"Der erste postmoderne Fußball-Klub“

Phänomenal sei, wie emotional sich die Leute dem Klub zuwenden. Ihre Identitätsgefühle werden, so die Studie, zunehmend angeregt – ihre Verbundenheit mit der Region. „RB trifft die Ost-Seele“, beschreibt Meynhardt die Situation. Das bekomme der Klub deutlich zu spüren. „Ihm schlägt in Leipzig eine Liebe und Sympathie entgegen, wie er es nicht erwartet hatte.“ Das müsse RB nun aufnehmen und der Region wieder zurückgeben. Daher sei die Entscheidung, das Stadion in der Innenstadt zu übernehmen und auszubauen, der richtige Schritt gewesen.

Dass RB solchen Zulauf hat, ist nach Ansicht des Wissenschaftlers nicht zuletzt der neuen Fußballkultur geschuldet. Familienfreundlichkeit, Gewaltlosigkeit im Stadion, die intensive Nachwuchsförderung und Nachhaltigkeit im Herangehen an die Aufgaben – all das stärke die Anziehungskraft des Klubs zusätzlich. „Bei den Spielen treffen sich Jung wie Alt, Ostalgiker wie Yuppie-Startups. Das stiftet einen mitreißenden Gemeinschaftssinn zwischen vielen gesellschaftlichen Gruppen. Insofern ist RB der erste postmoderne Fußball-Klub.“ Denn in der Postmoderne sei nicht alles festgelegt. Der akribische Typ auf Arbeit werde im Stadion zum überbrausenden Fan. „Postmoderne heißt ja nichts anderes, als seinen Lebensstil ändern zu können. Dieses Offene, die Multigesellschaft verfügt über etwas sehr Dynamisches“, weiß Meynhardt.

Von Ulrich Langer

RB Leipzig 51.344508 12.340062
RB Leipzig
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