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Hannover, Hoffenheim und nun vielleicht RB Leipzig: Rangnick hat die Lizenz zum Aufsteigen

Hannover, Hoffenheim und nun vielleicht RB Leipzig: Rangnick hat die Lizenz zum Aufsteigen

Dieser Mann hat die Lizenz zum Aufsteigen. Ulm führte Ralf Rangnick als Trainer von der 3. Liga in die 2. Liga, die TSG Hoffenheim zehn Jahre später sogar in die Bundesliga.

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Ralf Rangnick ist Sportdirektor von RB Leipzig.

Quelle: Jan Woitas

Leipzig. Zwischendrin brachte er Hannover 96 ins Oberhaus (2002). Man muss kein Hellseher sein, um zu erahnen, in welcher Liga RB Leipzig bald spielt. Rangnick, noch bis Ende der Saison in Doppelfunktion auch bei RB Salzburg, übernahm RB Leipzig vor zweieinhalb Jahren in Liga vier – zweimal hintereinander ist der Klub seither schon aufgestiegen.

Herr Rangnick, wie sehr ärgert es Sie, dass RB Leipzig ein so schlechtes Image hat?

Es ist nicht meine Aufgabe, den Erklärbären zu mimen. Natürlich sind wir mit einem Privileg versehen, Beispiel Rollrasen. Als wir vor dem letzten Hinrundenspiel gesehen haben, dass der Platz zu schlecht ist, haben wir entschieden: Wir legen einen neuen Rasen rein – am selben Tag. Was unsere Personalpolitik angeht, so laufen wir nicht mit dem Klingelbeute durch die Gegend und kaufen wahllos Spieler.

Haben Sie noch Kontakt zu Hannover 96?

Ja, gelegentlich telefoniere ich mit Martin Kind. An unseren Geburtstagen rufen wir uns immer gegenseitig an. Er hat am selben Tag Geburtstag wie mein jüngerer Sohn. Natürlich schaue ich am Wochenende immer zuerst: Was machen meine alten Vereine Stuttgart, Hannover, Schalke, Hoffenheim? Beim SSV Ulm gibt’s ja leider mittlerweile nicht mehr so viel zu gucken.

Nervt es Sie, wenn Ihr Klub so ein bisschen als Schmuddelkind des Fußballs dargestellt wird?

Ich lasse das nicht an mich heran. Ich habe es in Hoffenheim ähnlich erlebt. Als wir zu unserem ersten Auswärtsspiel in Kassel ankamen, haben die Fans gesungen: „Scheiß Millionäre!“ Dabei waren das zu diesem Zeitpunkt dieselben Spieler, die schon drei Jahre vorher da gewesen waren.

Es arbeitet also doch in Ihnen …

Ich habe Dietrich Mateschitz oft gefragt, was sein Motiv ist. Er möchte junge Menschen, die hochtalentiert sind, fördern. Sebastian Vettel hat er verpflichtet, da war der gerade elf Jahre alt. Zum elften Geburtstag hat er ihm einen Brief geschrieben – da kannte Sebastian Vettel noch keiner. Als er dann irgendwann gesagt hat, dass er Formel-1-Weltmeister werden möchte, haben sich die anderen doch auf die Schenkel geklopft und gedacht: „Der hat zu viel Red Bull getrunken.“ Was Jahre später passiert ist, wissen wir alle…

Im Jahr 2011 waren Sie auf Schalke und traten plötzlich wegen Burn-out zurück. Der Job, den Sie heute ausfüllen, scheint noch anspruchsvoller. Wie passt das zusammen?

Ich habe Gott sei Dank im richtigen Moment die Reißleine gezogen. Es ging körperlich nicht mehr. Alle leistungsrelevanten Werte waren im Keller, praktisch bei null. Richtig ist, dass ich aktuell stundenmäßig sehr viel arbeite. Aber ich empfinde es oft nicht als Arbeit, so verrückt das klingt.

Was ist für Sie Arbeit?

Was mich am meisten stresst: wenn ich für eine Sache nicht genügend Zeit habe und dadurch Zeitdruck entsteht. Wenn ich Dinge intensiv planen kann, macht mir das Spaß. Aktuell fühle ich mich so gut wie noch nie. Aber ich mache jetzt auch viel mehr Dinge, die mir persönlich guttun. Auf meine Ernährung achten, mal in die Sauna gehen, das Handy ausschalten, ein Buch lesen. Ich war an einem Punkt, an dem nichts mehr ging.

Wie haben Sie das erstmals gemerkt?

Schon am Ende meiner Hoffenheimer Zeit waren rückblickend erste Signale da. Eine Auszeit alleine hätte wohl nicht gereicht. Solange du nicht etwas änderst, nützt das nichts. Dann kannst du ein Jahr Pause machen – und nach kurzer Zeit geht es wieder los. Heute sage ich: Toi, toi, toi (klopft auf Holz), dass ich viel bewusster lebe. Ich war ja bei früheren Stationen oft mehr als nur ein Cheftrainer. Ich war bei den kleineren Vereinen in Ulm und Reutlingen auch immer gleichzeitig noch Manager. Bei meiner ersten Station in Backnang habe ich meinen Spielern sogar noch die Tapeverbände selbst gemacht.

Heute beginnt die Rückrunde. Sehen Sie sich als Projektarbeiter?

Das Wort gefällt mir nicht besonders. Es klingt zu sehr nach Labor. Projekte werden nicht ins Herz geschlossen, das werden nur Dinge, die mit Emotionen zu tun haben. In der 4. Liga sind wir mit 2000 Fans gestartet, jetzt haben wir einen Schnitt von 26000. Wir sind ein Teil von Leipzig, wir sind in den Herzen angekommen. Das ist schön, aber auch Verpflichtung.

Wenn Leipzig kein Projekt ist – wie nennen Sie es?

Vor zweieinhalb Jahre gab es mit RB Leipzig und RB Salzburg zwei Vereine, die nichts gemeinsam hatten. Natürlich sind beide Klubs nach wie vor eigenständig, aber wir haben in gewissen Bereichen Synergien geschaffen: Scouting, Trainerausbildung, Ernährung, regenerative Maßnahmen, Auswertungen.

Machen Sie Sport?

Es gibt Läufer, die beim Joggen Glückshormone ausschütten. Zu denen gehöre ich nicht (lacht). Ich jogge, weil ich weiß, dass es meinem Körper guttut. Ich achte sehr auf Ernährung. Und ich habe zuletzt erst einmal aus zwei Handys, die ich hatte, eins gemacht.

Sie hatten den Rasen bereits angesprochen, der am Ende der Hinrunde in einem katastrophalen Zustand war. Ihr Spieler Terrence Boyd zog sich einen Kreuzbandriss zu. Sie sollen getobt haben.

Es hat mich einfach geärgert, denn das darf uns nicht passieren. Unser Anspruch ist, dass wir den besten Rasen der Liga haben. Außer uns spielt da ja schließlich niemand. Der Rasen muss sich über Wochen hinweg in einen so schlechten Zustand entwickelt haben, dass das doch einer mitbekommen haben muss. Mir geht es nicht darum, wer schuld ist. Es geht darum, dass wir die richtigen Schlüsse ziehen. Für unsere Art des Fußballs brauchen wir Topbedingungen.

Marco Fenske und Frank Schober

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