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„Harte und lehrreiche Zeit“- RB-Stürmer Davie Selke im Interview

2. Bundesliga „Harte und lehrreiche Zeit“- RB-Stürmer Davie Selke im Interview

Davie Selkes sportliche Situation war zuletzt unschön, der 21-Jährige absolvierte eine Bank-Lehre, die keiner will. Am Sonntag gegen 1860 München kam er kränkelnd rein, köpfte das 1:1 und legte sich nach dem 2:1-Sieg wieder hin.

Davie Selke

Quelle: dpa

Leipzig. Seine Karriere kannte bisher nur eine Richtung: bergauf. Selbst der Gang von der ersten in die zweite Liga lief unter der Rubrik: Alles richtig gemacht. Außerdem hat sich RB-Stürmer Davie Selke mit seiner Unterschrift unter einen Vertrag bis 2020 jeglicher existenzieller Nöte entledigt. Selkes sportliche Situation war zuletzt unschön, der 21-Jährige absolvierte eine Bank-Lehre, die keiner will. Am Sonntag gegen 1860 München kam er kränkelnd rein, köpfte das 1:1 und legte sich nach dem 2:1-Sieg wieder hin.

Wie war die Nacht nach dem Spiel?

Wie die vorm Spiel, nicht besonders schön. Ich komme gerade von unserem Arzt Ralf Zimmermann und muss zurück ins Bett. Am Mittwoch will ich wieder ins Training einsteigen.

War Ihr Einsatz gegen 1860 München ein gesundheitliches Risiko?

Nein, sonst hätte ich nicht gespielt. Ich hatte kein Fieber, wollte sogar von Anfang an spielen. Das wollte Ralf Rangnick nicht.

Der Trainer hat immer recht. Und sein Plan ist aufgegangen. Ich sollte die letzten 30 Minuten Gas geben, der Mannschaft helfen. Beides hat geklappt.

Stimmt es, dass Physiotherapeut Alexander Sekora bis kurz vorm Anpfiff an Ihnen herumgedoktert hat?

Er hat sich fast drei Stunden um mich bemüht. Akupunktur, Saugglocken-Massage, Inhalationen – das ganze Programm. Es hat sich gelohnt. Sie sind nach Ihrem Tor mit erhobenem Zeigefinger Richtung Trainerbank gerannt. Wem wollten Sie was zeigen?

Das war ein Dank an Alex und unsere Ärzte. Ohne deren Hilfe hätte ich nicht spielen können.

Also keine Entladung Richtung Coach?

Nein, Blödsinn. Ich hatte keinen Grund, auf irgendjemanden sauer zu sein.

Die Wochen auf der Ersatzbank sind spurlos an Ihnen vorübergegangen?

Das nicht. Es war zum ersten Mal, dass ich so lange auf der Bank sitze. Eine harte, aber lehrreiche Zeit. Man muss an sich arbeiten, sich dem Erfolg der Mannschaft unterordnen. Und wenn wir kurz vor Schluss knapp führen, ist es normal, dass ein Trainer eher einen defensiven Mann als mich bringt.

Wer hat Ihnen Mut zugesprochen?

Mein Vater, mein Berater, das Trainerteam, ganz besonders Yussi.

Yussuf Poulsen lief nach dem Spiel aufs Feld, um Sie zu herzen. Dass sich zwei konkurrierende Stürmer mögen und Tore gönnen, ist selten im Business.

Wir sind richtige Freunde geworden. Und Freunde helfen sich. Als Yussi draußen saß und ich gespielt habe, hat er sich über jedes Tor von mir aufrichtig gefreut. Das zeigt, was er für einen tollen Charakter hat. Umgekehrt freue ich mich, wenn er super spielt und trifft.

Ralf Rangnick sprach vom bisher wichtigsten Sieg. Sehen Sie das ähnlich?

Nach dem 0:1 waren wir erst mal konsterniert. Und natürlich sind da nicht gleich alle Gedanken positiv. Als ich reingekommen bin, hat mich die ungeheuere Wucht in unserem Spiel getragen. Und nach ein paar Minuten wusste ich: Das Ding verlieren wir nicht, das biegen wir noch um!

Und dann flankt Marvin Compper mit seinem rechten Bein genau auf Ihren Kopf.

An Marvin kann man unseren Geist gut festmachen. Er sieht beim 0:1 nicht gut aus, schüttelt sich, macht ein Superspiel und flankt sensationell.

Stimmt es, dass es für einen Stürmer nichts Schöneres gibt als ein Tor?

Zwei sind noch schöner. Es ist ein irres Gefühl, wenn der Ball im Netz liegt. Vor allem, wenn er das ewig nicht getan hat. Mein letztes Tor habe ich im November in Bielefeld gemacht.

Am Sonntag geht es nach Nürnberg. Der Club hat zuletzt Anfang Oktober verloren, beim 2:3 in Leipzig. Harte Nuss.

Nürnberg hat einen unglaublichen Lauf und viel Qualität. Unser Ziel ist es, unseren Vorsprung auf Platz drei auszubauen. Wir können nicht auf Unentschieden spielen, das sind wir nicht.

Wie würde Ihnen ein Sturm mit Poulsen und Selke gefallen?

Es gibt Schlimmeres.

Interview: Guido Schäfer

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