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„Ich bin ein Harmonie-Mensch“ - RB-Coach Ralph Hasenhüttl in der LVZ-Kuppel

Leser-Forum „Ich bin ein Harmonie-Mensch“ - RB-Coach Ralph Hasenhüttl in der LVZ-Kuppel

RB-Trainer Ralph Hasenhüttl musste am Mittwochabend in der LVZ-Kuppel 200 Lesern und Chefreporter Guido Schäfer Rede und Antwort stehen. Wer ist der Mann, der seit dem Sommer die Geschicke der roten Bullen an der Seitenlinie leitet?

RB-Leipzig-Cheftrainer Ralph Hasenhüttl in der LVZ-Kuppel

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Es war sein erster Besuch in der LVZ-Kuppel: Als RB-Trainer Ralph Hasenhüttl Mittwochabend um 18.53 Uhr überpünktlich zur Talkrunde „LVZ Live“ erschien, wurde der Österreicher von den 200 Lesern, die eine Karte ergattert hatten, mit freundlichem Applaus empfangen. Anschließend stellte sich der 47-Jährige bei einem Glas Milch – seinem Lieblingsgetränk seit Kindesbeinen – 77 Minuten lang den gewohnt witzigen, teils frechen, aber durchaus tiefgründigen Fragen von LVZ-Chefreporter Guido Schäfer. Dabei wurde schnell klar: In Sachen Humor kann der RB-Coach dem Ex-Profi von Mainz 05 absolut das Wasser reichen.

Ralph Hasenhüttl über Leipzig: „Ich habe mich in der kurzen Zeit sehr gut hier eingelebt. Meine Mannschaft und mein Trainerteam machen es mir leicht. Und auch Guido (Schäfer) macht es mir leicht. Noch habe ich aber kein LVZ-Abo.“

Über Kyriakos Papadopoulos: „Ich war gestern mit dem Mountainbike unterwegs, als ich von Ralf Rangnick die SMS bekam, dass es mit der Ausleihe geklappt hat. ,Papa’ wollte einen Wechsel, für einen jungen Spieler wie ihn ist Spielpraxis sehr wichtig. Er hat eine Art von Qualität, die wir noch nicht allzu oft im Kader haben. Er ist nicht so väterlich nett, wie sein Name klingt, sondern kompromisslos und wie eine Klinge im Zweikampf. Er hat schon früher gelernt, vorwärts zu verteidigen und passt daher wunderbar zu uns.“

Zu seinem Lieblingsgetränk Milch: „Als Kind habe ich zwei Liter am Tag davon getrunken, weil es das einzige Getränk war, was im Kühlschrank stand. Meine Mutter meinte: Kalte Milch auf leeren Magen ist eine Katastrophe. Jetzt gewöhne ich es mir gerade ab, denn bei RB achten wir sehr auf Ernährung.“

Kein Alkohol! „Leider bin ich immer klar im Kopf, was auch nicht nur angenehm ist. Ich war aber nicht immer Asket. Meinen letzten Rausch hatte ich als Spieler vor 19 Jahren in Salzburg. Als ich am nächsten Tag die Rechnung für die Säuberung des Taxis bezahlen musste, war mir das peinlich.“

Weitere Verpflichtungen? „Soll ich mal kurz auf mein Handy gucken, ob noch einer kommt? Nein, es ist definitiv: In den letzten fünf Stunden kann eigentlich nichts mehr passieren. Wir geben auch keinen Spieler mehr ab. Bei der Größe des Kaders, die wir jetzt haben, bekomme ich nicht Kopfschmerzen, wen ich Woche für Woche auf die Tribüne setzen muss. Nach der Länderspielpause geht es Schlag auf Schlag, da brauchen wir jeden Mann. Auch Zsolt Kalmar ist Teil des Kaders, ich nehme ihn gern dazu.“

Über das 2:2 in Hoffenheim: „Die ersten Minuten habe ich als naiv bezeichnet, in Wahrheit waren sie katastrophal, jenseits von jeder Abwehrleistung. Aber die Mannschaft passt sich relativ schnell an höheres Niveau an. Nach der ersten Trinkpause waren wir wie eine Heimmannschaft unterwegs. Es war schön zu sehen, dass wir angekommen sind, wir sind eine Bereicherung der Liga. Wir wollen nicht immer zwei Gegentore bekommen, aber zwei schießen schon. Es gab nicht wenige Stimmen, die gesagt haben: Das Spiel Hertha gegen Freiburg um 15.30 Uhr sah aus wie dritte Liga, Hoffenheim gegen Leipzig danach wie erste Liga.“

Hasenhüttl und der junge Philipp Lahm: „Als ich 2002 beim FC Bayern gespielt habe, dachte ich zunächst über ihn: Wie soll er mit dem Körper einen Zweikampf gewinnen? Nach dem ersten Training habe ich nur noch gestaunt. Das hilft mir heute als Trainer, junge Spieler zu bewerten und einzuschätzen. Ich bin dankbar für die Erfahrung.“
Der erste Cheftrainerposten: „Ich war noch nicht sehr weit, als ich Trainer wurde in Unterhaching. Es war schwierig, mir ohne Plan Respekt zu verschaffen. Als Österreicher bekommst du in Deutschland genau eine Chance. Wenn du die nicht nützt, war es das wahrscheinlich. Zum Glück waren wir recht erfolgreich.“

FC Ingolstadt: „Mit unserem Aufstieg hatte kein Mensch gerechnet. Das war einfach nur Arbeit. Wir waren auch in der Bundesliga fest davon überzeugt, dass wir erfolgreich sein werden mit unserem Pressing. Wir konnten nicht besonders gut kicken, haben aber selbst den Bayern die Lust am Fußballspielen genommen. Wir hatten 3000 Zuschauer, als ich kam und waren immer ausverkauft, als ich ging. Das war für mich der größte Erfolg.“

Laufbereitschaft: „Unsere Art zu spielen ist extrem anstrengend, gerade für die Stürmer. Wenn wir den Ball erobern, ist der Puls schon bei 180. Aber davor haben die Zuschauer am meisten Respekt: Was die laufen, was die für den Verein geben – da verzeiht man auch Fehler.“

Ralph Hasenhüttl in der LVZ-Kuppel - Guido Schäfer fühlt dem neuen Trainer auf den Zahn.

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Borussia Dortmund: „Mit Ingolstadt haben wir gegen den BVB 0:4 verloren, da waren wir nicht mutig, haben uns nichts getraut. Daraus haben wir das meiste gelernt, das war unser wichtigstes Spiel. Auch mit Leipzig können wir mal unter die Räder kommen. Aber wir wollen jedes Spiel gewinnen. Gegen den BVB wird es ein Hexenkessel, etwas Historisches – hoffentlich auch das Ergebnis.“

Über aufmüpfige Akteure: „Als Spieler habe ich mir bei drei Runden Lauf erstmal gesagt: Was soll das? Wozu? Als Trainer lasse ich Argumente zu, aber die müssen besser sein als meine.“

...und Spieler, die nachts steil gehen: „Jede Woche Top-Leistungen zu bringen, ist ein enormer Druck, da muss auch mal ein Ventil her. Dafür habe ich Verständnis, aber ich sollte es nicht zugetragen bekommen. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.“

Ralph Hasenhüttl über Ralph Hasenhüttl: „Ich bin authentisch und ein Harmonie-Mensch. Die Jungs sollen Spaß am Training haben. Ich versuche, eine Atmosphäre zu schaffen, wo Entwicklung möglich ist. Mein Ziel ist es, den Fußball hier noch populärer zu machen. Ich will Herzlichkeit ausstrahlen und eine noch engere Verbindung zwischen uns und den Menschen herstellen.“

...und zu Ralf Rangnick: „Ich vermisse ihn am Spielfeldrand. Er wäre der Richtige, der zum Schiedsrichter geht und sagt: Die Gelbe Karte ist ein Witz. Aber nach allem Für und Wider haben wir uns entscheiden, es nicht zu tun. Die Hinweise, die ich jetzt von der Tribüne bekomme, sind absolut kompetent.“

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