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„Ich freue mich auf eine hochspannende Mannschaft!“

Interview mit RB-Coach Ralf Rangnick „Ich freue mich auf eine hochspannende Mannschaft!“

Nach vier Jahren Pause in dieser Funktion steht Ralf Rangnick seit einigen Tagen wieder als Trainer auf dem Platz. Im Interview spricht der 57-Jährige unter anderem über den Aufstiegsdruck bei RB Leipzig, regelmäßige Mahlzeiten und die Kunst des Delegierens.

Ralf Rangnick hat in dieser Saison auch auf der Trainerbank das Sagen.

Quelle: dpa

Leipzig. 2011 zog er den Trainingsanzug aus, jetzt trägt er ihn wieder. RB-Chefcoach Ralf Rangnick, 57, über das Trainer-Comeback des Jahres, regelmäßige Mahlzeiten, die Kunst des Delegierens, Becker-Faust, Aufstiegsdruck und Neuzugang Atinc Nukan (21/Besiktas Istanbul), der am Donnerstag einen Fünfjahresvertrag unterschrieben hat und die Innenverteidigung der Rasenballer stählt.

Was ging in Ihnen vor, als Sie nach vier Jahren wieder aus beruflichen Gründen in einen Trainingsanzug geschlüpft sind?

Als ich auf dem Platz stand, habe ich etwas gefremdelt, das hat sich aber schnell wieder gelegt. Ich bin 30 Jahre Trainer. Das ist wie beim Fahrrad- oder Skifahren - das verlernt man nicht.

Ihre Schalker Kluft trug 2011 ein wenig auf. Sie sind deutlich schlanker. Keine Kohlenhydrate mehr nach 16 Uhr?

Ich achte auf meine Ernährung und regelmäßige Mahlzeiten. Ab und an ist eine kleine Sünde erlaubt. Ansonsten steht Selbstdisziplin ganz oben.

Ralf Rangnick leitete am Montag die erste Trainingseinheit als Chefcoach beim Fußball-Zweitligisten RB Leipzig.

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Auf Schalke haben Sie auf alles, nur nicht auf sich selbst geachtet, waren eine Kerze, die an beiden Enden brannte.

Am Schluss hat bei mir gar nix mehr gebrannt, war ich energetisch am Nullpunkt. Ich habe meinem Körper zu viel zugemutet und ihm nicht das gegeben, was er braucht. Es gab Tage, da habe ich um 22 Uhr festgestellt, dass ich noch nichts gegessen habe. Und der Kühlschrank war voller leckerer Sachen. Lecker und ungesund.

Die Akkus sind durch Ihre neue Lebensweise aufgeladen?

Ja, sind sie.

Sie galten in Stuttgart, Hoffenheim und Schalke als Kontrollfreak. Haben Sie in Ihrer Auszeit als Coach gelernt, Verantwortung abzugeben?

Seit meinem Amtsantritt als Sportdirektor 2012 hat sich in Salzburg und Leipzig Grundlegendes geändert. Wir haben eine Philosophie, wie wir Fußball spielen wollen. Und wir haben die Fußballer, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die diese Philosophie mit Leben füllen. Richtige Leute an richtigen Stellen fällen richtige Entscheidungen. Wir sind top aufgestellt, ich delegiere mit einem guten Gefühl. Ich weiß jetzt, dass man nicht zwei Handys braucht und drei Dinge gleichzeitig tun muss. Ich setze Prioritäten, bin keine 30 mehr.

Sie sind ein Orchesterleiter, der den Dirigentenstab nach getaner Arbeit aus der Hand legt und Musik, Musik sein lässt?

Kann man so sagen.

Wie muss man sich Ihre Trainersuche vorstellen? Haben Sie irgendwann beim Rasieren gedacht: Ich sehe besser aus als der olle Tuchel, habe mehr Erfahrung und trage eh die Verantwortung. Ich mach’ mich selbst zum Trainer!

Wir haben uns mir mehreren Trainern intensiv beschäftigt, es hat aber nie zu 100 Prozent gepasst. Auf ein Blind Date hatten wir keine Lust. Am Ende hat uns dann ein Trainer abgesagt, mit dem wir schon sehr weit waren. Der wollte dann doch bei seinem Verein bleiben.

Stöger, Weinzierl, Gisdol oder gar der fesche Mainzer Martin Schmidt?

Nächste Frage.

Wie hat die Familie auf Ihre Comeback-Pläne reagiert?

Meine Frau und meine beiden Söhne waren sehr überrascht. Ich habe noch Mal eine Nacht darüber geschlafen ...

.... und waren beim gesundem Frühstück mit sich im Reinen und sind mit froher Kunde nach Salzburg gedüst. Dietrich Mateschitz dürfte happy gewesen sein.

Er hat sich gefreut.

Hat er Sie gedrückt?

Nein.

Becker-Faust?

Etwas ähnliches. Er hätte es schon 2012 gerne gehabt, dass ich mich in Salzburg auf die Bank setze.

Sie sind Sportdirektor und Trainer, Mateschitz ist Milliardär und großzügig. Gab es eine kleine Gehaltsaufstockung?

Nein, ich werde auskömmlich bezahlt.

Sie wollen den Staffelstab im Sommer 2016 an einen anderen Trainer weiter reichen. Bleibt es dabei?

Ja, das ist intern so abgesprochen.

Mateschitz schätzt Sie sehr. Ihr Vertrag als Sportdirektor läuft bis 2017, wird aber zeitnah verlängert.

Ja, wir sind in Gesprächen. Ich bin guter Dinge, dass wir am Ende auf einem Aufstiegsplatz stehen. Dafür werden wir hart arbeiten. Wir wissen aber auch, dass Erfolg nur bis zu einem gewissen Punkt planbar ist. Wenn wir im Elfmeterschießen der Relegation scheitern, wird unser Weg und meine Funktion als Sportdirektor nicht in Frage gestellt. Eine Vertragsverlängerung würde das dokumentieren.

Gab es seit 2012 unmoralische Angebote in Sachen Trainerbank?

Anfragen ja, die habe ich aber nie an mich herangelassen. Ich habe hier eine sehr hohe Job-Zufriedenheit.

Wann verlängert Yussuf Poulsen seinen Vertrag über das Jahr 2017 hinaus?

Auch da sind wir in Gesprächen, vielleicht tut sich etwas im Trainingslager. Yussuf will nicht weg.

Aber 2016 wäre bei der aktuellen Vertragssituation der letzte Zeitpunkt, Ablöse zu erzielen.

Wenn wir aufsteigen, wüsste ich nicht, warum er wechseln sollte.

Ihr Neuzugang Willi Orban hat erklärt, dass sein Wechsel eng mit Ihrem Namen verbunden ist.

Als wir Willi angesprochen haben, waren acht Clubs an ihm dran. Mit Salzburg waren wir an Stelle acht, mit Leipzig an sieben.

Dann zauberten Sie das Ass Trainer Rangnick aus dem Ärmel und hüpften auf Platz eins.

Es hat unsere Chancen erhöht.

Vollzog sich bei den Herren Marcel Sabitzer, Massimo Bruno und jetzt auch Atinc Nukan genau so.

Dass ich gerne mit jungen Spieler arbeite und den einen oder anderen besser gemacht habe, war bei den Gesprächen kein Nachteil. Ich freue mich, dass es auch mit Atinc geklappt hat. Ein großes Talent, robust, kopfballstark, Linksfuß. Wir haben uns intensiv mit ihm beschäftigt. Ich war am Freitag in Istanbul, habe fünf Stunden mit ihm gesprochen. Atinc spricht perfekt englisch, ist ein intelligenter Junge, hat Abitur.

Sie haben eine halbe Busladung junger Top-Stürmer im Kader. Dürfen sich die Fans auf ein fideles 2-1-7-System freuen?

Wir spielen mit zwei oder drei Stürmern. Offensive Aufstellung, defensive Grundeinstellung. Defensive Aufstellung, offensive Grundeinstellung.

Bruno soll Ihr Spielmacher werden. Zeigen Sie ihm den Rückwärtsgang?

Massimo hat die Mentalität, auch gegen den Ball zu spielen. Er ist stark am Ball, will selbst Tore machen und hat ein Auge für Situationen und Mitspieler.

Zart besaitete Techniker brauchen das Gefühl, gebraucht zu werden.

Das bekommt er. Eine Wild Card dagegen nicht. Die bekommt keiner.

Ist Ihre Philosophie des Ball-Jagens alternativlos?

Für uns ja.

Ist diese extrem anspruchsvolle Spielart über eine Saison durchzuhalten?

Warum nicht? Daran arbeiten wir täglich. Körper und Geist müssen am Wochenende bereit sein. Jeder Spieler muss den gleichen Gedanken haben. Nur dann funktioniert das Schwarmverhalten. Ich freue auf die Saison und auf eine hoch spannende Mannschaft.

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