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Interview mit Marcel Reif: "RB Leipzig ist im Kopf schon Erstligist"

Vor dem Spiel in Kaiserslautern Interview mit Marcel Reif: "RB Leipzig ist im Kopf schon Erstligist"

Am Montagabend spielt RB Leipzig beim 1. FC Kaiserslautern. Sky-Kommentator Marcel Reif ist in Kaiserslautern aufgewachsen und bekennender FCK-Fan. Vor der Partie seines Vereins tippt er dennoch auf einen Sieg der Leipziger. Ein Interview.

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Marcel Reif glaubt an einen Sieg von RB Leipzig beim 1. FC Kaiserslautern.

Quelle: dpa

Am Montagabend (20.15 Uhr) spielt RB Leipzig beim 1. FC Kaiserslautern. Sky-Kommentator Marcel Reif (66) ist in Kaiserslautern aufgewachsen und bekennender FCK-Fan. Vor der Partie seines Vereins tippt er dennoch auf einen Sieg der Leipziger. Am Rande eines Medienseminares an der Universität Leipzig erklärte der Fußball-Experte, warum er RB durchaus Sympathien abgewinnen kann.

Welche Meinung haben Sie zu RB Leipzig?

Vieles, was in Richtung RB geäußert wird, ist heuchlerischer, läppischer, unreflektierter Populismus. Ich finde, dass in Ostdeutschland ein Erstligist zwingend notwendig ist. Und Leipzig hat dafür nun einmal die besten Voraussetzungen. Ich habe mir das RB-Nachwuchszentrum mal angeschaut und festgestellt, dass es auf Nachhaltigkeit beruht. Es ist ja nicht so, dass hier eine Heuschrecke landet, was mitnimmt und sich dann wieder dünne macht.

Und was sagen Sie zu den Klagen von Traditionsvereinen?

Zu einer freien Gesellschaft gehört die Möglichkeit des Scheiterns. Wenn bestimmte Traditionsvereine ihre Chancen nicht beim Schopf packen – und zwar schon seit Jahrzehnten – dann dürfen sie sich nicht wundern, dass das andere Vereine übernehmen. Natürlich passt mir aber auch so manches nicht, was RB macht.

Zum Beispiel?

Dass sie sich manchmal etwas sehr aggressiv Jugendspieler holen. Wenn RB allerdings nur fertige Profis einkaufen würde, würden die Kritiker wieder sagen: Ihr schmeißt mit eurem Geld in der Gegend herum. Die holen sich also junge Spieler, bauen die auf und schauen dann, ob was draus wird.

Gegen Sponsor Red Bull haben Sie nichts einzuwenden?

Es ist doch völlig normal, wenn einer kommt, viel Geld investiert und dann für seine Brause noch etwas mitnehmen will. Wenn die Fans zu den elf Freunden zurückkehren wollen, die ohne Trikotwerbung aufliefen, ist mir das auch recht. Aber dann müssen wir ganz anders über den Fußball reden.

Waren Sie schon einmal bei einem Heimspiel von RB?

Ja, letzte Saison gegen Kaiserslautern. Da habe ich bemerkt, dass die Leute hier gern ins Stadion gehen und der Fußball angenommen wird in der Stadt. Viel mehr Ansprüche habe ich eigentlich gar nicht. Mit Leuten, die mit der reinen Lehre kommen und Herummoralisieren, habe ich allerdings ein Problem.

Sie sind bekennender Lautern-Fan. Würden Sie das Gleiche auch bei einer Aufsichtsratssitzung des FCK sagen?

Aber zu jeder Zeit. Ich lebe teilweise in München. Da hat der TSV 1860 vor zwei Jahren ein Testspiel gegen RB wegen Fanprotesten abgesagt. Hallo? Wer ist bitte Sponsor bei 1860?

Der jordanische Investor Hasan Ismaik.

Das meine ich mit Heuchelei. Hört auf, Leute! Dass uns das alles zu kommerziell geworden ist und wir vieles zurückdrehen würden, da bin ich sofort dabei. Nur, die Zeit können wir nicht mehr zurückdrehen. Aber dann auf einen zeigen, der das nachhaltig und mit Verstand macht, finde ich unredlich.

Also können Sie auch nicht das Argument nachvollziehen, dass Vereine wie der FCK darunter leiden, wenn Clubs wie RB oder Hoffenheim ihnen einen potenziellen Startplatz in der Bundesliga wegnehmen?

Ich kann Ihnen sagen, worunter der FCK leidet: Die Lauterer haben über Jahrzehnte Mist gebaut. Das Problem der Pfälzer ist nicht, dass Mateschitz irgendwann nach Leipzig kam und dort Geld investiert hat.

Nun treten am Montag Ihre Lauterer gegen RB an. Was tippen Sie?

Das Spiel kann Leipzig eigentlich nicht verlieren. Allerdings ist RB im Kopf schon Erstligist und Kaiserslautern kann in dieser Saison nichts mehr gewinnen oder verlieren und somit frei aufspielen. Da kann man den Geldsäcken zumindest in einer Partie zeigen, wo der Hammer hängt.

Hat Ihnen beim Wechsel des Pfälzers Willi Orban nach Leipzig das Herz geblutet?

Na klar. Aber wem soll ich denn einen Vorwurf machen?

Orban hätte ja auch in Kaiserslautern bleiben können. Man kann wohl auch bei den Pfälzern ganz gut Geld verdienen.

Aber nicht so viel. Und man hat nicht die Chance, so schnell in die erste Liga aufzusteigen. Das dem Jungen vorzuwerfen, ist albern. Wenn Leipzig einen guten Abwehrspieler braucht, dann holen sie ihn sich eben.

Wie gut sehen Sie Willi Orban? Wird er mal in der Nationalelf spielen?

Das ist ein sehr begabter Spieler. Ich kann ihn aber nicht nach seinen Leistungen in der zweiten Liga bewerten. Erst in der Bundesliga wird sich zeigen, ob es für ganz oben reicht.

Sie hören im Sommer als Sky-Kommentator auf. Wie schade finden Sie es, dass Sie wohl kein Spiel von RB mehr kommentieren werden?

Es könnte sein, dass ich irgendwann vielleicht doch noch einmal zurückkehre und auch eine Partie von RB kommentieren werde. Kommt darauf an, ob mir jemand dafür das Geld und die Möglichkeiten gibt. RB wird dabei jedoch nicht der Kristallisationspunkt meiner Entscheidung sein (lacht). Ich würde auf jeden Fall gern noch einmal ein Spiel im Osten kommentieren, denn das ist altdeutsches Fußballgelände.

Unter anderem wurde in Leipzig ja der DFB gegründet.

Und nun ist das Ganze zu einer verdammten Wüste geworden – von Nord nach Süd und Ost nach West kein einziger Bundesligist. Deswegen ist mir jeder willkommen, der herkommt und sagt: Das wollen wir ändern.

Christian Dittmar

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