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Irritationen vor Top-Duell: St. Pauli fordert RB Leipzig heraus

2. Fußball-Bundesliga Irritationen vor Top-Duell: St. Pauli fordert RB Leipzig heraus

St. Pauli kontra RB Leipzig: Vor dem Spitzenspiel der 2. Fußball-Liga gibt es erneut Irritationen. Die beiden Vereine trennen Welten - am Ende haben aber beide ein gemeinsames Ziel.

Pauli-Coach Ewald Lienen sorgte mit einer Aussage vor dem Spiel gegen RB Leipzig für Irritationen.

Quelle: dpa

Leipzig/Hamburg. Wenn der Überraschungsvierte FC St. Pauli den Tabellenführer RB Leipzig zum Spitzenspiel der 2. Fußball-Bundesliga am Millerntor empfängt, prallen zwei Welten aufeinander. Hier der als alternativ geltende Kiezclub, der seinen Werten treu bleiben will und die sportlichen Ziele mit weitaus bescheideneren Mitteln als sein Gegner erreichen muss. Dort der 2009 von einem Weltkonzern (Red Bull) gegründete sächsische Club, der mit reichlich Geld in die Erste Liga geführt werden soll. Vor dem brisanten Duell der Gegensätze am Freitag kommt es inzwischen regelmäßig zu Irritationen.

Diesmal sorgte dafür Ewald Lienens Antwort auf die Frage, ob er Bedingungen wie in Leipzig als Paradies empfinde. „Wenn die Alternative wäre, den Fußball den Faschisten und dem Kommerz zu überlassen, verzichte ich gerne auf die Möglichkeit“, sagte der St.-Pauli-Coach, der mit seinem Club am Mittwoch auch ein Trikot mit dem Aufdruck „Kein Fußball den Faschisten“ präsentierte. Den Dress wird sein Team am Freitag zum Abschluss der Holocaust-Gedenktage tragen. 

St. Pauli setzte sich umgehend mit den Leipzigern in Verbindung. „Das sollte kein Angriff auf Leipzig sein. Das war von Ewald Lienen unglücklich formuliert“, erklärte Medienchef Christoph Pieper. Für RB Leipzig ist der Fall damit erledigt. „St. Pauli hat versichert, dass Ewald Lienen mit seiner Aussage insgesamt die Zusammenhänge so nicht herstellen wollte sowie die explizite Wortwahl nicht uns galt. Damit ist zwischen den Vereinen alles geregelt“, sagte RB-Mediendirektor Florian Scholz. Zudem will sich der Verein aus Leipzig mit der Trikotaktion der Hamburger solidarisieren. Vor dem Anpfiff der Partie wollen die Clubs eine gemeinsame Erklärung verlesen, in der sie sich gegen Gewalt, Fremdenhass und Rechtsextremismus aussprechen. Dass die Roten Bullen auch ein Trikot mit politischer Botschaft tragen, ist hingegen ausgeschlossen.

Der Hauptsponsor weicht beim FC St. Pauli im Spiel gegen RB Leipzig vom Trikot der Hamburger.

Quelle: Screenshot

Schon vor dem Hinspiel gab es Irritationen. Damals entfernte der FC  St. Pauli auf seiner Homepage das dem Konzern-Logo ähnelnde RB-Logo. Seitdem steht dort schlicht Leipzig. Die RB-Verantwortlichen nahmen es belustigt zur Kenntnis und nannten das Vorgehen schlicht „albern“.

Für Paulis Lasse Sobiech sind die Sachsen, die elf Punkte Vorsprung auf Platz vier haben, Aufstiegskandidat Nummer eins. „Die Leipziger sind bereits durchgestartet. Sie spielen einen überragenden Fußball“, lobte der Abwehrchef. Dennoch hofft Lienen, dem Favoriten wie in den letzten beiden Duellen (jeweils 1:0) Paroli bieten zu können: „Leipzig ist das Maß der Dinge. Das wird eine große Herausforderung für die Jungs - aber das Leben ist dafür da, Herausforderungen anzunehmen.“

Dass der letztjährige Beinahe-Absteiger aus der Hansestadt bei nur drei Punkten Rückstand auf den Relegationsrang weiter um den Aufstieg mitspielen kann, überrascht hingegen schon. Garant dafür war und ist Lienen. „Seitdem er übernommen hat, wird dort ein richtiger guter Job gemacht. Lienen passt von seiner Art her super zum Verein", sagt RB-Coach Ralf Rangnick. Der 62 Jahre alte Routinier führte den FC vergangene Saison im Überlebenskampf vom letzten auf den 15. Rang. Lienen sorgte dafür, dass aus der einstigen Schießbude ein stabiles Abwehrbollwerk wurde. Auch 2015/16. Bester Beweis: Bereits zehnmal blieb Torhüter Robin Himmelmann ohne Gegentor.

Zum Spiel in dem am Freitag (18.30 Uhr) mit 29 546 Besuchern ausverkauften Millerntor-Stadion reisen auch 2200 Leipziger Fans mit. 

agri/LVZ

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