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Leipziger Stadtkonzern als RB-Sponsor: Stadträte sind uneins

200000-Euro-Deal Leipziger Stadtkonzern als RB-Sponsor: Stadträte sind uneins

Eigentlich sollte es nur eine freundliche Geste der Leipziger Stadtwerke, Verkehrsbetriebe und Wasserwerke an den Großkunden RB Leipzig werden. Denn die drei stadteigenen Firmen wollen weiter im Geschäft mit dem wachsenden Fußballverein bleiben. Doch die Kritik an dem geplanten Sponsoringvertrag ist unüberhörbar.

Die Begeisterung für RB ist in Leipzig groß – doch wenn es um das Geld der Stadt geht, schauen in den Ratsfraktionen viele ganz genau hin
 

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig.  Der stadteigenen LVV-Holding – zu der Stadtwerke, Wasserwerke und Verkehrsbetriebe gehören – bläst der Wind ins Gesicht: In der Öffentlichkeit gibt es Kritik an dem Plan, den Fußball-Bundesligisten RB-Leipzig mit rund 200000 Euro im Jahr und Nachlässen bei Sachleistungen zu sponsern. Die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (LVV) betont jetzt, das Engagement habe rein wirtschaftliche Gründe und keinem anderen Leipziger Verein werde dafür die Unterstützung entzogen, die er bislang von der Holding erhält. Dies gelte unter anderem auch für die Handballer des SC DHfK Leipzig, die ungefähr in gleicher Höhe wie RB gesponsert würden.

Für Leipzigs Stadtfirmen ist RB ein wichtiger Geschäftspartner. Im vergangenen Jahr wurden mehrere Millionen mit den Rasenballern umgesetzt. So verdienen die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) nicht nur an der Beförderung von Stadion-Besuchern, sondern fahren Fans auch zu Auswärtsspielen. Und die Leipziger Stadtwerke liefern Strom- und Fernwärme für das RB-Stadion und die sieben Fußballplätze des neuen RB-Trainingszentrums am Cottaweg. Diese Umsätze würden im laufenden Jahr um einen siebenstelligen Betrag wachsen, heißt es.

Für den Fall, dass die LVV doch nicht in den Sponsoringvertrag einsteigt, wird es Sponsoring-Verhandlungen mit dem direkten Stadtwerke-Konkurrenten EnviaM geben. Dann könnte dieser an Stelle der Stadtwerke in den beiden Kurven des RB-Stadions werben sowie vor und nach dem Spiel Spots über die Anzeigetafeln laufen lassen. Nach Ansicht von Experten würden dann nicht nur Stadtwerke-Kunden zur Konkurrenz wechseln, sondern über kurz oder lang auch den Stadtwerken die Energielieferungen an RB verloren gehen. Die LVB könnten ebenfalls wichtige Beförderungsaufträge von RB verlieren, heißt es.

Die Unterzeichnung des LVV-Sponsoringvertrages mit RB ist für September geplant. Ob es dazu kommt, hängt jetzt von den Fraktionen im Stadtrat ab. Denn die LVV ist als Stadtfirma an die Weisungen aus dem Rathaus gebunden. Bei einer LVZ-Umfrage zeigte sich gestern: Der Stadtrat ist gespalten.

Die CDU-Fraktion: „Ich finde es außergewöhnlich gut, dass Leipzig jetzt mit RB eine familienfreundliche Bundesligamannschaft hat“, stellte sich Fraktionschef Claus-Uwe Rothkegel hinter den Bundesligisten. Leipzig profitiere bereits wirtschaftlich stark von RB und künftig werde noch viel mehr Geld an die Stadt fließen – deutlich mehr auch als der jetzt geplante Sponsoring-Betrag der LVV-Gruppe. „Sicherlich kann man kritisch sehen, dass das Geld von einer großen kommunalen Firmengruppe kommt“, räumte Rothkegel ein. „Zumal die finanzielle Situation bei den städtischen Betrieben nicht einfach ist. Aber ich bin selber Unternehmer und weiß, dass solche Sponsoring-Beträge bei einer Bundesligamannschaft gut angelegt sind.“

Die SPD-Fraktion: „RB ist ein guter Werbeträger, aber über die Sponsoringsumme kann man trotzdem diskutieren“, befand Stadtrat Christopher Zenker, der den Fachausschuss Sport der Stadt leitet. Doch der Energiemarkt sei in Leipzig umkämpft und ohne die Werbeflächen im RB-Stadion drohe den Stadtwerken der Verlust von noch mehr Kunden. „Dass Fans anderer Leipziger Fußballvereine das Sponsoring besonders kritisch sehen, kann ich verstehen“, so Zenker. „Aber aktuell wird von den Leipziger Fußballvereinen nur RB bundesweit wahrgenommen.“

Die Fraktion der Linken: „Wir sehen diesen Deal mit gemischten Gefühlen“, sagte der sportpolitische Sprecher Adam Bednarsky. Für den Abschluss spreche der bundesweite Werbeeffekt für Leipzig sowie die Refinanzierung durch Ticket-, Wasser- und Stromeinnahmen; dagegen die finanzielle Lage der Stadtholding und die nach wie vor ständig steigenden Preise, vor allem im Nahverkehr.

Die Fraktion der Grünen: „Als Aufsichtsräte der LVV und aller Beteiligungsunternehmen ärgert uns maßlos die Intransparenz der Angelegenheit“, erklärte Fraktionsgeschäftsführer Ingo Sasama. „Es gab keinerlei Informationen vorab über das in der Presse stehende hinaus.“ Die Details des Vertrages könne man deshalb noch nicht bewerten.

Die FDP: „Es ist nicht Aufgabe eines kommunalen Unternehmens, als Sponsor einzusteigen“, so Stadtrat René Hobusch. „Wir erwarten von unseren Unternehmen Zurückhaltung in diesem Bereich, denn es ist das Geld der Leipziger, das dort ausgegeben wird.“ Aufgabe der LVV sei es, Leistungen der Daseinsvorsorge zu erbringen – zuverlässig und zu fairen Preisen. „Wenn ein Verein Unterstützung braucht, dann soll er einen Förderantrag stellen und dann entscheidet der Stadtrat mit voller Transparenz“, so der Jurist. Dies stehe so in dem von der FDP erstrittenen Zuwendungsbericht der Stadt. „Sonst werden Schattenhaushalten und Gefälligkeitswirtschaften Tür und Tor geöffnet.“

Die AfD-Fraktion: Sie lehnt die Sponsoring-Initiative grundsätzlich ab und begründete dies mit der Preisentwicklung bei den Stadtwerken, den Wasserwerken und den Verkehrbetrieben. „Angesichts der Endlosspirale an finanziellen Belastungen der Leipziger Bürger ist ein kommunales Sponsoring für einen Profiverein wie den Bundesligisten RB Leipzig nicht verantwortbar“, sagte Stadtrat Holger Hentschel. Die LVB seien Jahr für Jahr auf Zuschüsse aus Steuergeldern angewiesen, zum Beispiel um den Straßenbahnbetrieb aufrecht zu erhalten. Außerdem sei der Finanzbedarf für die städtische Infrastruktur enorm. Die Stadtwerke sollten besser mit „marktgerechten Angeboten“ um Kunden werben.

Von Andreas Tappert

Leipzig, Red Bull Arena 51.346108 12.351561
Leipzig, Red Bull Arena
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