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Nach RB-Leipzig-Auftritt bei Dynamo: Bullenkopf kam wohl in Kiste ins Stadion

Auch die Polizei ermittelt Nach RB-Leipzig-Auftritt bei Dynamo: Bullenkopf kam wohl in Kiste ins Stadion

Wie genau kam der Bullenkopf, der während der Pokalpartie zwischen Dynamo Dresden und RB Leipzig aus dem Heimfanblock flog, eigentlich ins Stadion? Diese Frage beschäftigt inzwischen auch die Polizei. Der DFB befasst sich neben dem Kopf auch mit schwierigen Spruchbändern.

Der Bullenkopf war nur ein - besonders ekliges - Detail im Duell zwischen Dynamo Dresden und RB Leipzig. Von vielen Spruchbändern im K-Block sprach der pure Hass. Auch die schaut sich der DFB nun an.

Quelle: Imago

Leipzig. Der Pokalfight Dynamo Dresden gegen RB Leipzig endete wie allseits bekannt und hat ein unappetitliches Nachspiel. Der DFB-Kontrollausschuss (eine Art Staatsanwaltschaft im Mikrokosmos Fußball) hat Ermittlungen wegen unsportlichem Fan-Verhalten eingeleitet. Parolen, ein abgetrennter Rindskopf im Innenraum, fliegende Feuerzeuge – den unter Bewährung stehenden Dynamos droht Ärger. „Wir müssen unseren Ordnungsdienst und die Sicherheitskräfte befragen, ob die eine Erklärung dafür haben, wie das Ding dahin gekommen ist. So ein Kopf ist ja schon groß und kein kleiner Gegenstand“, sagte Dynamo-Pressesprecher Henry Buschmann in Bezug auf den Schädel.

Buschmann nannte diese Aktion „sehr, sehr bitter und widerwärtig“, mahnte aber davor, sie überzubewerten und das Spiel in ein schlechtes Licht zu rücken: „Es war ein unfassbares Fußballfest. Das kann man auch durch einen Bullenkopf nicht infrage stellen.“ Das sieht man nicht überall so.

Die Dresdner Polizei ist in der Spur. Polizeisprecher Thomas Geithner: „Wir haben ein Verfahren eingeleitet, die Staatsanwaltschaft ist auch beteiligt.“ Im Augenblick geht es um eine Ordnungswidrigkeit, es könnte aber auch noch mehr daraus werden. „Wir waren noch einmal im Stadion und haben nach Spuren gesucht. Dabei haben wir eine Kiste gefunden, in die der Kopf reinpassen würde.“ Es seien Blutspuren daran gewesen, aus denen man schlussfolgern könne, dass der Kopf darin transportiert worden ist.

Der abgetrennte Bullenkopf vor dem Dynamo-Fanblock.

Quelle: Imago

Der DFB überprüft auch, welche Spruchbänder hinnehmbar und welche untragbar sind. „Wir saufen unseren Vodka pur!“ ist eine lässliche Beschreibung des Trinkverhaltens. „Bullen sind zum Schlachten da“ dürfte Anstoß erregen.

Doch nicht nur gelb-schwarze Fans benahmen sich daneben. So landete mindestens ein Feuerzeug in der Nähe von Dresdens Stürmer Stefan Kutschke. Geworfen aus dem Leipziger Block.

Rangnick beim Kicker-TV-Talk: "Wir machen unseren Job"

Das Leipziger Pokal-Aus hat auch an anderer Stelle Folgen. So herrscht spätestens jetzt Gewissheit, dass zwei, drei neue Spieler kommen müssen. Insofern passte der Ausflug von RB-Sportdirektor Ralf Rangnick zum Kicker-TV-Talk nach München-Unterföhring am Montag nicht so gut ins Programm. „RB Leipzig – Fluch oder Segen?“ lautete der Titel der Sendung. Rangnick räumte die besondere Anschubfinanzierung durch Red Bull ein, sah ansonsten keinen Anlass, sich für irgendetwas anmachen zu lassen oder gar zu entschuldigen. „Wir machen unseren Job, haben eine Philosophie. Es wird eben nicht alles mit Geld geregelt.“

Für Jan-Henrik Gruszecki, Fan-Aktivist, Journalist und BVB-Fan, ist RB Totengräber des deutschen Profifußballs. „Mit Nürnberg ist ein Traditionsverein, der sein Geld selbst verdienen muss, nicht aufgestiegen. Weil RB mit einem Formel-1-Wagen ein Seifenkistenrennen fährt.“ Und: „Wer außer RB hätte sich 2013 einen Yussuf Poulsen leisten können?“ Alle Erstligisten. Poulsen hat laut Rangnick 1,2 Millionen Euro gekostet (Die einst kolportierten 500.000 Euro haben sich durch zwei Aufstiege offenbar vermehrt).

Katja Kraus, Sportmarketing-Frau und einst im Vorstand des Hamburger SV, findet es gut, dass ein neuer Mitbewerber dabei ist. „Der Sport lebt von kontrovers diskutierten Themen.“ Und in Bälde könnte RB den de facto außer Kraft gesetzten Wettbewerb um den Titel vitalisieren. Mit Blick auf Gruszecki: „Warum ist eine Fankultur, die sich gerade ausbildet, schlechter als eine gewachsene?“

Kicker-Chefreporter Oliver Hartmann hält fest: „RB ist in Leipzig angekommen, die Zuschauerzahlen sprechen für sich.“ Und: „Es ist spannend, wie dort mit dem Geld umgegangen wird. Es wird in Steine und Beine investiert. Da wird etwas aufgebaut, dass über Jahrzehnte Bestand haben wird. Auch wenn Red Bull mal nicht mehr dabei ist.“

Rangnick und Gruszecki kamen nicht auf einen Nenner. Der BVB-Anhänger kam eine Stunde lang mit demselben Argument um die Ecke: RB ist reich und nimmt mindestens einem armen Verein einen Platz weg. Hartmann: „Seit Rangnick da ist, steht eine klare Strategie dahinter.“ Die hatte gestern in München-Unterföhring nicht jeder.

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