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Nach dem Trainingslager: Ralf Rangnick spricht Klartext

RB-Coach Nach dem Trainingslager: Ralf Rangnick spricht Klartext

Geschafft, am Dienstag fliegen die Rasenballer heme. An die Stanze müssen die Männer vom Zweitliga-Ersten erst wieder am Freitag. Dann beginnt die Vorbereitung aufs Spiel gegen Braunschweig. RB-Cheftrainer Ralf Rangnick über Freud und Leid im Belek-Trainingslager, Wetten auf seine Verweildauer als Trainer und HB ohne Filter.

RB-Coach Ralf Rangnick beim Training seiner Jungs am Leipziger Cottaweg (Archivbild).

Quelle: dpa

Belek. Geschafft, am Dienstag fliegen die Rasenballer heme und schließen ihre Lieben in die Arme. An die Stanze müssen die Männer vom Zweitliga-Ersten erst wieder am Freitag. Dann beginnt die Unmittelbare Wettkampfvorbereitung (UWV) aufs Zweitligaspiel gegen Eintracht Braunschweig am 7. Februar. RB-Cheftrainer Ralf Rangnick, 57, über Freud und Leid im zehntägigen Belek-Trainingslager, Wetten auf seine Verweildauer als Trainer und HB ohne Filter.
 
LVZ: Hat das Camp seinen Zweck erfüllt?
 
Ralf Rangnick: Ja, wir hatten gute, aber keine sehr guten Bedingungen. Gestört hat der Wind. Und wir hatten mit steigender Trainingsintensität Probleme mit unserem Trainingsplatz. Die Spieler haben darüber geklagt, dass der Boden zu hart ist und auf den Rücken geht. Das strahlt dann oft in die rückwärtige Oberschenkel-Muskulatur aus. Die Blessuren sind aber nicht schwerwiegend.
 
Hat sich im Hinblick auf den Start die bisherige Stamm-Elf verändert?
 
Es sind nicht zehn Plätze umkämpft, das fokussiert sich auf zwei, drei, vier Positionen. Jetzt geht es darum, das Team für das Braunschweig-Spiel finden.
 
Genügen die Fitnesswerte Ihrer Männer jetzt schon dem Anspruch?
 
Unser Spiel ist abhängig von vielen Sprints. Und man kann nur oft sprinten, wenn Grundlagenausdauer und Belastungsresistenz stimmen. Wir sind auf einem guten Weg, bis zum Braunschweig-Spiel sind ja noch ein paar Tage Zeit.
 
Was hat sich der gestresste Chef der Kompanie in Belek außerhalb des Fußball-Platzes gegönnt?
 
Einen Besuch im Hamam.
 
Früher war eine Vorbereitung nur dann gut, wenn die Spieler reihern und den Rasen auf allen Vieren verlassen. Gilt heute: weniger ist mehr.
 
Die Trainingssteuerung ist extrem wichtig. Wir müssen den Jungs die Chance geben, dass sie am Wochenende fit sind und mit vollem Tank ins Spiel gehen. Auch vor Testspielen geben wir mindestens am Nachmittag frei. Es macht wenig Sinn, mit schweren Beinen oder beginnenden entzündlichen Prozessen zu spielen.
 
Das Rangnick-Halbjahr mit 41 Punkten und Platz eins war nicht zu erwarten. Überrascht?
 
Am Anfang lief es nicht reibungslos, im Oktober waren wir fünf Punkte von oben weg. Wir haben dann allerdings einen guten Rhythmus gefunden und unsere Spielidee immer besser auf den Platz gebracht.
 
Wie hätte sich der Fußballer Rangnick bei der RB-Balljagd aus der Affäre gezogen?
 
Ich hätte vom Läuferischen und von der Mentalität her einiges mitgebracht, um unser heutiges Spiel zu spielen. Ob ich es zu mehr gebracht hätte als zur Schwelle von der dritten zur zweiten Liga, weiß ich nicht.
 
Wie bilden Sie sich fort?
 
Wir schauen mit unseren Scouts und Video-Analysten, was sich weltweit tut und versuchen die Dinge, die uns helfen und weiterbringen könnten, raus zu picken. Wir denken über alles nach, was Sinn macht. Auch wenn der Hinweis von Ihnen kommt (lacht). Man lernt nie aus.
 
Frühere Trainer-Generationen waren dickbäuchig, liebten Kaltgetränke und quarzten. Warum seid Ihr Trainer heute Asketen?
 
Die Anforderungen an die Spieler sind deutlich höher geworden, das Spiel und wir Trainer verlangen viel. Und wenn ich Wasser predige und Wein trinke, hat das auch was mit Glaubwürdigkeit zu tun. Eine gewisse Vorbildfunktion kann man nicht wegdiskutieren.
 
Wenn jemand 1000 Euro darauf wettet, dass der RB-Coach in der kommenden Saison Rangnick heißt, wird er reich?
 
Er sollte das Geld lieber spenden, da bekommt er die Hälfte vom Finanzamt zurück. Es ist nämlich nicht sehr wahrscheinlich, dass ich Trainer bleibe.
 
Was wäre, wenn Ihr Nachfolger HB ohne Filter raucht?
 
Solange er nicht auf der Bank oder während der Mannschaftssitzung raucht, ist das okay. Wir suchen einen Fachmann, keinen Mönch.
 
Hat sich Ihr Verhältnis zu Journalisten über die Jahre verändert?
 
Es war und ist Intakt. Was mir nicht gefällt ist, wenn jemand über mich schreibt, der mich nicht kennt, mit dem ich nie gesprochen habe. Ein Journalist muss auf der Höhe der Aktualität sein, wissen, was passiert, sich interessieren und dabei sein. Auch und gerade in einem Trainingslager. Dann habe ich auch mit frechen Fragen kein Problem. Man darf nicht alles, was gesendet oder geschrieben wird, zu persönlich nehmen, sonst kann man in diesem Beruf nicht über Jahre hinweg arbeiten.
 
Was ist wichtig in Ihrem Leben?
 
Es geht darum, geistesgegenwärtig zu sein. Ich möchte Dinge wahrnehmen, genießen und nicht ständig darüber nachdenken: Was könnte noch besser laufen? Ich bin darin nicht perfekt, arbeite aber weiter an mir.
 
Sie sind fordernd. Sind Sie zuweilen auch verletzend?
 
Es ist schon vorgekommen, dass ich etwas übers Ziel hinausschieße. Dann gehe ich ein, zwei Tage später hin und sage zu der- oder demjenigen sorry.
 
Wer diskutiert mit Ihnen auf Augenhöhe und wagt Widerworte?
 
Ich diskutiere mit dem Trainerstab, unserem Sportpsychologen, der Medienabteilung, Oliver Mintzlaff. RB Leipzig ist schließlich keine One-Man-Show.

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