Startseite LVZ
Volltextsuche über das Angebot:

Google+ Instagram YouTube
Orban im Fadenkreuz: DFB und Polizei ermitteln gegen Fans in Kaiserslautern

RB Leipzig Orban im Fadenkreuz: DFB und Polizei ermitteln gegen Fans in Kaiserslautern

Nach einem geschmacklosen Plakat mit Fadenkreuz gegen Willi Orban ermitteln der DFB-Kontrollausschuss und die Polizei in Kaiserslautern. Der FCK distanzierte sich am Dienstag in einer Erklärung von den Inhalten der Transparente.

So wurde beim Spiel zwischen Kaiserslautern und RB Leipzig gegen Willi Orban gehetzt.

Quelle: imago sportfotodienst

Leipzig. Es war der Aufreger am Rand des Zweitligaspiels zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und RB Leipzig: Auf einem Plakat zeigten Pfälzer Fans das Gesicht von Willi Orban mit einem darübergelegten Fadenkreuz. Die Aktion hat jetzt ein juristisches Nachspiel. „Der Kontrollausschuss hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet“, bestätigte am Dienstag ein Sprecher des Deutschen Fußball Bundes gegenüber LVZ.de.

„Mir war bewusst, dass es solche Reaktionen geben kann. Ich habe versucht, mich auf meine Leistung zu konzentrieren und glaube, dass das soweit ganz gut gelungen ist“, sagte Orban nach dem Spiel.

Auch die Polizei in Kaiserslautern befasst sich mit dem Fall. „Wir haben ebenfalls Ermittlungen eingeleitet“, sagte Wolfgang Denzer, Sprecher beim Polizeipräsidium Westpfalz. Die Beamten hätten die Szenerie im Stadion gefilmt und auch fotografiert. Ein Staatsanwalt war während des Spiels laut Denzer ebenfalls vor Ort, sah aber offenbar keinen Grund zum Eingreifen.

Laut Denzer hatte sich der Hass gegen den ehemaligen Lauterer-Spieler Orban schon in den Tagen vor der Begegnung hoch geschaukelt. „In der Stadt wurden Fahndungszettel mit der Aufschrift ‚Wanted‘ und dem Kopf von Orban geklebt“, berichtet Denzer. Auch in den sozialen Netzwerken sei heftig gehetzt worden. „Der Spieler hat bei einigen Fans ein Verräter-Image“, so Denzer.

Das Transparent mit dem Fadenkreuz und der Aufschrift „Scheiß Orban“ war nur eine Hasstirade gegen den RB-Abwehrchef. Weitere Schmähplakate gegen den Spieler und den Verein sahen die Besucher im Stadion und an den Fernsehbildschirmen zu Hause. „Der FCK distanziert sich in aller Deutlichkeit von jeglichen Transparenten, auf denen Personen beleidigt, herabgewürdigt oder auf irgendeine Art und Weise diffamiert werden und möchte sich bei den betroffenen Personen in aller Form entschuldigen", teilte der Verein am Dienstagnachmittag mit. „Wenn das Recht auf freie Meinungsäußerung allerdings missbraucht wird, um Personen auf respekt- und geschmacklose Art und Weise zu beschimpfen, dann können wir das nicht mehr tolerieren. Wir werden die Vorfälle intensiv aufarbeiten“, erklärte Thomas Gries, Vorstandsvorsitzender des 1. FC Kaiserslautern.

Rangnick: „Neue Dimension an Geschmacklosigkeit“

Plakate und Banner müssten vor dem Spiel beim Verein angemeldet werden. Die Orban-Drucke seien dem FCK unbekannt gewesen, erklärte FCK-Sprecher Roßkopf. Offen blieb weiterhin die Frage, weshalb sie dennoch 90 Minuten lang gezeigt werden durften.

Von einer „neuen Dimension an Geschmacklosigkeit“ sprach hingegen sein Trainer Ralf Rangnick: „Wenn das für einen Spieler ist, der seit seinem fünften Lebensjahr und dann 18 Jahre lang für einen Verein spielt, dem der Verein eine Ausstiegsklausel gegeben hat, dann ist das für mich völlig unverständlich.“

Auch Sport1-Experte Peter Neururer zeigte sich schockiert. „Das ist ein Skandal, da kriege ich das Erbrechen. So geht man mit keinem Menschen um“, sagte er als Co-Kommentator des Spiels.

Die 300 mitgereisten RB-Fans wollten ebenfalls ein Banner aufhängen, durften aber nicht. „Jak 4.7“ stand nur drauf – ein so knackiger wie zarter Hinweis auf eine Bibelstelle im Jakobus-Brief: „Widerstehet dem Teufel, so flieht er von euch.“ FCK-Sprecher Roßkopf erklärte: „Das Transparent wurde von uns verboten. Es bestand aus Tapetenrolle und ist aufgrund des Materials zu leicht entflammbar. Mit dem Inhalt hatte das absolut nichts zu tun.“

Verbotenes RB-Transparent.

Quelle: privat

Die Bullen-Anhänger haben sich am Dienstag mit Orban solidarisiert. „Was in Kaiserslautern abgelaufen ist, darf hier nie passieren! Willi, die RB-Fans stehen hinter dir!“, schreiben sie auf Twitter unter dem Hashtag #WirsindWilli.

Von Matthias Roth

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News

Jede Woche im LVZ-Tippspiel zur Saison 2016/17 regionale Partien tippen und tolle Preise gewinnen! mehr