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Peter Neururer zum Duell RB gegen Bochum: „Es wird nicht 0:0 ausgehen“

Interview Peter Neururer zum Duell RB gegen Bochum: „Es wird nicht 0:0 ausgehen“

Wenn RB Leipzig am Sonntag beim VfL Bochum gastiert, wird einer mit Sicherheit dem VfL die Daumen drücken: Peter Neururer. Im Interview spricht der 60-Jährige über das Zweitliga-Spitzenspiel zwischen Bochum und RB, seine Trainer-Karriere und den Ost-Fußball.

Derzeit Experte für Sport1: Peter Neururer.

Quelle: dpa

Bochum. Wenn RB Leipzig am Sonntag (13.30 Uhr) beim VfL Bochum gastiert, wird einer mit Sicherheit dem VfL die Daumen drücken: Peter Neururer. Der 60-Jährige wurde im vergangenen Dezember beim Ruhrpott-Klub entlassen, nachdem es Differenzen mit der Vereinsführung gab und ist aktuell ohne Trainerjob. Im LVZ-Interview spricht Neururer, der in seiner 31-jährigen Karriere als Coach auch bei Schalke, Hertha, Hannover, Köln und Düsseldorf auf der Bank saß, über das Zweitliga-Spitzenspiel, Angebote aus Ostdeutschland und seinen Golfschwung.

Sie haben einmal gesagt: „Wenn ich Arbeit habe, dann ist das für mich wie Urlaub.“ Müssen wir uns Sorgen um Sie machen?

Nein, nein. ich habe ja Arbeit, bin für Sport1 tätig. Aber natürlich ist das nicht dasselbe wie als Trainer zu arbeiten, was ich nach wie vor will. Und da bin ich auch optimistisch, dass das bald wieder klappt.

Ihre Website ist nur auf Englisch, planen Sie ein internationales Engagement?

Naja, auf Deutsch braucht man meinen Namen nicht mehr groß vorzustellen. Ich bin für vieles offen. Fest steht allerdings: Retter will ich nicht mehr sein. Da steht der Aufwand nicht im Verhältnis zum Ertrag. Erstligisten oder ambitionierte Zweitligisten kann ich mir gut vorstellen. Auch das Ausland würde mich reizen, allerdings ist die Referenzgröße immer die 1. Bundesliga.

Jürgen Klopp hat den Schritt ins Ausland gewagt. Passt das mit Liverpool?

Das kann ich schwer beurteilen. Auf jeden Fall ist es schade für die Bundesliga, dass ein Typ wie Jürgen Klopp nun fehlt. Aber es ist eine tolle Aufgabe für ihn. Liverpool ist ein Klub mit einer riesigen Tradition. Allerdings stehen sie nur im Mittelfeld der Tabelle. Aber in Mainz hat er auch gezeigt, dass er etwas aufbauen kann.

Sie sind aktuell ohne Trainerjob. Was machen Sie derzeit? Sie twittern gelegentlich vom Golfplatz...

Ich golfe gern, zumeist für den guten Zweck. Ist doch toll, mit dem, was einem Spaß macht, noch anderen Menschen helfen zu können. Bei den „GOFUS“, den golfenden Fußballern, bin ich mit Ex-Schalkern aktiv. Auch für den guten Zweck. Zudem bin ich ja bei Sport1 und dafür auch häufig unterwegs.

Ihr Golf-Handicap?

12,6.

Nicht schlecht...

Naja, Beobachter sagen, es sieht nach einer golfähnlichen Bewegung aus.

Am Sonntag steigt das Zweitliga-Spitzenspiel zwischen Ihrem Ex-Klub VfL Bochum und RB Leipzig, ein richtiger Kracher.

Naja, der VfL Bochum steht in der Tabelle ganz vorne, aber Leipzig muss bis dahin noch eine Lücke schließen. Vonseiten des VfL ist es auf jeden Fall ein Spitzenspiel (lacht).

Sie werden mit Herzblut den VfL unterstützen?

Was heißt mit Herzblut. Aber natürlich würde ich mich über einen Bochumer Sieg sehr freuen. Bis auf wenige Spieler habe ich die Mannschaft ja zusammengestellt und betreut und zu vielen Spielern habe ich auch noch Kontakt.

Sind Sie überrascht vom gegenwärtigen Erfolg der Bochumer?

Keinesfalls. Ich habe damals immer gesagt, dass vieles möglich ist, wenn die Mannschaft zusammenbleibt und in Ruhe gearbeitet wird. Der aktuelle Trainer leistet hervorragende Arbeit.

Was für ein Spiel erwarten Sie?

Ich denke, dass zwei Mannschaften aufeinandertreffen, die auf jeden Fall nach vorne spielen, hoch verteidigen und versuchen, Tore zu erzielen. Es wird ein attraktives Spiel für die Zuschauer werden, das nicht 0:0 ausgehen wird. Da lege ich mich fest.

Ihr Abgang 2014 in Bochum war nicht geräuschlos. Der Verein warf Ihnen „vereinsschädigendes Verhalten“ vor. Haben Sie das verdaut?

Noch ist das nicht ausgestanden, ich befinde mich ja aktuell noch im Prozess. Da sind Dinge gelaufen, die nicht richtig waren.

War Bochum dennoch Ihre schönste Zeit als Trainer?

Die erste Station in Bochum, unter Präsident Altegoer, war sicherlich die emotionalste meiner bisherigen Laufbahn. Ich war vier Jahre dort, wir sind aufgestiegen und haben uns für den Europapokal qualifiziert. Das war gleichzeitig die erfolgreichste Phase des Vereins überhaupt. Darauf werde ich noch häufig angesprochen.

RB Leipzig ist für viele Experten der größte Favorit auf den Bundesliga-Aufstieg. Auch für Sie?

Sie waren es auch für mich, allerdings vor der Saison. Aber nun sind sie nur Fünfter und ein anderes Team ist Spitzenreiter. Das ist Bochum. Wie schon gesagt, das müssen die Leipziger erst einmal aufholen.

Also steigt der VfL auf?

Der Mannschaft und den Fans des VfL Bochum würde  ich den Aufstieg in die  Bundesliga gönnen, und ich glaube auch, dass sie es schaffen können.

Als Sie mit Bochum gegen RB gespielt haben, sollen Sie das „Fußballkonstrukt RB“ kritisiert haben. Was meinten Sie damit?

„Fußballkonstrukt“ habe ich so nicht gesagt. Ich habe mich lediglich darüber aufgeregt, dass RB die Spieler zwischen Salzburg und Leipzig hin- und herschieben kann. Dazu stehe ich. Das ist aber nicht die Schuld des Vereins RB, sondern die des DFB. Die Statuten erlauben das. Aber für mich ist das Wettbewerbsverzerrung.

Die einen sagen, RB sei gut für den Fußball-Osten, andere behaupten das Gegenteil. Wie sehen Sie das?

Ich sehe außer Leipzig weit und breit keinen Verein in Ostdeutschland, der aktuell in der Lage wäre, in die Bundesliga aufzusteigen.

Sie selbst haben in Ihrer langen Trainerlaufbahn noch keinen ostdeutschen Verein gecoacht. Woran lag das?

Als ich Mitte der Achtziger angefangen habe, ging das ja sowieso noch nicht. Später war ich in der Bundesliga und es gab wenige Vereine, zu denen ich aus sportlicher Sicht hätte gehen können. Dynamo Dresden wäre einer gewesen, und da gab es mit dem damaligen Präsidenten Otto auch mal Verhandlungen. Aber dann kam dieser Lizenzentzug und Dresden musste absteigen.

Mario Basler hat es als Sportdirektor zum Fünftligisten 1. FC Lok verschlagen...

Ja, und da macht er auch einen guten Job. Mein alter Co-Trainer Heiko Scholz ist  dort Trainer. Sie sind Erster und müssen auch aufsteigen, bei dieser Tradition.

Joel Stubert

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