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RB-Coach Hasenhüttl: „Werden kein Spiel verlieren, entweder wir gewinnen oder lernen“

Interview im Trainingslager RB-Coach Hasenhüttl: „Werden kein Spiel verlieren, entweder wir gewinnen oder lernen“

Als aktiver Fußballer war Ralph Hasenhüttl weder der Fleißigste noch der Talentierteste, wie er zugibt. Im Interview erzählt der 48-Jährige von seinen Anfängen und was die Spieler bei RB von ihm zu erwarten haben.

Trainingslager in Grassau: RB-Chefcoach Ralph Hasenhüttl gibt Marcel Sabitzer Tipps für sein Spiel.

Quelle: PICTURE POINT

Grassau.  Als aktiver Fußballer war Ralph Hasenhüttl weder der Fleißigste noch der Talentierteste, wie er zugibt. Im Interview erzählt der 48-Jährige von seinen Anfängen, warum sich seine Einstellung als Trainer geändert hat und was die Spieler bei RB von ihm zu erwarten haben.

LVZ.de: Ein Blick ganz weit zurück: Wann ging es bei Ihnen los mit dem Faible für Fußball?

Ralph Hasenhüttl: „Wir waren eine sehr sportliche Familie und ich habe jede Menge Sportarten betrieben. Aber irgendwie bin ich dann doch beim Fußball hängen geblieben. Heute kann ich allerdings nicht bestätigen, dass das die Sportart war, bei der ich am meisten Talent hatte. Trotzdem bin ich im Nachhinein sehr dankbar, dass ich mich für den Fußball entschieden habe.“

Wann fiel die Entscheidung, Fußball professionell zu betreiben?

„Ich bin mit 17 oder 18 zu den Profis vom Grazer AK gekommen, das war mein erster Verein. Eigentlich war ich eher Libero. Der Trainer dort hat mich aber zum Stürmer umfunktioniert. Ich habe gleich ein sehr wichtiges Tor gemacht, was meinen alten Verein zum Aufstieg gebracht hat. Und dann habe ich eine recht steile Karriere als Angreifer hingelegt.“

Waren Sie eher ein fleißiger Spieler oder ein fauler?

„Ich war ein sehr kritischer Spieler. Ich weiß aber nicht, ob das aufgrund der Tatsache war, dass ich nicht gerne laufen wollte, oder weil ich alles hinterfragt habe, ob es mich auch wirklich weiter bringt. Ich war von meiner Einstellung her allerdings nicht gerade der Fleißigste.“

War der Grund, warum Sie als Libero und Stürmer gespielt haben, dass man auf den Positionen nicht so viel rennen musste?

„Ich habe mir schon die Positionen ausgesucht, bei denen man nicht so viel unterwegs sein muss (lacht). Früher als Mittelstürmer war es anders als in unserem System heute, wo sie sehr viel sprinten müssen.“

Wollten Sie unbedingt Trainer werden?

„Ich habe mir schon immer etwas mehr Gedanken gemacht über den Sport. Ich liebe technische Sportarten und habe mir oft überlegt, wie ich sie verfeinern und verbessern kann. Das ist schon mal eine gute Grundvoraussetzung. Außerdem habe ich es immer geschafft, Menschen für Dinge zu begeistern. Meine Frau hat oft gesagt, dass ich mal ein viel besserer Trainer werde, als ich Spieler war. Ganz Unrecht hatte sie nicht, denn Bundesliga habe ich nie gespielt. Als Trainer habe ich es geschafft.“

Gibt es Vorbilder, an denen Sie sich orientiert haben?

„Es gibt schon immer wieder Trainer, die einen prägen. Im Endeffekt muss man authentisch bleiben. Du bist nur gut, wenn du das verkörperst, wofür du stehst. Trotzdem bist du ja als Mensch das, was dein Umfeld aus dir macht. Wenn man sich an gewissen Personen orientiert kann es schon passieren, dass man einiges davon annimmt, ohne es zu kopieren.“

Was sind Sie für ein Trainer?

„Ich habe meinen eigenen Stil. Ich versuche respektvoll mit den Jungs umzugehen, ihnen Verantwortung zu übertragen. Sie bekommen von mir und dem Trainerteam eine Atmosphäre vorgesetzt, in der man sich gut entwickeln kann und auch Fehler machen darf, wenn man das Gefühl hat, sie lernen daraus. Ich lasse auch Freiheiten auf dem Platz, lege aber vor allem bei der Arbeit gegen den Ball auf ganz wichtige Automatismen Wert.“

Welche Spielertypen mögen Sie als Trainer besonders?

„Ein guter Spieler ist für mich einer, der sich mit seinen Fähigkeiten und Stärken voll in den Dienst der Mannschaft stellt. Der bereit ist, sich alles abzuverlangen. Ein guter Spieler ist er für mich auch, wenn er bereit ist, diesen Weg mitzugehen, zu lernen und nicht glaubt, dass er schon alles kann.“

Man sieht Sie oft lachen. Wann hört bei Ihnen der Spaß auf?

„Spaß und Erfolg darf man nicht als Gegensätze sehen. Kreativität ist nur dann möglich, wenn man mit viel Freude bei der Sache ist. Eine gute Mannschaft unterscheidet sich von einer, die nur eine gute sein will dadurch, dass sie trotz allem Spaß an der Arbeit die Ernsthaftigkeit nicht vermissen lässt.“

Wie gehen Sie mit Niederlagen um?

„Wenn Sie meine Familie fragen, sagen sie wahrscheinlich: fürchterlich. Meine Kollegen würden eher sagen: sehr sachlich. Ich versuche Spiele losgelöst vom Ergebnis zu analysieren. Ich glaube schon, dass ich ein emotionaler Trainer bin, der aber Niederlagen mit einem gewissen Abstand als das betrachtet was sie sind, nämlich als Chance zu lernen. Den Spruch den ich letztes Jahr gebracht habe, wir werden kein Spiel verlieren, entweder wir gewinnen oder wir lernen, passt auch auf diese junge Mannschaft.“

Ist es überhaupt möglich, mit so einem jungen Team in der Bundesliga perspektivisch sehr erfolgreich zu sein?

„Die Geschichte der vergangenen Jahre zeigt, dass Bundesligaerfahrung nicht unbedingt eine Garantie für Erfolg ist. Wir haben hier Spieler, die hungrig und lernwillig sind. Das ist mir wichtiger als Bundesligaerfahrung. Wir versuchen etwas zu formen, das auf Sicht sehr schnell ein hohes Niveau erreichen kann. Und dann hat man das, was man möchte – eine Mannschaft, mit der sich alle im Verein zu hundert Prozent identifizieren und der die Zukunft gehört. Deshalb finde ich unseren nachhaltigen Weg so spannend.“

In der Bundesliga gibt es Vereine, die schnell nervös werden und den Trainer wechseln, wenn es nicht läuft. RB hat in den vergangenen Jahren auf Kontinuität gesetzt. War das für Sie ein weiterer Grund für den Wechsel und ein Gefühl, dass es hier mehr Sicherheit gibt?

„Sicherheit gibt es in diesem Geschäft keine. Ich glaube nicht, dass man als Trainer irgendwo hingeht, um Sicherheit zu haben. Man nimmt die Aufgabe bei einem Verein an, weil man das Gefühl hat, dass man dort etwas bewegen und die Ziele, die man sich setzt, erreichen kann. Druck hat man immer, schließlich muss und will man auch Ergebnisse liefern. Trotzdem wissen wir das hier alles richtig einzuordnen, sind neu in der Bundesliga und haben eine junge Mannschaft. Aber wir sind sehr ambitioniert und ehrgeizig. Wir haben nicht vor uns die ersten Spiele nur anzuschauen und die Punkte abzugeben. Wir wollen uns sofort teuer verkaufen und dafür werden wir auch gerüstet sein.“

Von Anne Grimm

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