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RB-Coach Rangnick: „Wir haben eine geile Truppe“

2. Bundesliga RB-Coach Rangnick: „Wir haben eine geile Truppe“

In der LVZ-Kuppel spricht Ralf Rangnick über seinen neuen Kapitän, Tempo-Fußball, Ernährung und Intelligenz.

RB Sportdirektor und Trainer Ralf Rangnick im Fußballtalk mit Chefreporter Guido Schäfer in der Leipziger Volkszeitung.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Bevor Ralf Rangnick am Mittwochabend beim Talk in der LVZ-Kuppel mit Chefreporter Guido Schäfer über seine Fußball-Philosophie plauderte, ließ er noch den neuen RB-Kapitän wählen. „Dominik Kaiser hat mit großem Abstand gewonnen, Fabio Coltorti wird Vizekapitän, dahinter erhielten Willi Orban und Stefan Ilsanker die meisten Stimmen“, erzählte der Trainer. Und das Team habe keinesfalls Reservisten auserkoren: „Kaiser und Coltorti werden am Sonnabend beim FSV Frankfurt auflaufen, dann wollen wir die ersten drei Punkte holen.“

Der 57-Jährige schwärmte vom Zusammenhalt des Teams, von der Karaoke-Veranstaltung am vergangenen Sonntag, vom Spaß, den seine Jungs miteinander haben. „Wenn wir das auf den Platz bringen, wird es eine richtig gute Saison. Wir haben eine geile Truppe.“ Und angeblich alle Spieler bekommen, die RB wollte. „Das passiert nicht so oft im Fußball.“ Weil die starke, junge, ausgeglichene Mannschaft die Qual der Wahl bietet („Ich werde oft Bauchentscheidungen treffen müssen“), aber noch viel Luft nach oben habe, werde man in einem Jahr „gar nicht mehr so viel beim Kader verändern müssen, nur noch nachjustieren.“

Nur den gewünschten Trainer, den bekam der Sportdirektor Rangnick nicht. Tuchel, Gisdol, Weinzierl und etliche andere sagten ab. Also machte er es selbst. „Obwohl ich eigentlich emotional mehr Abstand halten wollte, denn Trainer bist du mit Haut und Haar, Tag und Nacht. Aber ich hoffe, trotzdem gut schlafen zu können.“ Die Reaktionen fielen unterschiedlich aus. Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz habe jubelnd beide Fäuste geballt. „Aber meine Frau hat erst mal zwei Tage lang gar nichts gesagt.“

Doch Rangnick fühlt sich fit, voller Energie. Auch weil er seine Ernährung nach dem Burnout vor vier Jahren umstellte. Früher hieß sein Leibgericht Rostbraten mit Spätzle, Kartoffelsalat und Pommes. „Die volle Dröhnung, das ist so, als ob man drei Schlaftabletten nimmt.“ Heute isst er nach 18 Uhr keine Kohlenhydrate mehr und schwört auch bei seinen Akteuren auf gesunden Input: „Weg vom Weizenmehl, möglichst kein Alkohol.“

RB Sportdirektor und Trainer Ralf Rangnick im Fußballtalk mit Chefreporter Guido Schäfer in der Leipziger Volkszeitung.

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Denn inzwischen sei das Spiel viel schneller geworden. „Wenn ich mir das WM-Halbfinale von 1990 ansehe, denke ich manchmal, der Videorekorder hängt.“ Rangnick setzt auf Hochgeschwindigkeitsfußball: „Ich will nicht überheblich sein, aber verglichen mit anderen Vereinen ist das, was wir betreiben, fast eine andere Sportart. Wir laufen mehr, wir sprinten vor allem mehr.“ Schwarmverhalten beim überfallartigen Pressing heiße die Devise.

„Es ist wie Hase und Igel, wir müssen dem Gegner Raum und Zeit nehmen, bei ihm sein, bevor er den Ball verarbeiten kann“, betonte Rangnick, „dabei muss er das Gefühl haben, gegen uns alle gleichzeitig zu spielen.“ Die größte Chance auf Tore gebe es in den ersten zehn Sekunden nach der Balleroberung, wenn der Gegner noch unsortiert ist. „Ohne Tempo geht gar nichts mehr.“

Das erfordere absolute Fitness – und eine Portion Mut. „Die Spielweise einer Mannschaft ist immer auch ein Spiegelbild des Trainers“, weiß Rangnick und beschreibt sein Herangehen so: „No Risk, no Fun.“ Dass er bei Ecken des Gegners mittlerweile drei eigene Spieler an die Mittellinie beordert, gehöre dazu, selbst wenn dies sogar im RB-Trainerteam kontrovers diskutiert wird.

Auch eine gewisse Fußball-Intelligenz setzt Rangnick voraus. „Analytische Fähigkeiten der Spieler schaden nicht, andererseits nutzt uns ein egozentrischer Akademiker weniger als ein Teamplayer.“ Der Trainer ermutigt seine Jungs, mehr für den Kopf zu tun, ein Direktstudium aufzunehmen. Vom Cottaweg bis zur Uni sei es nicht weit.

Rangnick ist froh, dass die Saure-Gurken-Zeit vorbei ist und endlich die Saison losgeht: „Es wird zu viel Hype um uns gemacht.“ Die 200 LVZ-Leser empfanden das gestern nicht so. Es gab viel Applaus – und gute Wünsche.

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