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RB Leipzig-Fans: Jubel und Enttäuschung im Cottaweg

Aufstiegskampf RB Leipzig-Fans: Jubel und Enttäuschung im Cottaweg

Noch im April könnte der langgehegte Aufstiegswunsch der Leipziger Rasenballer in Erfüllung gehen. Im Kampf um einen Platz in der ersten Liga zählt jeder Punkt. Auch für die Fans – 70 von ihnen haben sich zum Montagsspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern im Cottaweg versammelt, um ihr Team gemeinsam aus der Ferne anzufeuern.

Fantreff in der Cottaria im RB-Trainingszentrum. Im Montagsspiel trennten sich der 1. FC Kaiserslautern und RB Leipzig mit einem 1:1-Unentschieden.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. „Ich bin hochzufrieden“, sagt Jörg Sabisch am Montagabend trotz des 1:1-Unentschiedens zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und den Rasenballern, die auf dem Weg in die Bundesliga jeden Punkt gebrauchen können. „Wir holen uns den verdienten Aufstieg über die beiden Heimspiele“, ist sich der 61-Jährige sicher. Gemeinsam mit seiner Frau Heidi und rund 70 weiteren Fans der Roten Bullen hat er sich das Montagsspiel beim Fantreff in der Cottaria, dem Bistro auf dem RB-Trainingsgelände, angesehen.

Jörg und Heidi Sabisch sind seit 40 Jahren verheiratet und teilen die Leidenschaft für den Fußball. „Ich mache meinen Mann wahnsinnig, laufe auf und ab. Zuhause können wir eigentlich gar nicht zusammen gucken“, meint sie mit einem Lachen. Aber nicht nur deshalb würden sie zu den Auswärtsspielen in die Cottaria gehen. „Wir sind hier zusammen mit anderen Fans, die Stimmung ist super. Das ist viel besser als alleine zuhause“, findet Heidi. Sie ist eine der wenigen Frauen, die den Weg in den Cottaweg gefunden haben. Selten hält es die 61-Jährige auf ihrem schwarzen Plastikstuhl. Regelmäßig springt die kleine blonde Frau auf, reckt die Arme in die Luft, faltet die Hände zum Gebet oder hält sich die Augen zu. Ihr Mann ist ruhiger, verfolgt das Spiel aber nicht weniger angespannt. „Das bringt mich um“, kommentiert er scherzhaft das Geschehen in Kaiserslautern, das auf zwei Flachbildschirmen übertragen wird.

Neben den Sabischs sitzt inmitten seiner Freunde vom Fanclub der Borsdorfer Apfelbullen Christian Backmann – in voller Montur mit Fan-Shirt, Schal und Schiebermütze in den Vereinsfarben. Vor dem Spiel hat er auf ein 3:1 für sein Team getippt. Die ersten verpassten Torchancen registriert er gelassen. Als Forsberg dann doch zum 1:0 trifft, gibt es für Christian aber kein Halten mehr. Ungeachtet der Biergläser, die vor ihm auf dem Tisch stehen, springt er auf, umarmt seine Begleiter und klatscht mit den Sabischs und allen übrigen Fans am Tisch ab.

Mit dem Spiel nimmt auch die Stimmung im Saal Fahrt auf. Immer wieder erklingen „Vorwärts Rasenball“-Gesänge, begleitet vom Trommeln auf den Tischen, die in langen Reihen aufgestellt sind. Jede Ecke, jeder Freistoß wird von euphorischem Klatschen begleitet. Jede Aktion auf dem Feld wird diskutiert und kommentiert. So aufgeheizt wie die Atmosphäre im Fritz-Walter-Stadion ist auch die in der Cottaria. Wenn ein Lauterer Akteur nach hartem Zweikampf am Boden liegt, schallen Rufe wie „Steh auf, du Ratte!“ oder „Schauspieler, elender!“ durch das Bistro.

Als Willi Orban nach gut einer Stunde Gelb-Rot sieht, sagt Christian Backmann entschlossen: „Jetzt erst recht!“ Doch es kommt anders als erhofft, der Ausgleich kurz vor Schluss sorgt für resignierte Stille – und die Zeitlupe für heftige Empörung. Denn der Schütze stand knapp im Abseits. „Das hätte der Schiri sehen müssen“, glaubt Christian. Heidi Sabisch hat das Gefühl, dass die Schiedsrichter mit den Leipzigern generell besonders hart ins Gericht gehen „Die Schiris haben uns auf dem Kieker. Ich will nicht meckern, aber der hat heute oft seine Linie verloren. Das war nicht immer fair.“ Sie spricht schnell, ist sichtlich aufgeregt. Dabei ist Heidi Sabisch der sofortige Aufstieg gar nicht so wichtig. „Unser großer Tag wird kommen – egal wann“, sagt die Dauerkartenbesitzerin. Auch wenn RB wider Erwarten ein weiteres Jahr in der zweiten Liga bleiben müsste, falls Rang zwei noch verspielt wird und es in der Relegation schief geht, schwört sie ihrem Team die Treue. „Das ist für mich eine Herzensangelegenheit“, beteuert sie.

Etwas abseits sitzen Jens Hoffmann, Lars Mertin und Philipp Schwarzenberg – ebenfalls durch ihre Kleidung für jeden als RB-Fans erkennbar. Sie beobachten das Spiel gelassener als Backmann und die Sabischs. Auch sie diskutieren das Thema Aufstieg. Für Jens wäre „die Saison im Eimer“, sollte es nicht klappen. Philipp fände es „nicht schlimm, weil es auch in der zweiten Liga Spaß macht.“

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Von Nathalie Helene Rippich

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