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RB-Leipzig-Fans in Dortmund: „Wie Vieh, das zur Schlachtbank geführt wird“

Augenzeugenberichte RB-Leipzig-Fans in Dortmund: „Wie Vieh, das zur Schlachtbank geführt wird“

Viele RB-Fans waren noch am Sonntag geschockt – ebenso wie zahlreiche BVB-Anhänger aus Leipzig. Die Geschehnisse rund um die Bundesligapartie am Samstag hatten Spuren hinterlassen. Wir haben mit einigen Augenzeugen gesprochen.

Die RB-Fans Winfried Müller und Evelyn Köpping haben wenig Positives von ihrer Auswärtsfahrt zu Borussia Dortmund zu berichten.

Quelle: Imago/Privat

Dortmund. Viele RB-Fans waren noch am Sonntag geschockt – ebenso wie zahlreiche BVB-Anhänger aus Leipzig. Die Fan-Trennung, eigentlich eine Fingerübung in der Bundesliga, funktionierte nicht. Man könnte auch sagen: Es gab in Ermangelung an Freunden und Helfern kein Konzept. Leipzigs Schlachtenbummler standen am Stadion Aug in Aug einem hasserfüllten 500-köpfigen Mob gegenüber. So aufgeladen ist die Atmosphäre sonst nur beim Derby gegen Schalke.

„Es war echt schockierend. Ich bin ja auch Dortmund-Fan, aber was da abging – da leidet das BVB-Herz“, sagte der Leipziger Zuschauer Nico Z.: „Die waren so hasserfüllt, wir hatten wirklich Angst.“ Einem älteren RB-Fan sei von mehreren BVB-Randalierern ins Gesicht gespuckt worden.

Aus dem Pulk der Vermummten flogen Steine, Eier, Flaschen, Feuerwerkskörper. Dazu gab es antisemitische Tiraden. Fans mussten ambulant versorgt werden. Augenzeugen beobachteten entrissene Fan-Utensilien, verschreckte Anhänger, die sich hinter Polizeiwagen verschanzten, weinende Kinder.

Zitat aus der Pressemitteilung der Dortmunder Polizei: „Im Rahmen der Anmarschphase kam es zu massivem Bewurf mit Steinen und Dosen auf Anhänger aus Leipzig. In diesem Zusammenhang wurden zwei Polizeibeamte, zwei Polizeibeamtinnen sowie ein Diensthund verletzt. Insgesamt konnte eine ex-treme Aggressivität und Gewaltbereitschaft der Dortmunder Anhängerschaft gegenüber den Gästen festgestellt werden – gegen jede als Leipzig-Fan erkennbare Person, egal, ob es sich um kleine Kinder, Frauen oder Familien handelte.“

Winfried Müller, 60, Leipziger Fan und Mitglied der Kultras: „Ich habe nur vereinzelt ein paar Polizisten gesehen. Wir fühlten uns wie Vieh, das zur Schlachtbank geführt wird. Mit jedem Schritt wuchs unsere Angst.“ Zur Wahrheit gehören auch Provokationen aus Leipziger Reihen. Müller: „Ein paar Rotzlöffel haben sich ihre Kapuzen ins Gesicht gezogen, Sonnenbrillen aufgesetzt, ,Hier regiert der RBL’ gerufen und die Dortmunder mit Gesten provoziert.“ Das sei selten dämlich, rechtfertige aber nicht die Geschehnisse vorm Stadion.

Kurz vorm Eingang zum Gästeblock beginnt die Biermeile der Borussen. Dort glühen Tausende BVB-Fans vor, dort fließen Bier und Geld. Und genau dort mussten die Leipziger vorbei. Fan Müller: „Es wurde chaotisch, uns flog alles Mögliche um die Ohren.“

Christian M. von den Bulltras erfuhr die Eskalation am eigenen Leib: „Ich habe kaum bis keine Polizei mehr gesehen. Nur noch Schwarz-Gelbe, von denen wir mit allem beschmissen wurden.“ Einem bewusstlosen Leipziger sei gegen Körper und Kopf getreten worden. Das Opfer gehöre der Fangruppierung Platzhirsche an.

Evelyn Köpping, 60, war mit Ehemann, Tochter und Enkelkind vor Ort. „Auf dem Weg zum Stadion habe ich einen Polizisten auf den mangelhaft gesicherten Fan-Marsch angesprochen. Der hat mir einen schönen Tag gewünscht. Am Stadion hatten wir Angst um unser Leben. Mein Mann wurde von einer 1,5-Liter-Flasche getroffen, meine Tochter musste rennen, um Fan-Schal und -Mütze zu retten.“

Am Sonntagvormittag meldet sich die Borussia: „Der BVB verurteilt diese Gewalt aufs Schärfste! Wir wünschen den verletzten Fans aus Leipzig gute Besserung“. Auch RB reagierte. Auf der Homepage des Tabellenzweiten heißt es: „Die Übergriffe von Dortmunder Fans ... sind nicht tragbar und beschämend für ganz Fußball-Deutschland. Dass Menschen beim Fußball mit Gewalt konfrontiert werden, ist inakzeptabel. Wir erwarten von Herrn Watzke und Herrn Rauball, dass diese von mehreren Tätern verübten Vorfälle lückenlos aufgeklärt werden.“

Guido Schäfer / Frank Schober

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