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RB Leipzig: Nichts ist mehr unmöglich!

Kommentar von Guido Schäfer RB Leipzig: Nichts ist mehr unmöglich!

RB wie im Rausch, Fußball-Leipzig steht Kopf! Zur richtigen Einordnung hilft die Erinnerung. Der Fußball hat der Nachwelt so manche schöne Geschichte von bleibendem Wert hinterlassen.

Jubelnde RB-Spieler in Leverkusen / LVZ-Chefreporter Guido Schäfer.

Quelle: LVZ

Leipzig. RB wie im Rausch, Fußball-Leipzig steht Kopf! Zur richtigen Einordnung hilft die Erinnerung. Der Fußball hat der Nachwelt so manche schöne Geschichte von bleibendem Wert hinterlassen. Eine kleine Auswahl, bitteschön:

Vorm WM-Finale 1930 zwischen Uruguay und Argentinien verlangt der Schiedsrichter, dass die Zuschauer ihre Schießeisen abgeben. In Montevideo werden 1600 Revolver gezählt. Indien sagt die WM 1950 in Brasilien ab, weil man sie nicht barfuß spielen lässt. Die Ehefrauen der holländischen Nationalspieler springen angesichts der Unmittelbaren Wettkampfvorbereitung (UWV) ihrer Männer (Poolparty mit westdeutschen Damen) vorm 74er WM-Finale im Dreieck. Und in der DDR tagt das spinnenbewebte Zentralkomitee der SED, weil Peter Ducke lieber in Zeha-Tretern als in Adidas-Schuhen kickt.

2009 ist alles viel schlimmer, erleidet Fußball-Deutschland einen Ganzkörperkrampf und rückt in heiliger Abneigung zusammen: Dietrich Mateschitz setzt Rasenballsport Leipzig in die feindliche Welt. Es geht los in der fünften Liga. Auf einem Nebenplatz des FC Carl Zeiss Jena werden Didis Betriebssportler bespuckt und flüchten ungeduscht. Mateschitz ist zeitgleich auf seiner Fidschi-Insel Laucala und denkt: Die Deutschen spucken und spinnen. Wenn’s so weitergeht, mache ich aus dem Trainingszentrum am Cottaweg eine Cartbahn.

Sieben Jahre und vier Aufstiege später ist RB Leipzig Tabellenführer der Bundesliga. Und sie spielen wie ein Tabellenführer, werden wahrgenommen wie einer. Geliebt, gehasst, geachtet, gefürchtet. Dank Ralf & Ralph, den Machern des organisierten Überfallkommandos. Und Didi, der die Chose bezahlt.

Die Bundesliga ist die Liga, in der Gladbach, Schalke, Dortmund und die Volksbelustiger des HSV kicken. Die Liga, in der die Bayern seit Jahren das Recht jeder ersten Nacht haben und die Instinkte des Jägers und Sammlers erst wieder lernen müssen. Die Liga, die Kohle von Gazprom, Wiesenhof,  umtriebigen Versicherungen und den Diesel-KFZ-Schummlern nimmt – aber mit Fingern auf Dosen zeigt.

Als Gewissen der Liga der besonderen Gentlemen gefällt sich BVB-Boss Aki Watzke. Der würde eine Dose Brause auch nicht als Verdurstender nach Querung der Wüste Gobi anrühren. Es ist eine Laune der Fußball-Geschichte, dass Watzkes reine Dortmunder den Feind auf Platz eins performen. Der Schriftsteller Robert Gernhardt sah weit vor der Tabellenführung der Rasenballer damit verbundene Verwerfungen voraus. „Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche.“

Gut möglich, dass Didi Mateschitz am Wochenende wieder auf Laucala weilte. In einer Hand ein Foto von Ralf Rangnick. In der anderen Hand ein Foto von Ralph Hasenhüttl. In der dritten Hand eine Dose. Im Reich des Dietrich Mateschitz ist ab sofort nichts mehr unmöglich.

Von Guido Schäfer

g.schäfer@lvz.de

Hinweis: Dieser Beitrag ist ein Leitartikel des LVZ-Chefreporters Guido Schäfer zum aktuellen Erfolg von Bundesligist RB Leipzig. Er erscheint auch am 21. November 2016 in der gedruckten Ausgabe der Leipziger Volkszeitung.

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