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RB Leipzig: Rangnick ist sicher: „Absteigen können wir nicht mehr“

Exklusiv-Interview RB Leipzig: Rangnick ist sicher: „Absteigen können wir nicht mehr“

Die Tage von RB Leipzig in Portugal sind gezählt. Guido Schäfer hat vor dem Ende des Trainingslagers mit Sportdirektor Ralf Rangnick über das Camp, die Fitness von Naby Keita und Marcel Halstenberg sowie die FIFA-Pläne mit einem 48er WM-Feld gesprochen.

Es gibt schlechtere Bedingungen für ein Interview: RB Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick und LVZ-Chefreporter Guido Schäfer im portugiesischen Lagos.

Quelle: Picture Point

Lagos. Der Königstransfer Dayot Upamecano steht vor dem Abschluss, das 18-jährige Abwehr-Ass von RB Salzburg wird nicht nur von Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick sehnlichst erwartet. Am Mittwoch (11 Uhr) testet der Bundesliga-Zweite noch gegen den Drittligisten SC Farense, danach werden die Zelte in Portugal abgebrochen. Ralf Rangnick spricht kurz vor Ende des Camps über die Tage an der Algarve, die Fitness von Naby Keita und Marcel Halstenberg sowie die Fifa-Pläne mit einem 48er WM-Feld. Zur Wasserstandsmeldung in Sachen Dayot Upamecano wollte sich der 58-Jährige übrigens nicht äußern.

Das Camp neigt sich dem Ende zu. Ihr Fazit?

An den Bedingungen gibt es nichts auszusetzen. Wetter, Hotel, Plätze – alles top.

Direktflüge sind rar gesät, der Rückflug erfolgt nach dem Mittwoch-Test via Charter.

Um keine wertvolle Trainings- und Erholungszeit zu verlieren, werden wir im nächsten Winter wahrscheinlich hin und zurück mit einer Chartermaschine fliegen.

Timo Werner hat den jungen Sören Reddemann ohne Schaum rasiert. Ausprägung des Lagerkollers?

Ich habe mit Timo darüber gesprochen. Er ist am Montag wohl mit dem falschen Bein aufgestanden. Timo hat sich bei Sören entschuldigt. Solche Dinge sollten nicht vorkommen, passieren aber manchmal.

Naby Keita und Marcel Halstenberg sind nicht fit. Wo fehlt es?

Das ist wie bei einem Formel1-Wagen, der nicht in den höchsten Gang schalten kann. Beide können im Moment noch nicht voll sprinten.

Beide sind zum Spezialisten Kurt Mosetter geflogen. Stößt man damit nicht den eigenen Physiotherapeuten und Ärzten vor den Kopf?

Nein. Das ist eine große Stärke von uns, dass es keine Eitelkeiten gibt und der Mannschaftserfolg über allem steht. Kurt Mosetter gehört schon ein Stück weit zu unserer medizinischer Abteilung. Ich lasse auf unseren Staff (Mannschaft hinter der Mannschaft; Red.) nichts kommen. Trainerteam, unser Sportpsychologe, die Therapeuten, Ärzte, Videoanalysten, Betreuer – das ist der beste Staff, mit dem ich bisher zusammengearbeitet habe.

Ralph Hasenhüttls Assistent Zsolt Löw ist sehr präsent, gestaltet viele Trainingsinhalte selbst. Ein guter Mann?

Ein sehr guter! Zsolt ist menschlich ein super Typ und hat sich fachlich fantastisch entwickelt.

Keine Angst, dass er in Bälde eine Cheftrainer-Stellung übernimmt?

Er steht noch bis 2018 unter Vertrag, ich hoffe, dass er uns noch lange erhalten bleibt. Dass ein Mann mit seinen Qualitäten irgendwann Cheftrainer werden kann und möchte, ist doch klar. Im Moment sind er und wir mit seiner derzeitigen Rolle hochzufrieden.

0:3 gegen die Bayern, 1:5 gegen Amsterdam - nennt sich Krise.

Ich mag Ihren Humor.

Ralph Hasenhüttl schob nach dem Abpfiff einen richtig dicken Hals.

Er war nicht zufrieden, das ist unmittelbar nach so einem Spiel aber auch völlig normal. Wenn man eine Nacht drüber geschlafen hat, sieht man die Dinge meistens etwas anders. Keiner von uns zweifelt an unseren Spielern, unserer Spielidee und unseren Trainingsinhalten. Wir haben analysiert, was warum schlecht gelaufen ist und werden die Schlussfolgerungen daraus ziehen.

Emil Forsberg ist gesperrt, Keita und Halstenberg sind nicht vollends fit. Malen Sie sich aus, wie es ohne diese drei tragenden Säulen gegen Eintracht Frankfurt (21. Januar) laufen könnte?

Nein, das tue ich nicht. Wir haben auch schon in der Hinrunde gegen Hoffenheim und Dortmund ohne Emil und Naby in der Startelf gespielt und aus diesen beiden Partien vier Punkte geholt. Abgesehen davon ist es unser Ziel, dass Naby und Halste gegen die Rangers (Sonntag) eine Halbzeit spielen können und damit auch für einen Startelfeinsatz gegen Frankfurt in Frage kommen.

Keita ist ein Familienmensch und er ist Nicht-EU-Ausländer. Seine Lieben erhalten demnach nur begrenzte Leipzig-Visa. Wie sehr belastet diese Situation ihn?

Wir helfen ihm, wo wir können. Dauerhafte Visa sind momentan nicht zu bekommen, aber wir arbeiten an anderen Lösungen. Naby soll sein gewohntes Umfeld möglichst regelmäßig um sich haben.

Dann geben sich die Familienmitglieder in Leipzig die Klinke in die Hand?

Aktuell ist es leider nicht anders möglich.

Wohin entwickelt sich der Fußball, wo sind Potenziale zur Verbesserung?

Vor allem bei den kognitiven Fähigkeiten. Das Spiel wird immer temporeicher, Raum und Zeit werden immer begrenzter. Es geht um eine schnelle Wahrnehmung und richtige Entscheidungen.

Dazu braucht es den Rundumblick einer Eule. Wer ist Leipzigs Vorzeigeeule?

Naby Keita und Emil Forsberg haben ein eingebautes 360-Grad-Radar.

Die Fifa hat überall ihre Hände, will zur WM 2026 mit 48 Mannschaften ins Rennen gehen. Um noch mehr Geld zu verdienen und sich die Zuneigung und Stimmen kleiner Fußball-Nationen zu sichern. Was sagen Sie dazu?

Das kommt immer auf den jeweiligen Blickwinkel an. Eine WM mit 48 Mannschaften ist für die großen Fußball-Nationen wahrscheinlich zu viel, aber für die kleineren Länder eine Chance, auch mal bei einem solchen Turnier dabei zu sein.

Wo sehen Sie sich 2026?

Keine Ahnung, in solchen Zeitspannen denke ich nicht.

Ihr Vertrag läuft bis 2019. Was ist, wenn Oliver Mintzlaff sagt: Ralf, alle Leistungsträger bleiben mindestens bis 2020, Du musst verlängern!

Dann setzen wir uns zusammen. Aber momentan sehe ich diesbezüglich keinen Handlungsbedarf.

Gehen Sie gerne zur Arbeit?

Das ist keine Arbeit für mich. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und eine sehr hohe Jobzufriedenheit. Auf uns wartet eine spannende Rückrunde und grundsätzlich eine interessante Zukunft. Wie geht man mit Erfolg um, wie mit Dellen in der Entwicklung, wo können wir besser werden?

Wäre der Verein ohne Sie überlebensfähig?

Das ist eine hypothetische Frage, deren Beantwortung sich im Moment nichtstellt.

Sie wird sich eines Tages stellen.

Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger habe ich bereits in meinem Hinterkopf.

Sie sind ein Freund der Red-Bull-Arena. Ein Umzug aufs flache Land ist vom Tisch. Gut so?

Ein Umzug wäre sicherlich ein Stück weit gewöhnungsbedürftig gewesen. Ich habe damals mit Hoffenheim nicht die besten Erfahrungen damit gemacht. Vom Trainingszentrum aus kann man die Arena sehen. Ich finde das klasse.

Weil der Nachwuchs rüberschielt und sagt: Da will ich hin!

Ja.

Wann wirbelt einer der U-Nationalspieler dauerhaft bei den Profis?

Es ist für die Jungen durch den Aufstieg und die rasante Entwicklung nicht leichter geworden. Aber wir haben sehr interessante Talente in unserer Akademie.

Der Klassenerhalt ist mit 36 Punkten de facto geschafft. Wohin geht die Reise?

Wir steigen nicht mehr ab, das Ziel sorgenfreie Saison in Bezug auf den Klassenerhalt ist somit schon erreicht. Wir haben zwölfmal richtig gut gespielt, zweimal ordentlich und zweimal schlecht. Wir sind nicht so vermessen, davon auszugehen, dass wir wieder einen Schnitt von 2,25 Punkten holen. Wir halten es wie immer...

...denken von Spiel zu Spiel.

Ja. Wir setzen uns mit uns und unserem Spiel auseinander. Damit sind wir bisher gut gefahren.

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