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RB Leipzig prüft Stehplätze im Stadion – Entscheidung über Neubau noch 2016

Mintzlaff im LVZ-Interview RB Leipzig prüft Stehplätze im Stadion – Entscheidung über Neubau noch 2016

„Red Bull ist das Beste, was der Bundesliga passieren konnte“, sagt Oliver Mintzlaff. Der Geschäftsführer von RB Leipzig äußerte sich im LVZ-Interview zur Stadion-Frage, der Einführung von Stehplätzen im Fanblock und dem „Bannergate“ in Sektor A.

Im Fanblock der Red-Bull-Arena gibt es bislang nur Sitzplätze. RB Leipzig prüft die Einführung von Stehrängen. Vereinschef Oliver Mintzlaff denkt aber weiter auch über einen Stadion-Neubau nach.

Quelle: dpa / Christian Modla

Leipzig. Er ist 41 und sitzt schon auf einem der fluffigsten Fußball-Sessel weltweit. Oliver Mintzlaff ist Chef der Fußball-Aktivitäten von Red Bull, Boss und Geschäftsführer des Neu-Bundesligisten RB Leipzig, ehemaliger Top-Leichtathlet und seit Januar 2014 ein Rasenballer. Den Job bei RB bekam Mintzlaff im Nachgang einer legendären Elefantenrunde im Mai 2012. Am Tisch saßen Red-Bull-Milliardär Dietrich Mateschitz, Ralf Rangnick – und Mintzlaff. Der handelte einen in jeder Hinsicht netten Vertrag für Rangnick aus und wurde alsbald selbst von Mateschitz zum Gespräch gebeten. Mintzlaff über Spinner & Boykotteure, Ralf & Ralph, Banner & 60plus, neues & altes Stadion, Burke & Budget sowie das siebte Bundesligaspiel seiner glänzend gestarteten Untergebenen am Sonntag, 17.30 Uhr, beim VfL Wolfsburg.

Gehen wir gleich in die Vollen. Kölns Präsident Spinner meinte zum Sitz-Boykott der FC-Fans, dass der RB-Bus hätte weiter- fahren können, weil die Sitzenden geflüchtet wären. Spinner – nomen est omen?

Wir sollen mit dem Bus in eine Menschenmenge fahren? Über solche Aussagen kann ich nur den Kopf schütteln. Sie sprechen für sich.

Sie haben Stadionverbote für die Sitzenbleiber gefordert.

Falsch! Ich habe Stadionverbote für diejenigen gefordert, die sich nicht benehmen können. In Köln wurden nach dem Spiel Polizisten angegriffen. Das ist nicht hinnehmbar. Dass einige Chaoten vorher in den Ablauf eines Bundesliga-Spieltages eingreifen, geht gar nicht. Ich habe für ähnliche Vorfälle in der gesamten Liga Sanktionen gefordert. Grundsätzlich gilt für RB Leipzig: Wir verbiegen uns nicht, egal vor welchen Randgruppen. Und wir lassen es nicht zu, dass Clubs, die Probleme mit ihren Fans haben, diese auf uns abwälzen.

"Red Bull ist das Beste, was der Bundesliga passieren konnte!"

RB teilt Fußball-Deutschland wie Moses das Meer, ist immer und überall im Gespräch. Das dürfte den Marketing-Strategen von Red Bull gefallen.

Wir polarisieren – das ist gut so. Manchmal erhalten laute Minoritäten doch noch ein wenig Aufmerksamkeit. Dies sollte jeder richtig einordnen: Über wen und was reden wir? Über die Gesamtheit der Fußball-Anhänger in Deutschland? Nein. Unser Trainer sagte es bereits: Eine Lächerlichkeit von Ultras jagte zuletzt die nächste. Das verdeutlichen die nach 22 Minuten ausverkaufte BVB-Kurve bei unserem Heimspiel, der selbst von HSV-Fans mit Kopfschütteln bedachte Protestmarsch von nicht mal 200 Anhängern oder die 50 Kölner mit ihrer Sitzblockade. Was ist bisher passiert? Unser Verein hat sechs Fußballfeste erlebt. Fakt ist, dass immer mehr Menschen unseren Weg verstehen, unsere Arbeit respektieren. Ich gehe noch weiter: Red Bull ist das Beste, was der Bundesliga passieren konnte!

Vereinsbosse kritisieren tatsächlich RB seit Monaten nicht mehr – Ultras versuchen es weiter. Für große Medien ist die Debatte längst hinfällig. Wie sehen Sie es?

Die Debatte wird nicht mehr oft geführt. Aber wenn, dann sicher heuchlerisch. Schauen Sie sich doch andere Klubs und Investoren an. Bei Bayern zum Beispiel gibt es die Allianz, Adidas und Audi und beim BVB hat sich Puma beteiligt.

Es vergeht kein Wochenende ohne Schlüsselloch-Einblick bei Sky, ZDF/ARD. Schmusekurs?

Nein. Wir haben nichts zu verheimlichen, öffnen uns schon seit einiger Zeit. Unsere gestiegenen Imagewerte sprechen für sich. Wir sind ein Verein, nach Meinung vieler aus der Branche, d e r Verein zum Anfassen mit sehr vielen positiven Attributen, der eine klare Philosophie in allen Bereichen hat und die auch konsequent lebt.

Die RB-Fans gelten als handzahm und werden beim Spiel in Wolfsburg mit knapp 3000 Schlachtenbummlern einen clubinternen Auswärtsrekord aufstellen. Wird es auch künftig gesittet zugehen?

Auch daran arbeiten wir permanent. Wir stehen im engen Dialog und Austausch mit unseren Fans, haben sehr engagierte Fan-Beauftragte und, ja, sensationelle Anhänger. In unserem Stadion werden auswärtige Mannschaften freundlich begrüßt, werden auch ohne 100-jährige Tradition Fußball-Feste gefeiert. So soll es sein – und für mich hat das Vorbildcharakter. Familien müssen ins Stadion kommen können, ohne Angst vor Gewalt. Die hat im Fußball nichts verloren.

Prüfung von Stehplätzen

Wann kommen die avisierten Stehplätze in der Fankurve?

Das müssen wir prüfen und dann werden wir entscheiden.

Stimmt es, dass die Statik der Red-Bull-Arena mit Tausenden hüpfenden Fans Probleme bekäme?

Ja, die Statik beruht auf Sitzplätzen. Wie gesagt: Wir prüfen das Machbare und nehmen die Themen der Fans wie bisher ernst.

Ein ernstes Thema geistert als Bannergate durch die Gegend. Weil Banner in Sektor A und teils in D weg müssen, schieben ein paar Banneraner einen Hals. Gab es Defizite bei der internen Kommunikation?

Nein, das wurde sauber besprochen. Es gibt kein Banner-Verbot, es müssen aber Entscheidungen im Sinne des Vereins getroffen werden. Die besagte Fläche ist eine Werbefläche – die muss sichtbar sein. Das ist dem Partner vertraglich zugesichert, wird von allen anderen Bundesligisten auch so gehandhabt. Die wenigen betroffenen Fanclubs wurden persönlich darüber informiert und es wurden alternative Lösungen angeboten. Operative Entscheidungen trifft auch in Zukunft der Verein und teilt diese entsprechend mit.

Die Faninitiative 60plus wirbt für einen Verbleib in der Red-Bull-Arena. OBM Burkhard Jung kann ein zweites Stadion brauchen wie ein Loch im Kopf. Muss sich Stadion-Besitzer Michael Kölmel ab 2020 auf die Zeugen Jehovas, Udo Lindenberg und den deutschen Bläsertag konzentrieren?

Es gibt derzeit nichts Neues. Klar ist, dass wir uns grundsätzlich in der Red Bull Arena wohlfühlen.

Dann bleiben Sie doch.

Wir machen unsere Entscheidung nicht abhängig davon, ob es dem Trainer, den Spielern, den Fans oder mir in der Red Bull Arena gefällt, sondern welcher Standort gut für die weitere Entwicklung des Vereins ist. Wir müssen – wie jeder andere Klub – möglichst viele Einnahmen generieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Im Bereich der Vermarktung sind wir da auf einem guten Weg. Eine der wichtigsten wirtschaftlichen Kennziffern ist in diesem Zusammenhang das Stadion.

Das auf über 50 000 Zuschauer ausgebaut werden könnte. Wo hängt es?

Auch im Hinblick auf diese Möglichkeit werden wir noch Gespräche führen.

Ein Stadion-Neubau für 70 000 Fans würde 300 Millionen Euro kosten.

Wenn die Wasserhähne aus Gold sind vielleicht. Wenn wir bauen, bauen wir günstiger. Dann wird das Stadion sicherlich keine 300 Millionen Euro kosten.

Ein Umzug aufs flache Land wäre Schkeuditz oder der Rockzipfel von Belantis. Es soll auch ein Areal in der Stadt in der Verlosung sein. Die Neue Messe gehört zum Stadtgebiet.

Das sind reine Spekulationen, an denen wir uns nicht beteiligen.

Gehen oder bleiben – wann fällt eine Entscheidung?

Noch in diesem Jahr.

Wie einverstanden sind Sie mit dem Saisonstart?

Sehr.

Mark van Bommel sieht RB als Dritten durchs Ziel gehen.

Wäre schön. Dennoch korrigieren wir unsere Saisonziele nicht nach sechs Spieltagen. Wir wollen eine sorgenfreie Saison spielen.

Ingolstadt hat ohne Ralph Hasenhüttl einen Punkt, RB hat mit ihm zwölf. Schlechtes Gewissen?

Nein, kein schlechtes Gewissen. Ich glaube, Ralph hätte Ingolstadt so oder so verlassen. Es sind erst sechs Spiele gespielt, da kann noch sehr viel passieren.

Wie funktionieren Ralph & Ralf?

Es passt. Beide sind absolute Experten und Teamplayer. Man diskutiert auf Augenhöhe und wenn nötig auch kontrovers. So muss es sein.

RB-Geschäftsführer und Red-Bull-Fußballchef Oliver Mintzlaff (rechts) im Gespräch mit LVZ-Chefreporter Guido Schäfer.

RB-Geschäftsführer und Red-Bull-Fußballchef Oliver Mintzlaff (rechts) im Gespräch mit LVZ-Chefreporter Guido Schäfer.

Quelle: Christian Modla

Hasenhüttl war unlängst gefeierter Coverboy des Fachorgans Kicker. Könnte es sein, dass Rangnick diese Ausgabe nicht ganz so toll fand?

Weil er dem Trainer den Erfolg neidet? Schwachsinn! Ralf wollte Ralph unbedingt holen. Weil er ist wie er ist. Er ist fachlich klasse, bringt ausreichend Erfahrung mit und hat einen tollen Zugang zu den Spielern und zur Öffentlichkeit.

Rangnick kommt ständig mit neuen Ideen um die Ecke, sieht neuerdings beim Thema Schlaf Luft nach oben. Nervt das auch mal?
Natürlich kann das mitunter auch mal anstrengend sein. Ralf möchte, dass wir uns permanent verbessern. Er ist detailversessen, unser Motor des sportlichen Erfolges, er genießt nicht nur bei mir höchste Wertschätzung.

Die genießt er auch auf der Insel. Wenn ManU oder Arsenal anklopfen, könnte sich der Englisch-Lehrer Rangnick sagen: Well well, zehn Millionen sind mehr als drei...

Geld war nie Ralfs Antrieb. Er will etwas entwickeln, fühlt sich sehr wohl bei uns und ist hier noch lange nicht am Ende. Wie kommen Sie eigentlich auf drei?

Grobe Schätzung. Wer viel macht, macht auch Fehler. Siehe die Transfers von Omer Damari, Atinc Nukan und Massimo Bruno.

Warten wir mal ab, wie sich die drei entwickeln. Aber Sie dürfen gerne schon heute einen Strich unter Ralf Rangnicks Transferbilanz ziehen. Er ist dick im Plus. Das war er auch in Hoffenheim und in Salzburg. Und dies wird auch bei uns so bleiben.

RB Salzburg und RB Leipzig werden von Red Bull finanziert und sind ansonsten ...

... eigenständige Vereine.

Die sich gerne und oft Gutes in Form von Spielern tun.

Es ist völliger Nonsens anzunehmen, dass Spieler zu Wechseln gezwungen werden. Diese Entscheidung obliegt am Ende allein den Spielern, denn sie müssen wissen, wo sie ihren nächsten Entwicklungsschritt gehen möchten. Ramalho, Kampl und Mané haben diesen damals eher in Leverkusen und Southampton gesehen.

Ein Club mit Schwestern könnte Financial Fair Play umdribbeln. Red Bull New York kauft, sagen wir, Ronaldo für 150 Millionen und verkauft ihn für 10 nach Leipzig.

Wir werden zudem auch bei Financial Fair Play transparent vorgehen und keine Regeln aushebeln.

Wie lief eigentlich der Deal mit Oliver Burke? Hat Rangnick bei Ihnen angerufen und gesagt: Olli, hol den Sparstrumpf raus, ich brauch’ 15 Millionen!

Ralf hatte Oliver Burke mehrfach beobachtet und war wie unsere Scouts total überzeugt von dem Spieler.

Dann haben Sie das Geld locker gemacht?

Wir haben ein Budget. Und das war ausreichend, um den Spieler zu verpflichten.

Und wenn Burke 25 Millionen gekostet hätte? Gibt es in Ihrem Oval Office ein Rotes Telefon mit Direktverbindung nach Fuschl am See, zu Dietrich Mateschitz?

Wir haben ein Budget, in dem sich jeder bewegt. Und wir reißen unsere Leitplanken nicht ein. So wie im Etat, wo wir bezüglich der Gehälter sicher auf einem zweistelligen Tabellenplatz in der ersten Liga stehen.

RB Leipzig ist kein Projekt, weil ...

... ein Projekt zeitlich begrenzt ist. Das trifft auf uns nicht zu. Wir setzen auf Nachhaltigkeit und sind keine temporäre Erscheinung. 70 Prozent der Aufwendungen in unserem Trainingszentrum am Cottaweg zielen auf den Nachwuchs ab.

Für RB kicken mittlerweile 23 Jugendnationalspieler. Wann greifen die bei den Profis an?

Einige gehören schon zum erweiterten Kader. Es geht nicht darum, möglichst viele Jugendnationalspieler zu produzieren. Es geht um die Durchlässigkeit von der Jugend zu den Profis.

Haben Sie in Leipzig eine Wohnung gefunden?

Bin kurz davor.

Interview: Guido Schäfer

Leipzig Red Bull Arena 51.346108 12.351561
Leipzig Red Bull Arena
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