Startseite LVZ
Volltextsuche über das Angebot:

Google+ Instagram YouTube
RB Leipzigs Davie Selke wird 21 Jahre alt: „Ich muss noch präsenter werden“

Interview RB Leipzigs Davie Selke wird 21 Jahre alt: „Ich muss noch präsenter werden“

Geburtstag im Trainingslager: RB Leipzigs Davie Selke wird am MIttwoch 21 Jahre alt. Eine große Feier wird es nicht geben für den Angreifer. Im etwas anderen Geburtstagsinterview spricht er u.a. über seine Ungenießbarkeit nach Niederlagen, Wünsche und Autogrammjäger.

RB Leipzigs Stürmer Davie Selke wird am Mittwoch 21 Jahre alt.

Quelle: GEPA Pictures

Belek. Als Davie Selke im zarten Alter von 18 Jahren seine ersten Schritte im Profikader von Werder Bremen machte, hatte er zwei Dinge intus: Gerechtigkeitssinn und Selbstvertrauen. Diese Kombination führte dazu, dass er sich 2013 mit Werder-Legende Clemens Fritz anlegte. Der Alte Fritz wollte dem Jungen zeigen, wer das Sagen hat, wurde handgreiflich. Keine gute Ideee gegen den gestählten Selke, der sich im Infight bewährte und einen Punktsieg davontrug. Kollege Sebastian Prödl damals lässig: „Das braucht man jetzt nicht hochsterilisieren.“ Am Mittwoch wird Mittelstürmer Selke 21, spielt bei RB und hat schon mehr erlebt als manche Fußballer mit 30. Das etwas andere Geburtstagsinterview mit einem Hochbegabten.

Wird reingefeiert? Ständchen von Yussuf Poulsen? Brot mit Gluten? Bier mit Umdrehungen?

Mit Reinfeiern ist nichts. Wir sind Profis.

Es gibt schönere Geburtstags-Örtlichkeiten als ein Trainingslager.

Stimmt.

Was wünscht sich ein junger erfolgreicher Mann mit 21?

Dasselbe, was sich ein älterer Herr wie Sie wünscht.

Edelsteine, Frauen, blickdichtes Haar?

Gesundheit. Ohne ist alles nix

Haben Sie nicht etwas vergessen?

Wenn Sie den Aufstieg meinen, liegen Sie falsch. Den kann man sich nicht wünschen, den muss man sich hart erarbeiten. Und das tun wir hier jeden Tag.

Wenn Ralf Rangnick Trainer bliebe, wären Sie...?

Jedenfalls nicht unglücklich. Er ist ein Top-Mann, wir haben einen Riesenrespekt vor ihm, aber auch ein gutes, offenes Verhältnis. Das muss sich nicht ausschließen. Es ist am Ende allein seine Entscheidung.

Wenn Sie ein Trainingsspiel verlieren, sind Sie ungenießbar.

Wenn ich gegen Yussi an der Playstation verliere, bin ich auch ungenießbar. Ich kann nicht verlieren. Und ich glaube, dass das ganz gut in meinem Job ist.

Es gibt Spieler, die sitzen nach einer Pleite im Bus, packen die Karten aus und mampfen Nudeln.

Ich nicht.

Wie war das damals mit Fritz im Training?

Alles halb so schlimm. Wir bekamen uns kurz in die Haare und das war’s. Das gehört im Fußball einfach dazu. Und übrigens: Wir haben ein super Verhältnis, verstehen uns top.

Sie lassen sich ungerne etwas gefallen.

In unserem Beruf stößt du permanent auf Widerstände, musst körperlich und mental stark sein, dich wehren und durchsetzen.

Sie haben alles, was ein Stürmer braucht. Sie sind Mario Gomez II!

Nicht übertreiben, Mario Gomez ist noch ein ganzes Stück weit entfernt. Aber er ist schon ein Vorbild für mich. Er haut sich vorne rein, gibt keine Blabla-Interviews, hat sich immer aus Krisenzeiten befreit.

Als er 2008 die berühmte Chance auf der Torlinie ausgelassen hat, sind diverse Hyänen über ihn hergefallen.

Ja, und er kam zurück, hat es allen gezeigt. Diese Einstellung gefällt mir.

Dem Acht-Millionen-Mann Selke rollt man in der 2. Liga auch nicht gerade den roten Teppich aus.

Die 2. Liga rollt keinem von uns irgendeinen Teppich aus. Wie gesagt: Man muss sich wehren.

Frage an den Praktiker: Wie groß ist eigentlich ein Tor?

Hm, 2,35 Meter hoch...

2,44 mal 7,32 Meter.

Hauptsache, Ich weiß, wo es steht und wie man Tore schießt. Ich muss ja keins bauen.

Bundesliga-Rekordschütze?

Gerd Müller, 365 Tore

Rekord für eine Saison?

Auch Müller, 40 Tore.

Legendäres Tor des Jahres via Fallrückzieher?

Klaus Fischer, Schalke.

Rekordtorschütze der 2. Liga?

Ich bin’s nicht.

Dieter Schatzschneider, 153 Tore. 146 mehr als Sie. Wie viele Tore hat Nils Petersen auf dem Konto?

15.

Warum haben Sie nur 7?

Weil ich mir den Rest für 2016 aufgehoben habe.

Welche Halbjahresnote würden Sie sich geben?

Ich bewerte mich grundsätzlich nicht selbst. Zuletzt wurde mir aber gesagt, dass das bisher eine Drei plus war. Dem schließe ich mich an. Es ist schon noch viel Luft nach oben. Ich habe ein paar wichtige Tore geschossen und auch ganz gut nach hinten gearbeitet, muss aber insgesamt noch präsenter und effizienter werden.

Die Anpassung an Ralf Rangnicks Balljagd ist steinig und schwer.

Ist sie. Man ist fast permanent im Sprint unterwegs, muss zum richtigen Zeitpunkt und in die richtige Richtung laufen. Ich kann da von Yussi viel lernen. Er ist im dritten Jahr dabei, bei ihm ist vieles in Fleisch und Blut übergegangen.

Denken Sie immer nur ans eine? Fußball?

Fast immer. Man wird auch außerhalb des Platzes ständig auf Fußball angesprochen.

Bleiben Sie immer für ein Autogramm stehen?

Ja. Ich weiß noch, wie ich mit Stift, Zettel und klopfendem Herzen vor Cacau (VfB Stuttgart, Red.) stand. Der war total freundlich. Das bin ich auch.

Reicht der Vorsprung vor einem Nichtaufstiegsplatz?

Das liegt allein in unseren Händen. Eines kann ich versichern: Bei uns lässt keiner eine Sekunde nach, alle sind geil auf Fußball und auf Erfolg.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News