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RB Leipzigs Fabio Coltorti: „Ich bin kein Mann für die Show“

Interview RB Leipzigs Fabio Coltorti: „Ich bin kein Mann für die Show“

Seit 2012 steht Fabio Coltorti in Diensten und im Tor von RB Leipzig. Der Schweizer gehört zu den Garanten des Erfolgs bei den Messestädtern, schießt Tore schon mal selbst und ist mit 35 Jahren nach wie vor einer der konstantesten Akteure. Im Interview blickt er zurück und nach vorn.

Hat stets alles im Blick: Fabio Coltorti.

Quelle: GEPA Pictures

Leipzig. Oliver Kahn hatte Gegenspieler zum Fressen gern, sie wie Stallhasen im Genick gepackt, Mitspieler via Bodycheck ermahnt. Wichtige Spiele hat der Titan grundsätzlich alleine gewonnen. Fabio Coltorti gewinnt auch das eine oder andere Spiel für RB im Alleingang, ist aber ansonsten der Anti-Kahn. Torhüter Coltorti, 35, über Erdverbundenheit, die Segnungen des Alters, einen Berliner Schulsportplatz und das Sonnabend-Spiel in Fürth (13 Uhr).

Gute Torhüter retten pro Saison fünf, sechs Punkte. Demnach haben Sie mit Blick auf die Partien in Bielefeld und Karlsruhe oder daheim gegen Fürth Ihr Soll schon nach 18 Spielen erfüllt. Kommt trotzdem noch was?

Davon gehe ich aus.

Ralf Rangnick ist nicht dafür bekannt, Spieler in den Himmel zu heben. Hat er Sie mal in der Kabine gedrückt und gesagt: Fabio, Du bist wunderbar?

Das Wort wunderbar ist nicht gefallen, aber die gegenseitige Wertschätzung ist auf jeden Fall da.

Seit 2012 steht Fabio Coltorti im Tor von RB Leipzig. Bereits zwei Mal konnte der 35-jährige Schweizer mit dem Club einen Aufstieg feiern. In dieser Saison soll nach Möglichkeit der dritte hinzukommen.

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Diese Zeitung wähnte sie nach Ihrer glänzenden Rückrunde der Vorsaison in der Form Ihres Lebens. Diese Zeitung hat Unsinn geschrieben...

Wieso?

Weil Sie noch eine Schippe drauf gelegt haben. Sieht man in diesen Tagen und Wochen den besten Fabio Coltorti aller Zeiten?

Das sollen andere beurteilen. Ich mache meinen Job mit viel Freude, Ehrgeiz und Überzeugung.

Aus Erfahrung gut beziehungsweise besser?

Für einen Torhüter ist die Erfahrung unbezahlbar. Man hat fast alles schon zigmal erlebt und trifft automatisch bessere Entscheidungen.

Es gibt Torhüter, die nach jeder Parade ihre Vorderleute zusammenstauchen, Gegenspieler anknabbern und sich mindestens als Göttergabe verstehen. Sie sind anders.

Ich bin kein Mann für die Show. Und ich glaube auch nicht, dass meine ­Kollegen besser spielen, wenn ich hinten drin ständig ausflippe. Wir sind eine Mannschaft und ich bin ein Teil da-von. Von Selbstüberhöhung halte ich nichts.

Sie sind seit 15 Jahren Profi. Gibt es ein Ritual, das Sie vor dem Spiel zelebrieren? Kalte Dusche, doppelter Espresso, Gebet?

Ja, es gibt ein Ritual: Ich ziehe mich um und gehe auf den Platz.

Fühlen Sie sich mit 35 auf dem Platz wohler als mit Anfang 20?

Geliebt habe ich meinen Beruf immer, genießen kann ich ihn jetzt besser. Ich habe keine Versagensängste mehr, muss nicht an den nächsten Vertrag denken.

Sie ruhen in sich, weil Sie wissen, was Sie können, Ihre Schäfchen im Trockenen sind und alles, was jetzt noch kommt, das Sahnhäubchen auf einem feinen Kuchen ist?

Ruhe bedeutet nicht, dass ich mich zurücklehne und Gott einen guten Mann sein lasse. Ich arbeite seit 15 Jahren hart, aber im gesetzten Alter zielgerichteter. Ich muss für mein Torwartspiel nicht mehr eine Stunde durch den Wald rennen.

Wie wichtig ist das, was sich zwischen den Ohren abspielt?

Der Kopf ist von entscheidender Bedeutung, ich arbeite schon lange im mentalen Bereich. Der Fußball hat sich athletisch und taktisch extrem entwickelt, große Potenziale liegen meiner Meinung nach auf dem Gebiet der sportpsychologischen Arbeit.

Ihr Vertrag verlängert sich mit dem Bundesliga-Aufstieg. Verlängert sich Ihr Vertrag?

Ich hoffe es, die Bundesliga ist unser aller Traum. Mehr will ich dazu nicht sagen. Wir spielen in Liga zwei...

... und die ist ausgeglichen und jedes Spiel ein Tanz auf der Rasierklinge.

Das ist so. Jedes Spiel hat einen Knackpunkt, an dem sich entscheidet, wo die Reise hingeht. Wir werden auch in Fürth um jeden Meter kämpfen, um an Punkte zu kommen.

Fürth hat beim 2:2 in Leipzig klasse gespielt und um ein Haar beziehungsweise um einen Coltorti drei Punkte geholt.

Wenn unser Gegner klasse spielt und viele Chancen hat, machen wir etwas falsch. Wenn wir an unser Limitkommen, sind wir schwer zu schlagen. Die Tabelle und die Ergebnisse der anderen interessieren mich nicht. Wir müssen auf uns schauen, unser Ding machen.

Stehen Sie auch noch mit 40 im Tor?

Ich kann mir – Stand heute – vorstellen, noch drei, vier Jahre zu spielen.

Sie stehen seit 2012 im RB-Tor. Was war in Sachen Ambiente der Tiefpunkt?

Das Spiel auf einem Schulsport-Kunstrasen gegen die U23 von Union Berlin war schon besonders. Und Torgelow war auch nicht gerade der Nabel der Fußball-Welt.

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