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RB-Trainer Rangnick: „Wurfgeschosse gab es die ganze Zeit“

Spielabbruch im DFB-Pokal RB-Trainer Rangnick: „Wurfgeschosse gab es die ganze Zeit“

Bespuckt und beworfen, danach der Abgang durch die Hintertür. Die Vorfälle rund um das Pokalspiel beim VfL Osnabrück haben die Spieler von RB Leipzig schockiert. Sportdirektor Ralf Rangnick und Kapitän Dominik Kaiser finden zu den Vorfällen deutliche Worte.

Quelle: dpa

Leipzig. Am Ende waren die Spieler von RB Leipzig auf der Flucht. Zwischen dem Abbruch der Pokalpartie beim VfL Osnabrück und der Abfahrt des Mannschaftsbusses vergingen nur wenige Minuten. „Das war eine dringende Empfehlung der Polizei. Die Zuschauer sollten vom Abbruch erst erfahren, wenn wir nicht mehr auf der Anlage sind“, berichtet RB-Trainer Ralf Rangnick am Dienstag.

Was in den rund anderthalb Stunden zuvor passierte, ist für die Leipziger Spieler auch einen Tag später noch unfassbar. „Das hat uns alle schockiert“, sagt Kapitän Dominik Kaiser. Schon beim Aufwärmen fing es an: „Da wurde unser Athletiktrainer mehrfach bespuckt“, so Rangnick. Im Spiel ging es weiter. „Wurfgeschosse gab es die ganze Zeit, besonders bei unseren Ecken und gegen den Torhüter“, beobachtete der RB-Trainer. Münzen, Bierbecher, Feuerzeuge: „Da waren viele harte Gegenstände dabei“, so Kaiser. Hinzu kam, dass das Fangnetz vor der VfL-Fankurve beim Torjubel zum 1:0 stark beschädigt wurde.

RB-Spiel abgebrochen

Wie soll das Pokalspiel gewertet werden?

Auf eine intensive Partie auf dem Rasen waren die Gäste aus Sachsen vorbereitet. „Der VfL wollte ein ruppiges Spiel, mit Provokationen und Rudelbildung, das war das Ziel“, meint der Bullen-Kapitän. An der einen oder anderen Stelle sei es aber übertrieben gewesen und gehöre so nicht auf den Sportplatz. Die Hektik auf dem Platz übertrug sich von Anfang an auch auf die Zuschauerränge. „Ich hätte mit Frau, Kind und Familie in dem Stadion gar nicht gewusst, wo ich hätte sitzen oder stehen können, um mich halbwegs sicher zu fühlen“, ergänzt Rangnick.

Stürmer Davie Selke mochte sich am Dienstag zu seinem Torschuss in der 71. Minute und dem danach folgenden Spielabbruch nicht äußern. Der Angreifer vergab eine Chance zum Ausgleich und bekam anschließend einige Sätze von VfL-Ergänzungsspieler Michael Hohnstedt ins Gesicht geschrien. „Da muss ich den Hut ziehen, dass Davie in dieser Situation verhältnismäßig ruhig geblieben ist“, findet Kaiser. Darüber, ob das Sekunden später geworfene Feuerzeug Selke treffen sollte oder tatsächlich den herbeigeeilten Referee Martin Petersen, will bei RB niemand spekulieren.

Was Kaiser besonders in Erinnerung bleibt, ist der Weg in die Kabine. „Im Spielertunnel ging es extrem zur Sache, da wurde weiter provoziert“, berichtet der Mittelfeldspieler. So etwas wie in Osnabrück habe er in seiner Karriere noch nicht erlebt, vor allem dass die Auseinandersetzungen abseits des Platzes nicht aufhörten. In den sicheren Umkleideräumen glaubten Spieler und Verantwortliche zunächst nur an eine kurze Unterbrechung. „Da hatten wir noch eine neue Besprechung für die letzten 20 Minuten im Spiel“, verrät Rangnick. Nach der Nachricht vom Abbruch sei dann aber alles ganz schnell abgelaufen. „Das ging ruck-zuck, Sachen packen und ab in den Bus“, so Kaiser.

DFB-Regularien

Für den Fall eines Spielabbruchs sieht die Rechts- und Verfahrensordnung des Deutschen Fußball-Bunds unter Paragraph 18, Punkt 4 folgendes vor: „Wird ein Bundesspiel ohne Verschulden beider Mannschaften vorzeitig abgebrochen, so ist es an demselben Ort zu wiederholen. Trifft eine Mannschaft oder ihren Verein oder beide Vereine ein Verschulden an dem Spielabbruch, ist das Spiel dem oder den Schuldigen mit 0:2-Toren für verloren, dem Unschuldigen mit 2:0-Toren für gewonnen zu werten. Hat der Unschuldige im Zeitpunkt des Abbruchs ein günstigeres Ergebnis erzielt, so wird dieses Ergebnis gewertet. Dies gilt entsprechend, wenn eine Tochtergesellschaft beteiligt ist.“ Über die Spielwertung entscheidet nach Angaben des DFB das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bunds.

Trotz dieser Vorfälle will RB Leipzig weiter auf dem Rasen eine Entscheidung über den Einzug in die zweite Pokalrunde suchen. Noch am Montagabend beschlossen die Verantwortlichen im Verein: Wir bieten ein Wiederholungsspiel an. „Wir wollen uns sportlich qualifizieren“, betonte Rangnick. Eine Wiederholung sei im Sinne des Fußballs, meint auch VfL-Trainer Maik Walpurgis. Die Entscheidung darüber liegt allerdings beim Sportgericht des Deutschen-Fußball-Bund (DFB). Die Chancen für die Niedersachsen stehen allerdings schlecht, denn der VfL gilt als Wiederholungstäter.

Osnabrück steht in der 3. Liga unter besonderer Beobachtung, weil die Ultras unter den Anhängern schon häufiger unangenehm aufgefallen sind - vor allem bei den brisanten Derbys gegen Preußen Münster. Erst im vergangenen Mai verurteilte das Sportgericht des DFB den Club zu einer Geldstrafe von 14.000 Euro und verhängte zusätzlich eine Bewährungsstrafe: Komme es in den nächsten acht Monaten zu vergleichbaren Vorfällen, müsse der VfL Teile der Tribüne sperren, hieß es damals. Die Osnabrücker haben offensichtlich ein Fan-Problem. Es war auch am Montagabend nicht nur „ein einzelner Chaot, der alles kaputt macht“, wie es Walpurgis ausdrückte.

Der Kontrollausschuss des DFB hat beide Vereine zu Stellungnahmen bis Donnerstagmittag aufgefordert. „Nachdem diese vorliegen, wird über den weiteren Fortgang des Verfahrens entschieden“, teilte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker mit. Der Vorsitzende Richter des Sportgerichts, Hans E. Lorenz, wird den RB-Vorschlag mit dem Wiederholungsspiel zur Kenntnis nehmen, sollte er auch in der schriftlichen Stellungnahme des Zweitligisten auftauchen. Großen Einfluss auf die Urteilsfindung dürfte er aber nicht haben.

Auslosung in Gefahr

„Mögliche Folgen ergeben sich aus der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB, auf deren Grundlage das Sportgericht als unabhängiges Gremium urteilen wird“, erklärte Köttker mit Blick auf Paragraf 18, Punkt 4 der DFB-Rechts- und Verfahrensordnung. Dieser sieht eine Wertung gegen den Club vor, der für den Abbruch verantwortlich ist. Der Verband strebt eine schnelle Entscheidung an, da bereits für Freitagabend die Auslosung der zweiten Runde angesetzt ist. Osnabrück und Leipzig wären bei der Ziehung in unterschiedlichen Töpfen. Sollte es bis Freitag kein Urteil geben, ist daher auch der Termin der Auslosung in Gefahr. „Die Auslosung findet nur dann statt, wenn Rechtssicherheit vorliegt“, erklärte Köttker.

Die Polizei hat Ermittlungen eingeleitet, sie laufen nach Angaben der Beamten auf Hochtouren. „Ein Tatverdächtiger konnte bislang noch nicht ausgemacht werden“, teilte Polizeisprecherin Mareike Kocar mit. VfL-Präsident Queckenstedt sagte über den Werfer: „Nach unseren Informationen ist er auf Fernsehaufzeichnungen auszumachen.“ Es sei „schade, dass so ein Chaot all die Bemühungen, die wir im Vorfeld unternommen haben, zunichtemacht. Wenn wir ihn finden, werden wir Konsequenzen ergreifen.“

Der vom Feuerzeug am Kopf getroffene Schiedsrichter Petersen befindet sich nach Angaben des DFB auf dem Wege der Besserung. „Er hat eine leichte Gehirnerschütterung erlitten. Es geht ihm aber den Umständen entsprechend gut und er ist bald wieder einsatzbereit“, teilte Köttker mit.

Bleibt noch die sportliche Leistungen von RB an der Bremer Brücke, samt Rückstand nach gerade 20 Sekunden: Darüber wollte Rangnick nicht sprechen und kündigte eine interne Auswertung an. Innenverteidiger Atinç Nukan fällt mit einer Knieverletzung mindestens drei Wochen aus. Auch der Österreicher Stefan Hierländer muss aufgrund einer starken Prellung des Wadenbeinköpfchens im rechten Knie mehrere Tage aussetzen. Damit wird Hierländer voraussichtlich beim Auswärtsspiel am Samstag gegen Eintracht Braunschweig fehlen. (mit dpa)


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