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RB-Trainer Zorniger im Interview: "Diese Demut vor dem Erfolg vermisse ich manchmal"

RB-Trainer Zorniger im Interview: "Diese Demut vor dem Erfolg vermisse ich manchmal"

Es gibt viele Orte in Leipzig, an denen sich Alexander Zorniger sehr wohlfühlt. Beim Interview lernt der Trainer des Fußball-Zweitligisten RB Leipzig mit dem "Kowalski" ein weiteres Café kennen, das er als potenzielle Rückzugsmöglichkeit schätzt.

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RB-Trainer Alexander Zorniger.

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. Denn abschalten fällt ihm schwer. Darüber spricht der 47-jährige Schwabe ebenso offen wie über seinen Matchplan beim sonntäglichen Auftritt (13.30 Uhr, Sky) in Sandhausen.

Herr Zorniger, Ihr Team ist in der Sportlerumfrage erstmals unter den zehn Top-Mannschaften in Sachsen gelistet. Wo sehen Sie Ihre Mannschaft im Vergleich zu den HCL-Frauen und anderen?

Das ist eine Sympathie-Entscheidung. Es braucht sicher noch eine Weile, ehe wir da ganz vorn landen. Aber es ist ein Erfolg an sich, dass wir da aufgelistet sind. Aus sportlicher Sicht habe ich kein Problem damit, wenn wir hinter den HCL-Handballerinnen oder den Volleyballerinnen aus Dresden landen. Beide sind absolute Spitze in Deutschland. Von den Zuschauerzahlen her sind wir bereits weit vorn. Wir polarisieren zwar, aber beim Montag-Live-Spiel auf Sport1 hatten wir über eine Million Zuschauer.

Wie ist Ihr Kontakt zu den Fans?

Über Facebook pflege ich seit 2013 keine privaten Kontakte mehr mit Fans, das wurde einfach zu viel. In Leipzig erlebe ich wenig Klugscheißerei an der Fan-Basis. Viele Leute erkennen mich in der Stadt und suchen auf sehr unaufdringliche und respektvolle Art und Weise den Kontakt zu mir. Das gefällt mir sehr. 

Gibt es oft ein Feedback zur Spielweise?

Das Gefallen ist beim Fußball immer subjektiv. Nicht jeder versteht unsere Spielweise. Aber in der Regel erlebt der Zuschauer immer etwas bei uns, es ist nie langweilig. Diese Woche kam ein Fan zu mir, um sich zu bedanken. Sein 71 Jahre alter Vater hatte nicht zu träumen gewagt, in Leipzig noch einmal Profifußball zu erleben. So etwas tut gut und entschädigt für Anfeindungen, denen wir auswärts häufig ausgesetzt sind.

Konnten Sie die Atmosphäre im Heimspiel gegen St. Pauli genießen?

Nicht so richtig. Ich bin da zu sehr im Spielmodus, das ging mir auch beim Aufstiegsspiel gegen Saarbrücken so. Davon kann ich mich nicht lösen. 

Aber die Mannschaft wurde von der Kulisse gegen St. Pauli beflügelt?

Wir hatten uns zwei Wochen intensiv auf das Spiel vorbereitet, obwohl wir nicht komplett waren. Erstmals hatten wir in dieser Saison im eigenen Stadion auch Druck von der gegnerischen Fanseite. Damit ist die Mannschaft sehr gut umgegangen, auch daran kann man eine Entwicklung ablesen. Das war gegen Rostock vor einem Jahr noch problematisch. 

Sie wirken meist sehr ernst.

Das ist halt Arbeit, andere laufen auch nicht ständig lachend durch ihr Geschäft. Ich hatte mal ein Erlebnis mit einer Taxi-Fahrerin, die mich vom Flughafen in Schkeuditz in die Stadt gebracht hat. Sie meinte ganz überrascht: Herr Zorniger, sie können ja sogar lachen. Natürlich kann ich das.

Wie gelingt es Ihnen abzuschalten?

Ich bin kein Typ, der beim Training 100 Prozent Gas gibt und dann alles auf dem Vereinsgelände lässt. Ich nehme schon alle beruflichen Dinge mit heim. Abschalten muss ich noch lernen, sonst staut sich irgendwann zu viel auf. Ich relaxe gern in der Sachsen-Therme oder auf dem Fahrrad Richtung Cossi oder Auensee. Es gibt sehr viele Flecken und Cafés in Leipzig, wo ich mich sehr wohlfühle.

Wie lautet Ihr Zwischenfazit in Liga zwei?

Mir war vorher nicht klar, ob unsere Spielweise in der zweiten Liga aufgeht. Aber wir haben gesehen: Sie passt. Wir wussten auch nicht, wie unsere Spieler in der zweiten Liga ankommen. Ich bin sehr zufrieden, wir waren nie schlechter als Siebter, waren immer vorn dabei.

Gibt es bei RB ein Heim- und Auswärtsgefälle?

Von den Punkten her ja, nicht von unserer Spielweise. Für mich stellt sich das Thema nicht, denn wir hätten auch in Düsseldorf einen Dreier landen können, in Nürnberg nicht verlieren müssen. Es geht halt eng zu in der Liga, wir haben noch nie höher als mit einem Tor verloren. 

Ist das Spielsystem Ihrer Mannschaft nicht auswärts sogar erfolgversprechender?

Nein, denn die Gegner orientieren sich an uns. Es ist ja nicht so, dass die Heimmannschaften anrennen und wir kontern können. Nürnberg hat gegen uns über 170 lange Bälle geschlagen. In den Spielen vor- und hinterher waren es nicht halb so viele.

Wie stehen die Chancen in Sandhausen?

Sandhausen ist gerade zu Hause in der Lage, eine Führung zu behaupten und hinten die Null zu halten. Wir fahren nicht als großer Favorit dahin. Es geht nicht darum, Sandhausen von Anfang an in die Defensive zu drängen. Es geht darum, eine gute Balance zu finden.

Welche Signalwirkung hätte ein Sieg am Sonntag - auch mit Blick auf das nächste Heimspiel gegen Ingolstadt?

Es weiß jeder, was los ist, wenn wir Sandhausen schlagen. Es weiß auch jeder, was los ist, wenn wir patzen. Wir wissen, dass wir jeden schlagen können. Punkte sind für uns aber auswärts kein Automatismus - genauso wenig wie zu Hause.

Wie können Yussuf Poulsen und Georg Teigl ihre Schnelligkeit noch häufiger zur Geltung bringen?

Es geht nicht um zehn Sprints, sondern um ein, zwei Sprints, die das Spiel entscheiden können. Bei unserem 3:0-Sieg in München ist das super gelungen, damals kannte die Liga uns aber noch nicht. Mittlerweile finden wir auswärts immer einen gegnerischen Plan vor.

Warum wird gegen RB so häufig Offensiv-Foul gepfiffen?

In unseren Spielen gibt es generell mehr Fouls. Nicht, weil wir so unfair spielen, sondern weil wir sehr aggressiv und intensiv spielen. Bei den Offensivfouls entscheidet ein Schiedsrichter im Zweifel schon mal gegen uns, ehe ihm nach einem Tor per Zeitlupe ein Fehler nachgewiesen wird und er blöd dasteht.

Kassiert Ihr Team zu viele Gelbe Karten? 

Das finde ich nicht. Wir hatten erst einmal Gelb-Rot, noch keine Rote Karte. Es gibt keine Spiele, in denen wir fünfmal Gelb sehen und der Gegner nur einmal.

Aber Rani Khedira ist recht früh in der Saison gelbgesperrt. Wer rückt am Sonntag auf seine Position?

Nach 14 Spielen halte ich eine Gelb-Sperre für nichts unnormales. Für Rani werden Dominik Kaiser oder Diego Demme auf die Sechs rücken.

Müssen Sie die Heißsporne Yussuf Poulsen und Joshua Kimmich oft bändigen?

Yussuf muss im Spiel fokussiert bleiben, darf sich nicht von äußeren Umständen ablenken lassen. Joshua hat eine extrem ausgeprägte Siegermentalität. Alles, was ihm den Sieg streitig macht, ist ihm suspekt. Wir reden viel mit den jungen Spielern, können sie gut lenken und auch überzeugen.

Ist Jo Kimmich in Sandhausen wieder dabei?

Er fällt weiter aus, die Verletzung der unteren Bauchmuskulatur behindert ihn noch, auch wenn die Behandlung gut anschlägt. Schambein, Adduktoren, Leiste und Bauchmuskulatur sind sein empfindlicher Bereich. Die Belastung der vergangenen Monate war sehr hoch, wir wollen ihn in jungen Jahren nicht verheizen.

Frank Schober

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