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RB verliert ein Spiel, BVB aber viel mehr

Leitartikel von Guido Schäfer RB verliert ein Spiel, BVB aber viel mehr

Wie weiter nach den Ausschreitungen gegen RB-Fans in Dortmund? Guido Schäfer analysiert in seinem Leitartikel die Ereignisse im und um das Stadion des BVB.

Leitartikel von Guido Schäfer.

Quelle: Imago/LVZ

Leipzig. Wir fassen zusammen: RB Leipzig verliert 0:1 in Dortmund. Verdient. In Bestbesetzung wäre vielleicht etwas gegangen. Geschenkt. BVB-Kämpfer Sokratis packte die altdeutsche Grätsche aus, die Menge tobte. Eine Light-Variante von Brot und Spiele. Geschenkt, gehört zum Fußball. Thomas Tuchels Benehmen war einer Abkühlung nicht dienlich. Geschenkt, Chorknaben werden anderweitig gebraucht. Interviews mit Dortmunder Spielern im Vorfeld des Spiels gab es keine. Jedenfalls nicht für eine Leipziger Zeitung. Der BVB benutzte ein hornaltes RB-Logo. Auch darüber kommt man hinweg. Die klasse besetzte Borussia möge die Champions League erreichen, i s t ein Aushängeschild bei der Auslandsvermarktung der Deutschen Fußball-Liga. Doch aus dem i s t könnte ein w a r werden.

Nicht geschenkt sind die skandalösen Ereignisse rund um dieses Fußballspiel. Dortmunder Anhänger statteten dem Leipziger Teamhotel einen Besuch ab, wurden von Leipziger Sicherheitskräften in die Schranken gewiesen. Ultras wollten den Teambus angreifen, die Polizei musste die Fußballer auf geheimem Pfade ins Stadion navigieren.

Leipzigs Anhänger? Hatten keine Wahl, der Weg in den Gästeblock führte vorbei an einer proppevollen BVB-Biermeile. Dort tranken viele friedlich ihr Bier, einige Hunderte hatten Lust auf mehr. Auf Gewalt. Gegen alles, was nach Leipzig aussah, auch gegen Frauen und Kinder. Der Polizei fehlte es nicht an Mut. Es fehlte im Vorfeld an der richtigen Risikobewertung. Und im Nachgang an mehreren Hundertschaften.

Hier friedliche Fans, die sich auf ein Spiel im schönsten Stadion Deutschlands gefreut haben. Da vermummte Kriminelle. Und mittendrin viel zu wenig Freunde und Helfer. Mehr Präsentierteller geht nicht. In Dortmund hat man den Schuss nicht gehört. Folge: Verletzte, Traumatisierte. Ein Horrortrip für den RB-Anhang. Ach ja: Die Schließung besagter Meile, es ist eine einträgliche, kam dem börsennotierten Traditionsverein nicht in den Sinn.

Straftaten einer Minderheit? Im Stadion waren zig XXL-Banner mit niederträchtigen Botschaften zu sehen. Unter den Sonderanfertigungen reckten sich Tausende Arme. Wie die heiße Ware in den Block kam? Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Oder den freundlichen Ordner am Fan-Eingang. Ein Dortmunder Kollege fordert in einem Kommentar einen „Aufstand der Anständigen“, zielt dabei auf die riesige Borussen-Fangemeinde. Gute Idee. Doch wo bleibt der Aufstand und Anstand der Club-Chefs? Wo bleibt die Ansage des Stadionsprechers: „Liebe BVB-Fans, bei uns wird niemand geschlachtet, nehmt das Plakat runter!“

Die BVB-Chefs, allen voran Hans-Joachim Watzke, haben den Kulturkampf ausgerufen, Wind gesät und Sturm geerntet. Was wäre in dieser Atmosphäre des Hasses eigentlich passiert, wenn RB gepunktet hätte? Man muss dem Linienrichter danken, dass er sein Fähnchen kurz vorm Ende nach oben gereckt hat. Dieses Spiel wird und muss ein Nachspiel haben. Für tatsächliche und geistige Brandstifter.

Guido Schäfer

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