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Rangnick über RB Leipzig: "Einer der spannendsten Standorte in Deutschland"

Interview Rangnick über RB Leipzig: "Einer der spannendsten Standorte in Deutschland"

Das lange Warten hat ein Ende. Am Sonntag startete RB Leipzig bei der TSG 1899 Hoffenheim endlich in die erste Bundesligasaison. Wir haben vorab mit Sportdirektor Ralf Rangnick über die Planbarkeit des Erfolgs, Erinnerungen und das Besondere an Leipzig gesprochen.

Auch wenn er in dieser Saison nicht mehr auf der Trainerbank sitzt. RB Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick hat die Mannschaft stets fest im Blick.

Quelle: GEPA Pictures

Leipzig. Am Sonntag startet für RB Leipzig und Ralf Rangnick das Projekt Bundesliga. Im Exklusivinterview kündigt er an: „Wir spielen in jedem Spiel auf Sieg – egal gegen wen.“

Herr Rangnick, ist Erfolg planbar?

Leistung ist planbar. Und dadurch sind es auch Aufstiege, Meisterschaften, Erfolge.

Sie lassen in Ihrem Leistungszentrum regelmäßig per Scanner überprüfen, ob Spieler im Besitz eines Führerscheins sind. Eine Folge des Marco-Reus-Skandals?

Ja, das war der Auslöser. Wir haben im Verein diskutiert und Schlüsse gezogen. Neben dem Führerscheinscanner gibt es noch eine weitere Regelung. Die 18- bis 21-Jährigen bekommen einen kleinen Dienstwagen mit PS-Begrenzung, die 21- bis 25-Jährigen einen Mittelklassewagen – und die Spieler ab 25 einen größeren. Wenn du mit 18 schon einen 500-PS-Boliden fährst, was für Ziele sollst du dann haben?

Wie überprüfen Sie einen Spieler vor seiner Verpflichtung hinsichtlich seines Charakters?

Wir holen uns Informationen von Ex-Trainern oder Ex-Mitspielern ein. In Gesprächen sehen wir dann, wie ein Spieler tickt, wie er sich verhält und auf Fragen reagiert. Nach einer Stunde kann man einschätzen, wer einem da gegenübersitzt.

Mit Hoffenheim und Leipzig ist Ihnen der Durchmarsch in die Bundesliga gelungen. Wenn Sie die beiden Situationen nach den Aufstiegen in die Bundesliga miteinander vergleichen …

Die Qualität der Hoffenheimer Mannschaft war extrem hoch. Unseren jungen Spielern in Leipzig traue ich eine ähnliche Entwicklung zu, aber sie muss erst noch stattfinden. Hoffenheim war multikulti, wir setzen jetzt auf deutsche Spieler und leben noch mehr vom Teamspirit. Es gibt aber noch weitere Unterschiede.

Zum Beispiel?

In Leipzig hatten wir von Anfang an ein Bundesliga taugliches Stadion. In Hoffenheim mussten wir innerhalb von sechs Monaten in drei verschiedenen Stadien spielen: Das gab es noch nie, und das wird es wahrscheinlich auch nie wieder geben. Das hat uns im Rückblick das internationale Geschäft gekostet. Nach der Hinrunde waren wir mit einer Heimbilanz von sieben Siegen und zwei Unentschieden Herbstmeister, dann mussten wir ab Januar umziehen: aus Mannheim, das Stadion dort haben wir immer als unseren Tigerkäfig bezeichnet, in die neue Arena nach Sinsheim. Von den verbliebenen acht Heimspielen haben wir nur noch zwei gewonnen.

Haben Sie noch Kontakt zu Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp?

Nein.

Fünf erfolgreiche Jahre endeten im Unfrieden. Werden Sie sich am ersten Spieltag die Hand geben?

Wenn wir uns sehen, bestimmt. Wir sind uns zuletzt bei einem U-Länderspiel in Walldorf begegnet und haben uns natürlich begrüßt.

Nerven Sie eigentlich die ständigen Anfeindungen, die Ihr Klub erfahren muss?

Es ist deutlich weniger geworden.

Wirklich? Bei einem Testspiel lagen Schrauben auf dem Platz.

Das waren ein paar Chaoten, die nicht zu den hellsten Kerzen auf dem Geburtstagskuchen gehören.

Ist die Aufgabe der strategischen Ausrichtung des Klubs spannender als zum Beispiel ein Sportdirektor-Job beim FC Bayern?

Bayern ist der bestgeführte Verein in Europa, vielleicht der Welt. Bei uns ist vieles in der Entwicklung, hier gibt es die Chance, sehr viel zu gestalten – insofern ist Leipzig natürlich spannender als Bayern. Wenn ich Leipzig als Projekt gesehen hätte, hätte ich jetzt sagen müssen: Das war es. Ich sehe es aber nicht als Projekt. Es ist einer der spannendsten Standorte in Deutschland in einer der meistunterschätzten Städte. Wir wollen uns etablieren und den nächsten Schritt machen. Jetzt fängt es eigentlich erst richtig an, spannend zu werden. Und dabei brauchen wir uns vor niemandem verstecken.

Wie meinen Sie das genau?

Wir haben ein Trainingszentrum, das jedem internationalen Vergleich standhält. Es fehlt an nichts – und trotzdem haben wir eine Atmosphäre zum Wohlfühlen geschaffen. Wir stehen allen Neuerungen absolut offen gegenüber, sind sehr innovativ.

Wenn Sie einen neuen Rasen benötigen, liegt der einen Tag später im Stadion. Ein Privileg.

Diese Dinge meine ich nicht. Nehmen wir das Thema Ernährung: Es werden bei uns fünf verschiedene Mahlzeiten angeboten: eine vegane, eine laktosefreie, eine glutenfreie, eine gluten- und latkosefreie, eine vollwertige. Das gibt es, wenn überhaupt, nur bei sehr wenigen anderen Vereinen. Ich sehe es als meine Aufgabe als Sportdirektor, auf diese Dinge zu achten. Wenn die Entwicklung von Leistung aus 100 Puzzleteilen besteht, wollen wir alle 100 im Portfolio haben und unseren Spielern anbieten.

Wenn Erfolg planbar ist: Wie wahrscheinlich ist es, dass RB Leipzig in den nächsten fünf Jahren deutscher Meister wird?

Sehr unwahrscheinlich! Aber auch nicht völlig ausgeschlossen. Wer hätte gedacht, dass Leicester City die Premier League gewinnt? Wenn wir weiter vieles richtig machen und gleichzeitig in einer Saison die großen Klubs vieles falsch machen, dann könnte das auch in Deutschland mal passieren. Aber planen können wir das sicher nicht. Was wir planen können, ist unsere eigene Entwicklung. Wir spielen in jedem Spiel auf Sieg – egal gegen wen.

Interview: Marco Fenske

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