Startseite LVZ
Volltextsuche über das Angebot:

Google+ Instagram YouTube
René Adler vorm Duell gegen RB Leipzig: „Ich fühle mich noch immer als Leipziger"

HSV-Keeper im Interview René Adler vorm Duell gegen RB Leipzig: „Ich fühle mich noch immer als Leipziger"

Er hat in der Jugend des VfB Leipzig höchst ungern Bälle ins Tor gelassen, zog im zarten Alter von 15 Jahren von der Messestadt hinaus in die große weite Fußball-Welt. Wir haben mit HSV-Keeper René Adler vorm Spiel gegen RB Leipzig am Samstag über den Tellerrand von Paraden und Siegen hinausgeblickt.

Der gebürtige Leipziger René Adler will am Samstag gegen RB das HSV-Tor sauber halten.

Quelle: dpa

Leipzig. Er hat in der Jugend des VfB Leipzig höchst ungern Bälle ins Tor gelassen, zog im zarten Alter von 15 Jahren hinaus in die große weite Fußball-Welt. Knapp 300 Bundesligaspiele für Bayer Leverkusen und den Hamburger SV später ist René Adler zu einem 31 Jahre jungen Mann gereift, der viel erlebt und etwas zu sagen hat. Ein Gespräch, das über den Tellerrand von Paraden und Siegen hinaus geht und natürlich auch das Bundesligaspiel HSV gegen RB Leipzig (Samstag, 15.30 Uhr) zum Inhalt hat. Übrigens: Bis kurz vor der WM 2010 war Adler Stammtorhüter der Nationalmannschaft, verletzte sich und beförderte so die Welt-Karriere eines gewissen Manuel Neuer.

Bundesligaprofi mit abgeschlossenem Sportmanager-Studium – seltene Kombination. War die Disziplin des Profis beim Lernen hilfreich und strahlt Sportmanager Adler noch mehr Ruhe im Tor aus?

Auf dem Platz kann ich die Erfahrungen nicht direkt einbringen, abseits davon schon. In der Betrachtung der gesamten Branche habe ich einen anderen Blickwinkel bekommen. Dort verstehe ich jetzt gerade finanzielle Zusammenhänge besser. Die Bedeutung von Sponsoren- und Presseterminen wird einem bewusster, weil man nicht mehr nur die Perspektive des Spielers hat. Außerdem habe ich festgestellt, dass mir das Studium als Ausgleich zum Profisport gut tut. Mein Kopf braucht Futter und da reicht ein Roman manchmal nicht mehr aus. Es macht Spaß, nach zehn Jahren wieder den Kopf richtig zu trainieren und zu lernen. Deshalb hänge ich jetzt an das Studium auch direkt einen etwas breiter aufgestellten Bachelor in Betriebswirtschaft dran.

Sie haben sich laut eigener Aussage bis 2011 vornehmlich über Ihren Beruf als Profi definiert. Das Ist jetzt anders. Ist dieses neue Lebensgefühl ausschlaggebend dafür, dass Sie noch fünf, sechs Jahre beim HSV spielen wollen?

Ich bin in erster Linie Fußballspieler und definiere mich natürlich auch darüber. Meine Leidenschaft für das Spiel hat nie nachgelassen. Ich bin immer noch vor jedem Spiel angespannt. Diese Spannung braucht man als Profisportler aber auch, um Höchstleistungen bringen zu können. Wenn ich sie nicht mehr aufbauen könnte, würde meine Reaktion nachlassen und ich wäre fehl am Platz. Es stimmt, dass ich mit zunehmender Lebenserfahrung anders und ausgeglichener an den Fußball herangehe. Ich habe während meiner Karriere viele Situationen erlebt, weiß auf sie zu reagieren und genieße die Spiele mehr als früher.

Der HSV-Kader ist mit Bobby Wood, Filip Kostic und Co. jünger und dynamischer geworden, soll/will mittelfristig zurück ins internationale Geschäft. Ist dieses Selbstverständnis schon in allen Köpfen?

Unser Kader hat viel an Qualität hinzugewonnen, da sind wir uns alle einig. Wir haben jetzt eine gute, junge und hungrige Mannschaft, die sich aber noch finden muss, was völlig normal ist. Jeder weiß, dass wir uns auf einen Weg begeben haben. Mittel- und langfristig wollen wir diesen Weg auch wieder nach Europa gehen, diese Regionen sollten auf Sicht wieder unser Ziel werden. Mit etwas Glück und den Erfolgserlebnissen zur richtigen Zeit kann eine solche Entwicklung manchmal auch schneller gehen. Sollte das bei uns der Fall sein, hätte da sicher keiner etwas dagegen. Schließlich trainieren wir dafür hart und viel.

Erstligaspiele gegen Ihre Heimatstadt waren lange Zeit utopisch. Jetzt ist es so weit. Wie intensiv haben Sie die Entwicklung des Leipziger Fußballs verfolgt?

Ich fühle mich noch immer als Leipziger und habe die Entwicklung mit großem Interesse verfolgt. Wenn ich mit Freunden, Familie und Verwandten gesprochen habe, habe ich vor allem die große Euphorie im Umfeld mitbekommen. Die Stadt ist hungrig nach Fußball und es ist nachvollziehbar, dass es jetzt explodiert. Schließlich haben viele Kinder das erste Mal die Chance, Bundesliga-Fußball zu sehen.

Darf sich der gebürtige Leipziger mit und für Leipzig freuen?

Für die Stadt, die Leute und das neutrale Sport-Publikum freut mich die Entwicklung ungemein. Was das Projekt RB Leipzig speziell angeht, darf und soll sich jeder seine eigene Meinung bilden. Ich für meinen Teil verurteile dieses Projekt nicht, finde es sogar eher gut als schlecht. Aber wenn man sieht, welche Tragweite der HSV in Hamburg hat und welche Verantwortung man als HSV-Spieler tragen darf, dann merkt man schon, dass es etwas anderes ist, als bei einem Verein ohne lange Tradition zu spielen. Ich habe aber auch lange bei einem Verein gespielt, bei dem sich die Tradition und die Fan-Base gerade entwickelt und ich finde, man sollte diesem Verein auch die Chance geben, dieses selbst langfristig aufzubauen.

Was zeichnet RB aus, mischt Leipzig perspektivisch oben mit?

In Leipzig sind strukturelle Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft gelegt worden, dort kann sich perspektivisch etwas entwickeln. Die ersten zwei Spieltage und gerade der Sieg gegen Dortmund haben gezeigt, dass bereits das aktuelle Team auch in der Bundesliga sein Spiel durchsetzen kann. Am Sonnabend wollen wir die Punkte dennoch im Volkspark behalten. Wir gehen in jedes Spiel, um zu gewinnen und sind nach der ärgerlichen Niederlage in Leverkusen besonders motiviert.

Wo sehen Sie sich nach Ihrer Karriere – räumlich und beruflich?

Mir wird aktuell zuviel über mein Studium geschrieben. Es gibt einige Fußballer, die neben ihrem Job noch studieren, da bin ich bei Weitem nicht der Einzige. Ich bin Fußballprofi und das aus Leidenschaft. Mein Ziel ist es, nach meiner Karriere etwas zu finden, was mich mit ähnlicher Leidenschaft ausfüllt wie aktuell der Fußball. Deshalb studiere ich auch weiter und knüpfe bereits viele Kontakte in der Branche. Räumlich fühle ich mich in Hamburg sehr wohl und heimisch. Ich bin jetzt seit fünf Jahren hier und möchte mir mittelfristig mit meiner zukünftigen Frau etwas aufbauen, eine Familie gründen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News

Jede Woche im LVZ-Tippspiel zur Saison 2016/17 regionale Partien tippen und tolle Preise gewinnen! mehr