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Silly verteidigen Trikot-Aktion beim RB-Aufstiegsfest in Leipzig

Mit Dynamo-Trikot in Leipzig Silly verteidigen Trikot-Aktion beim RB-Aufstiegsfest in Leipzig

Zum Aufstiegsfest der Roten Bullen am Montagnachmittag in Leipzig war die Rockband Silly mit Trikots konkurrierender Verein aufgetreten. Die RB-Fans reagierten mit einem Pfeifkonzert und die Band verließ die Bühne. Sängerin Anna Loos rechtfertigte sich im Nachgang für die Aktion.

Sängerin Anna Loos im Trikot von Union Berlin.
 

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Es war der einzige Aufreger beim Aufstiegsfest von RB Leipzig am Montagabend auf dem Leipziger Markt: Die Berliner Rockband Silly trat in den Trikots von anderen, konkurrierenden Ost-Fußballvereinen auf. Frontfrau Anna Loos trug ein Jersey von Union Berlin, daneben zeigte Bassist Jackie Reznicek ein Shirt von Dynamo Dresden, Keyboarder Ritchie Barton hatte Funktionskleidung vom 1. FC Magdeburg übergestreift und Gitarrist Uwe Hassbecker ein Dress von Hansa Rostock an. Nur Schlagzeuger Ronny Dehn trug passenderweise auch das Aufstiegsshirt von RB Leipzig.

Die Outfits der anderen Teams kamen beim Leipziger Publikum natürlich eher weniger gut an, es gab Pfiffe, Buh-Rufe und Sprechchöre. Die Band zeigte sich davon anschließend überrascht: „Wir sind ja für den Fußball im Osten hier. Dafür, dass die Leute kämpfen, jeden Tag. Manche müssen eben mehr kämpfen, manche haben weniger Geld, manche ein bisschen mehr. Für alle sind wir hier“, sagte Sängerin Loos direkt nach dem Auftritt beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), der die Aufstiegsparty mitveranstaltete. Zu den Pfiffen gegen Silly ergänzte Loos: „Wenn die keinen Spaß verstehen, sind sie selber Schuld“.

Gegenüber der Bild-Zeitung erläuterte die Silly-Frontfrau später die Intention der Band: „Der MDR hat uns zu einem Fußballfest für die ostdeutschen Klubs eingeladen. Also haben wir die Trikots von Vereinen angezogen, denen wir von unserer Herkunft her nahestehen. Am Dienstag rechtfertigte Loos den - nach eigenen Angaben ohne Gage absolvierten - "Trikotgate"-Auftritt auch nochmal in der Sendung "MDR um 4". Die Sängerin sagte: "Wir haben gespielt, um die ehemaligen Ost-Vereine zu feiern, die Kleinen und die Großen. Wir sind Kinder des Ostens, die Vereine gehören zu uns. Hätten wir noch mehr Musiker mitgehabt, hätten wir auch mehr T-Shirts mitgehabt."

Bassist Reznicek hatte sein Dynamo-Trikot noch in letzter Minute an der Fan-Tankstelle in Dresden bestellt und per Expresslieferung erhalten. „Ein Feldi, Dynamo-Schokoladenbällchen und das Trikot in XL für Jäckie“, postete die Tankstellen-Pächterin dazu auf Facebook.

Pfeifkonzert für Silly – Band spielt nur einen Song

Wussten Silly wirklich nicht, dass sie bei einer Fanparty von RB Leipzig spielen? Das stimmt offenbar nicht ganz. Wie LVZ.de aus Veranstalterkreisen des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) erfuhr, waren die Musiker über die Art ihres Auftritts genau unterrichtet. „Wir haben ihnen gesagt, dass es die Aufstiegsparty von RB ist“, hieß es am Dienstag aus der Sendezentrale in der Messestadt. Selbst ohne diese Information wäre der Anlass mit einem Blick auf den Leipziger Markt am Montagnachmittag aber wohl auch kaum zu übersehen gewesen: Überall wurden RB-Fahnen geschwenkt, trugen Menschen Trikots des Zweitliga-Aufsteigers.

Die Besucher fanden die Trikot-Aktion von Silly jedenfalls nicht witzig, äußerten ihren Unmut zum Glück nur verbal: Es ertönten gellende Pfiffe während des gesamten Auftritts und Rufe: „Hier regiert der RBL“. Das wiederum stieß bei Silly auf Ablehnung. Nach nur einem gespielten Titel verließ die Gruppe wieder die Bühne. Auf die Frage von RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff, ob Silly nicht eigentlich noch einen zweiten Song spielen wollten, reagierten die Musiker genervt: „Nicht wenn wir ausgepfiffen werden.“

Tausende Fans feierten RB Leipzig und den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga am Pfingstmontag auf dem Marktplatz.

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Harsche Fan-Reaktionen im Netz

Bundesweit sorgte die Trikotaktion im Anschluss zumindest für großes Aufsehen und Schlagzeilen. Bei den RB-Fans kochten auch am Dienstag noch die Emotionen hoch, andere versuchten zu vermitteln. So schrieb Heike Maas bei Facebook: „Das war purer Hohn für jeden RB-Fan, der auswärts dabei war (und teilweise froh sein konnte, zumindest körperlich unversehrt wieder zurück in LE zu sein) und/oder z. B. Rostock... in unserem Stadion erlebt hat. Einfach unverschämt!“ Für Jens Lübeck war klar: „Silly bleibt eben peinlich, die hätte man lieber zuhause lassen sollen!“

Marco Torrance mutmaßte, die Aktion der Band sei nett gemeint gewesen: „Aber so was sollte man lassen. Ich ziehe mir doch auch nicht ein BVB-Shirt zur Feier des Deutschen Meisters Bayern München an.“ Und Tom Liebscher erklärte, der Auftritt von Silly verlange viel Mut, sei aber nicht die schlaueste Idee gewesen. Das Pfeifkonzert empfand Liebscher allerding ebenfalls zum „Fremdschämen“.

Die RB-Verantwortlichen reagierten am Dienstag zumindest gelassen und wollten nicht viele Worte verlieren. Der Verein sei stolz, die Nummer eins im Osten zu sein, hieß es.

Silly selbst wollten sich am Dienstag nicht weiter zu ihren Auftritt äußern. „Kein Kommentar“, hieß es auf LVZ-Anfrage beim Management der Band. Die Zeit heilt bekanntlich alle Wunden. Gelegenheit, sich doch noch miteinander auszusöhnen, haben Band und Leipziger Fans spätestens am 23. Oktober wieder. Für diesen Tag planen Silly einen Auftritt im Haus Auensee.

Von mro / gs / mpu

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