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Vom Königstransfer zum Pechvogel: Terrence Boyds harter Weg zurück auf den Rasen

Vom Königstransfer zum Pechvogel: Terrence Boyds harter Weg zurück auf den Rasen

Er war der RB-Königstransfer im Sommer 2014, kam für zwei Millionen Euro von Rapid Wien, hatte einen Ruf wie Donnerhall im Reisegepäck: Körper aus Stahl, Willen wie Rocky I bis V, geht dahin, wo es weh tut.

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Terrence Boyd jubelt. (Archivbild)

Quelle: dpa

Leipzig. Zwei schwere Knie-Verletzungen später kämpft US-Boy Terrence Boyd um eine Rückkehr auf den Rasen. Boyd, 23, über seinen Kreuzbandriss vom 7. Dezember, X-Beine, einen Anruf von US-Coach Jürgen Klinsmann und ein besonderes Geschenk an die Familie in Bremen.

Vor vier Wochen wurde Ihr Kreuzband geflickt und Sie laufen schon wieder ohne Krücken. Sie sind früh dran, Herr Boyd.

Aber nicht zu früh. Die eigentliche Reha beginnt eh erst ab der sechsten Woche.

Normalerweise tun Sie Ihren Gegenspielern weh oder umgekehrt. Gegen Ingolstadt war keiner zu sehen.

Ich bin eigentlich nicht verletzungsanfällig, habe in meiner Karriere die härtesten Zweikämpfe überlebt. Gegen Ingolstadt bin ich im Rasen hängen geblieben, es hat geknirscht und ich wusste: Da ist was kaputt. Es hat tierisch weh getan.

Boss Ralf Rangnick machte hinterher den Rasen für Ihre Blessur verantwortlich.

Der Rasen war sicher in keinem guten Zustand und ich hatte mir deshalb extra lange Stollen drunter geschraubt. Ich werde nie wieder so lange Stollen tragen.

Die ersten Tage waren

... die Hölle. Man fühlt sich nutzlos, hat fast ein schlechtes Gewissen. RB hat viel in mich investiert und mir Vertrauen geschenkt. Und ich wollte unbedingt zeigen, was ich kann und das Vertrauen in mich zurückzahlen.

Wer oder was hat Sie danach aufgebaut?

Ich bin kein Typ, der lange trauert, mental kriegst du mich nicht tot. Nach einer Woche war ich wieder positiv und extrem heiß. Ich komme wieder! Ich hatte und habe jetzt viel Zeit, über alles nachzudenken, glaube an Schicksal.

Und das Schicksal hat Ihnen eine Auszeit geschickt, um in sich zu gehen?

Auf jeden Fall bin ich fest entschlossen, meinen Beruf noch extremer zu leben und ihn noch mehr wert zu schätzen. Man kann immer an sich und Details arbeiten. Mein Ziel ist es, im Sommer so fit wie noch nie die Vorbereitung mitmachen zu können.

Sie haben eine in Fußballer-Kreisen höchst seltene Beinstellung.

Als Baby hatte ich Sichelfüße, musste wochenlang eingegipst werden. Jetzt habe ich X-Beine, da ist viel Druck auf dem Außenmeniskus. Aber man kann dagegen viel tun. Und das tue ich.

Wer verletzt ist, gerät schnell in Vergessenheit. Wie ist das bei Ihnen?

Das Gegenteil, die Unterstützung ist top. Als Yussuf beim Spiel gegen 1860 München sein Tor mit meinem Zyklopen-Jubel gefeiert hat, hätte ich auf der Tribüne fast geweint. Die Mannschaft ist schwer in Ordnung. Das ist wie bei den Soldaten, da sind alle gleich. Neue Spieler bekommen es sehr leicht gemacht. Auch mein Kontakt zum Trainer und zum Sportdirektor ist top.

Hat sich Ihr US-Coach Jürgen Klinsmann gemeldet?

Ja, unmittelbar nach der Operation. Im Juni spielen wir in Köln gegen Deutschland. Darauf haben wir uns beide sehr gefreut. Ich werde da sein, als Fan.

RB hat im Angriff aufgerüstet, Emil Forsberg und Nils Quaschner geholt. Auch Omer Damari wird kommen. Beeinflusst Sie das?

Nein, das ist normal, das ist das Geschäft. Ich wünsche der Mannschaft und jenem Einzelnen das Beste.

Könnte Ihr Comeback bei einem Erstligisten RB Leipzig steigen?

Ja, das ist möglich, die zweite Liga ist extrem eng. Und wir haben es in uns, ganz oben mitzuspielen.

Jo Kimmich wechselt zum FC Bayern München. Packt er das?

Der Junge ist ein sensationeller Kicker, hat alles, was man braucht. Ich traue ihm den Sprung zu. Und wenn er bei Pep nicht so oft spielt, kann er ja immer noch ausgeliehen werden. Zum Beispiel nach Leipzig.

Matthias Morys ist schon weg, Daniel Frahn sitzt auf gepackten Koffern. Soll der Capitano gehen oder bleiben?

Das ist alleine Daniels Entscheidung. Er ist ein super Typ. Als ich kam und mit ihm um einen Platz im Sturm konkurrierte, hat er sich immer korrekt und absolut kollegial verhalten.

Wie sieht ihre nähre Zukunft aus?

Ich nehme an dieser Stelle mal den Fabi Franke (auch im Reha-Training; Red) mit ins Boot. Wir werden mit nach Doha ins Trainingslager fahren, uns dort von unseren Physiotherapeuten behandeln lassen. Ab 3. Februar werden wir dann zusammen im Reha-Zentrum in Donaustauf sein. Das ist kein Misstrauensvotum gegenüber der Medica-Klinik. Die machen einen tollen Job. Aber man muss während so einer langen Reha auch mal etwas anderes sehen.

Sie haben Ihrer Familie ein außergewöhnliches Weihnachtsgeschenk gemacht. Ein Haus in Bremen-Nord.

Darauf bin ich sehr stolz, eine Herzensangelegenheit. Meine Familie hat viel für mich getan, wir hatten nie viel Geld und alle haben mich und meine Liebe zum Fußball immer unterstützt. Copa-Mundial-Fußballschuhe haben 100 Mark gekostet. Da musste meine Mama an anderen Stellen sparen.

Guido Schäfer

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