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Von RB Leipzig über Bayern in die Nationalelf: Joshua Kimmich auf der Überholspur

Märchenhafter Aufstieg Von RB Leipzig über Bayern in die Nationalelf: Joshua Kimmich auf der Überholspur

Der Werdegang von Joshua Kimmich ist selbst für den sonst schwer entflammbaren Ralf Rangnick unglaublich. Vom Talent über den Stammspieler bei RB Leipzig reifte der 21-Jährige beim FC Bayern München unter Pep Guardiola zum Nationalspieler und fährt jetzt mit zur EM.

Joshua Kimmich schaffte es nach seinem Wechsel von RB Leipzig zu Bayern München in die Nationalelf und zur EM in Frankreich.

Quelle: dpa

Leipzig. Neulich in der Red-Bull-Arena, Etage fünf. Korken knallen, enthemmte Männlein und Weiblein feiern in der guten Stube von Top-Gastronom Dietrich Enk den Bundesliga-Aufstieg von RB Leipzig. Wer hier anstößt ist ein VIP und muss den Euro nicht zweimal rumdrehen.

In der zweiten Liga kostete ein Jahresticket 5000 Euro plus Mehrwertsteuer. Eine Liga höher werden 8000 Euro fällig.

Nicht alle VIPs kennen sich aus in Sachen Fußball. Und so bahnt sich ein junger Mann im weißen T-Shirt unerkannt seinen Weg durch die Feiernden. Auch die Normannenschränke der Security gucken offenbar nicht oft Fußball, lassen den Neuankömmling erst in den Bereich „Familie & Freunde“, als er sein VIP-Bändchen zeigt.

Geht’s noch, Leipzig?

Noch nie was von Joshua Kimmich gehört? Der zartesten Versuchung des deutschen Fußballs?

Joshua, den alle, die ihn kennen, nur Jo nennen, nimmt die Mich-kennt-hier-keiner-Nummer gelassen hin. Ist ja auch mal ganz schön, keine Autogramme schreiben zu müssen und ohne Gedrängel, Gelaber und Selfies von A nach B zu kommen.

In München geht das nicht mehr. Dort ist der 21-Jährige d i e Entdeckung der letzten Jahre und hat ähnlich bombastisch wie Thomas Müller 2009 eingeschlagen.

Von RB Leipzig zur festen Größe beim FC Bayern

Kimmich zieht im Sommer 2015 die Bullen-Turnhose aus und Lederhosen an. Tenor in Expertenkreisen: Der wäre besser in Leipzig geblieben, wird bei den Bayern durch den Fleischwolf gedreht, kann froh sein, wenn er ab und an neben Hermann Gerland sitzen darf. Gerland ist die männliche Zugehfrau von Pep Guardiola.

Es kommt anders. Kimmich wird zur festen Größe, zeigt in allen Wettbewerben, dass er sogar in der Abwehr ein „Supersuperspieler“ (Guardiola) ist. Pep und Jo – das passt. Der eine lobt und lehrt, der andere hört, lernt und wundert sich. Kimmich im LVZ-Gespräch: „Wenn man bedenkt, dass man mir 2013 in Stuttgart nicht die Möglichkeit gegeben hat, dritte Liga zu spielen, ist es schon außergewöhnlich, was danach passiert ist.“ VfB-Sportvorstand Fredi Bobic senkt damals den Daumen, will den schmächtigen und öfter verletzten Mittelfeldspieler statt in der hauseigenen U23 bei den A-Junioren kicken lassen.

Kimmich wechselt 2013 zum Drittligisten RB. Und kommt mit einer Schambeinentzündung. Eine hundsgemeine Verletzung, die (wird sie chronisch) das Karriereende bedeuten kann. RB-Physio Alexander Sekora, 44, erinnert sich: „Ralf Rangnick und Alexander Zorniger wollten von mir wissen, wie lange das dauern kann. Ich sagte zwischen drei und fünf Monaten.“

Die Chefs schluckten, gewährten aber Absolution. Es geht viel schneller. Im Oktober steht Jo in der Anfangsformation und glänzt beim 2:0 in Heidenheim. Nach dem Sieg bedankt sich Kimmich beim Mann mit den heilenden Händen, Alex Sekora.

Der ist Kimmich-Fan, gönnt ihm den Aufstieg von Herzen. „Jo ist extrem ehrgeizig, ein geiler Kicker und kommt aus einem guten Elternhaus. Danke und bitte sind für ihn selbstverständlich.“ Beide kommen nicht voneinander los. Bayern-Star Kimmich besorgt dem Bayern-Fan Sekora Karten fürs Heimspiel gegen Atletico Madrid.

Kimmichs Werdegang ist selbst für den schwer entflammbaren Ralf Rangnick unglaublich. „Das hat märchenhafte Züge.“ Guardiola spricht früh von einem „Wahnsinnstransfer für Bayern“ und bringt im Herbst 2015 die Nationalmannschaft ins Spiel. Jo & Jogi? Hört sich gut an. Mai 2016. Beim Besuch in Etage fünf der Red-Bull-Arena weist Kimmich jegliche EM-Ambitionen von sich, spricht von Olympia. Löw macht aus dem Olympioniken in spe einen EM-Teilnehmer. Wenn er dann noch im EM-Finale (anders als im DFB-Pokal) den entscheidenden Elfer versenkt, sollte Joshua Kimmich schnell mit dem Fußball aufhören. Viel mehr geht nicht mehr.

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