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Wenn der Vater mit dem Sohne: RB Leipzigs Davie Selke ist nie allein

Die besondere WG Wenn der Vater mit dem Sohne: RB Leipzigs Davie Selke ist nie allein

Familienbande im Haifischbecken Profifußball sind oft problematisch - aber nicht bei Davie Selke. Der Stürmer von RB Leipzig wohnt seit seinem Wechsel in die Messestadt im Sommer mit seinem Vater Teddy Rupp in einer ganz besonderen WG. Beide gibt es abseits des Rasens nur im Doppelpack.

So lieben ihn die Fans: Davie Selke feierte seine Tore stets ausgelassen.

Quelle: GEPA Pictures

Leipzig. Franz und Stephan Beckenbauer, Helmut und Jürgen Haller, Johan und Jordi Cruyff, Ulf und Benny Kirsten. Berühmte Väter, die einen monströsen Schatten auf ihre fußballspielenden Söhne warfen. Es gibt auch freundlichere Konstellationen. Siehe RB-Profi Davie Selke, 20, der mit seinem Vater Teddy Rupp, 40, in Leipzig eine WG der besonderen Art bildet. Selkes Teamkollege Diego Demme, 24, wurde von Papa Enzo, 52, gefordert und gefördert und auch dank dieser frühkindlichen Prägung zum Berufsfußballer. Wenn der Vater mit dem Sohne. Ein Blick auf familiäre Bande im Haifischbecken Profifußball.

Wenn Stephan Beckenbauer beim 1. FC Saarbrücken zur Grätsche ansetzte, grenzte das für die Öffentlichkeit an Majestätsbeleidigung. Der Sohn des Kaisers schwitzt und grätscht? Beckenbauer junior beendete seine Karriere früh. Dem Vergleich mit der Lichtgestalt standzuhalten, war ein Ding der Unmöglichkeit.  Die Liste von Vätern, die zu gut waren, ist lang. Nur Insider erinnern sich an Haller-Sohn Jürgen, der es immerhin in die 2. Liga schaffte. Jordi Cruyff spielte in Barcelona und bei Manchester United eine Nebenrolle, bekam Gegenwind und Tritte. König Johan Cruyff war bester Fußballer Europas. Zu schnell, um von Minderbegabten getroffen zu werden.

Wenn sich der Bub eines der besten deutschen Mittelstürmer auch noch ins Tor stellt, ist die Fußball-Gemeinde irritiert. Berichte über Benny Kirsten kommen nicht ohne Bemerkungen über seinen Irrweg aus. Wenn ihm ein Ball durch die Hände glitt, zoomten die Kameras zielsicher auf Papa Ulf. Schon stand die Frage in der Tiefe des Raumes: Was ist im Hause Kirsten falsch gelaufen? Benny: „War und ist nicht immer einfach.“ Nach einem Intermezzo beim niederländischen Erstligisten NEC Nijmegen ist der 28-jährige Dresdner wieder zu haben.

Es gibt auch Söhne, die ihre Väter überholten. Der Bekannteste: Oliver Kahn. Papa Rolf kam auf eine Handvoll Bundesligaspiele, Olli wurde zum Titan.

Auch Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff war am Ball erfolgreicher als sein Erzeuger. Vater Rolf Bierhoff stand bei der SG Düren 99 im Tor und entschied sich früh für eine Karriere außerhalb des Platzes. Aus dem Keeper wurde das Vorstandsmitglied bei der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk AG. Die Top-Karriere des Vaters wurde dem Sohn vorgehalten, als der sich in der zweiten italienischen Liga versuchte. Tenor: Das Vorstandssöhnchen schafft es nie nach oben. „Das hat mich wachsen lassen“, sagt der Mann, der beim AC Mailand zum Weltstar wurde und Deutschland 1996 zum Europameister machte. Im Namen des Vaters: Die Bierhoff-Variante war eine befruchtende.

Im Hause Gomez lief es ebenfalls gut. Als der Papa den 16-jährigen Mario beim VfB Stuttgart anmeldete, sagte er zu Nachwuchschef Frieder Schrof: „Machen Sie aus Mario einen anständigen Fußballer. Geld kommt irgendwann automatisch.“ Schrof, seit zwei Jahren RB-Nachwuchsleiter: „Wir haben aus Mario einen anständigen Fußballer gemacht. Ein anständiger Junge war er schon damals.“

Ganz ähnlich verlief Schrofs Kennenlernen mit der Familie Khedira. Die Eltern hatten keine Dollarzeichen auf den Augen, der erdverbundene Sami wurde ein Superstar. Schrof: „Ein intaktes Elternhaus ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere.“ Der 66-Jährige legt großen Wert darauf, dass die angehenden Profis den Kontakt zu Vater und Mutter aufrechterhalten.

Gerne auch über die Zeit als Jugendspieler hinaus...

Davie Selke ist seit Sommer Profi bei RB, kam mit dem Rucksack einer Acht-Millionen-Euro-Ablöse und entsprechenden Erwartungen. Er brachte einen Unterstützer mit, den er als „besten Freund“ und „Berater in allen Fragen“ bezeichnet. Außerdem ist der Mann: Davies Vater. Außerhalb des Fußball-Feldes gibt es Teddy Rupp und Davie nur im Doppelpack. „Teddy ist mein familiäres Gerüst“, sagt Davie, „wir verstehen uns blind.“

Petra und Enzo Demme verpassen seit 15 Jahren kein (!) Spiel ihres Sohnes Diego, schrubben Tausende Kilometer. Bundesweites Alleinstellungsmerkmal. Diegos erster Jugendtrainer: Vater Enzo. Wenn der über Fußball spricht, kommen Hände und Füße zum Einsatz. Einer vom alten Schlag. Einer, der Haudegen wie Claudio Gentile vergöttert. Wer an Gentile vorbei wollte, war selber schuld. Auch an Diego tut man sich weh. Der Papa hat ihm auf den Weg gegeben: Qualität kommt von Qual. „Ich habe meinen Eltern unendlich viel zu verdanken“, sagt Diego. Weihnachten wurde gemeinsam in Herford gefeiert. Und es wurde Video geguckt. Nix Rambo 3. Klein-Diego im zu großen Trikot als E-Jugendlicher.

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