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Chemnitz-Trainer Schädlich: "RB Leipzig sollte nervös sein"

Chemnitz-Trainer Schädlich: "RB Leipzig sollte nervös sein"

Viele hatten es schon vor Saisonbeginn vorausgesagt: RB Leipzig und der Chemnitzer FC kämpfen um die Tabellenspitze in der Regionalliga. Der CFC ist derzeit Spitzenreiter.

Leipzig. RB belegt den zweiten Platz und hat genauso wie die Himmelblauen noch kein Spiel verloren. Chemnitz' Trainer Gerd Schädlich sprach mit LVZ-Online über die Bullen im Nacken, Kantersiege und einen jungen CFC-Knipser.

Frage: Die roten Bullen von RB sind Ihrer Mannschaft schon ziemlich nah gekommen. Sind Sie nervös?

Schädlich: Warum sollten wir nervös sein? Wir haben vier Punkte Vorsprung.

Wenn man Tabellenführer ist, möchte man es doch auch bleiben. Und RB kommt gerade ins Rollen.

Aber RB wurde vor der Saison als der große Favorit angekündigt. Und der sind sie auch. Die Leipziger sollten daher eher nervös sein, dass wir vor Ihnen stehen. Wir freuen uns lediglich, dass wir derzeit Spitzenreiter sind.

Ist RB der alleinige Konkurrent um den Aufstieg? Oder zählen Sie zum Beispiel auch die zweite Mannschaft vom VfL Wolfsburg dazu?

Vom Spielerpotential her ist RB der Hauptkonkurrent. Insgesamt werden vier, fünf Mannschaften um den Aufstieg kämpfen. Wolfsburg II und Halle zähle ich dazu. Auch wenn es beim HFC momentan nicht danach aussieht, da der Punkteabstand zu uns recht groß ist. Anfangs hatte ich auch noch Kiel aufgrund seines wirtschaftlichen Potentials auf dem Zettel.

Sie haben in der Saison 1997/98 den FC Sachsen trainiert, kennen den ostdeutschen Fußball aus dem Effeff. Ist RB gut für Leipzig und den Fußball in Mitteldeutschland?

Das muss man natürlich abwarten, aber es war doch letztlich vorauszusehen, dass jemand von außen kommt und den Leipziger Fußball nach vorn bringen will. Ob das nun Red Bull macht oder irgendwer sonst, ist egal. Das Anliegen ist legitim. Dass viele jammern, kann ich nicht verstehen. Die Traditionsvereine hatten nach der Wende gute Startmöglichkeiten, haben aber zu viele Fehler gemacht.

Es ist doch so: Leipzig ist eine Fußball- und Weltstadt, hat ein tolles Stadion und schon 1. Bundesliga erlebt. Fünftklassiger Fußball passt einfach nicht zu dieser Stadt.

Ihre Mannschaft hat sieben von acht Spielen in der Liga gewonnen und ein Torverhältnis von 20:2. Arbeiten Angriff und Verteidigung momentan perfekt?

Perfekt sicherlich nicht! Bei uns läuft nicht alles rund. Aber die Ergebnisse sprechen für sich. Doch wir wissen das Ganze einzuordnen: In Halle hatten wir das Quäntchen Glück, schossen kurz vor Schluss den Siegtreffer. Das war ein Schlüsselspiel für uns. Danach hatten wir zwei Heimspiele, die wir gut bestritten und 5:0 und 6:0 gewonnen haben. Fakt ist aber: Nicht alles bei uns läuft rund.

Der CFC hat vor der Saison viele Neue geholt. Trotzdem greift ein Rädchen in das andere. Warum funktioniert das fast von Anfang an so gut?

Derzeit stehen von den Neuen nur Carsten Sträßer (von Carl Zeiss Jena gekommen) und Christian Fröhlich (von den Kickers Offenbach) in der Stammformation. Das zeigt, was wir seit ein, zwei Jahren machen: Wir verstärken uns zielgerichtet - wie vor der Saison auf der Außenverteidigerposition. Aber es stimmt, dass wir zumindest in den Heimspielen guten Kombinationsfußball zeigen. Aber bei uns stimmen ja auch die Rahmenbedingungen.

Was meinen Sie damit?

Wir haben ein richtiges Stadion, der Rasen ist in Ordnung und die Zuschauer gehen mit. Das ist nicht bei allen Liga-Konkurrenten so. Aber solche Faktoren beeinflussen einen Fußballer halt auch. Sind diese Bedingungen nicht gegeben, muss sich ein Profi im Kopf darauf vorbereiten.

Verkraftet es der CFC, falls es mit dem Aufstieg in die dritte Liga nicht klappt?

Wir beschäftigen uns nicht damit, was im Mai nächsten Jahres sein könnte. Das ist auch eher Vorstandssache. Meine Mannschaft schaut zuerst auf das nächste Spiel gegen Eintracht Braunschweig II.

CFC-Stürmer Benjamin Förster (20 Jahre) knipst derzeit nach Belieben, hat schon neun Treffer erzielt. Was haben Sie mit ihm gemacht?

Nichts Besonderes. Wir haben eine ganz normale Vorbereitung absolviert. Man muss aber auch sagen, dass er in den ersten Spielen nicht das gebracht hat, was wir uns von ihm erhofft hatten. Gegen Halle saß er dann 60 Minuten auf der Bank, kam rein und hat das entscheidende Tor gemacht. In den folgenden Spielen gegen Lübeck und Havelse traf er dann jeweils dreimal. Aber das beruhte auf der Leistung der gesamten Mannschaft. Sie hat in diesen Partien gut gespielt - gerade nach vorn. Das macht es für einen Stürmer deutlich leichter.

Es heißt, sie hätten ihm aber auch mental geholfen, seinen Kopf frei gemacht.

Benjamin ist im dritten Jahr in der Männermannschaft. In den ersten beiden Jahren hatte er mit Krankheiten und Verletzungen zu kämpfen. Deshalb hat er nicht so konzentriert arbeiten können, vielleicht haben ihn in dieser Zeit auch Selbstzweifel geplagt. Als Trainer versucht man dann zu helfen. Aber das Wichtigste ist, dass der Spieler die Hilfe auch annimmt und verarbeitet.

Haben Sie Angst, ihn an einen finanzstarken Klub zu verlieren?

Da mache ich mir überhaupt keine Gedanken. Er trifft erst seit rund drei Wochen, und die Gegner, gegen die er dreimal getroffen hat (VfB Lübeck, Havelse), haben nun einmal auch kein Spitzenniveau. Das wissen auch die Klubs, die ihn bereits beobachten. Benjamin muss seine Leistung erst einmal in schwierigen Auswärtsspielen wie zum Beispiel bei RB oder im DFB-Pokal gegen den VfB Stuttgart unter Beweis stellen.  

Interview: Michael Dick

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