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Indiens Fußball-Hoffnung: Subrata Pal trainiert bei RB Leipzig - Megastar in Kalkutta

Indiens Fußball-Hoffnung: Subrata Pal trainiert bei RB Leipzig - Megastar in Kalkutta

Klitschnass steht Subrata Pal zwischen den Pfosten. Die schwarzen Haare kleben ihm im Gesicht. Dazwischen zwei schüchterne, aber wache Augen. „Air India“, raunt ein Trainingskiebitz am Cottaweg.

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Subrata Pal beim Training am Leipziger Cottaweg.

Quelle: GEPA Pictures

Leipzig. „Gleich hebt er ab." Schuss. Der 1,83 Meter kleine Keeper schraubt seinen schmalen Körper in die Luft, lenkt den Ball mit den Fingerspitzen über die Querlatte und rollt elegant auf dem nassen Rasen ab.

„Extraklasse“ bescheinigt ihm RB-Torwarttrainer Perry Bräutigam nach dem zweiwöchigen Training, das Pal bis Freitag auf Einladung von Red Bull in Leipzig absolviert hat. „In Deutschland könnte er in der zweiten Liga spielen“, ist sich Bräutigam sicher.

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Leipzig. In der Heimat ist Subrata Pal ein Megastar. Auf der Straße wird er ständig angesprochen, bis zu 120.000 Zuschauer kommen ins Stadion, um den indischen Nationaltorhüter zu sehen. Bis zum Freitag hat der 25-Jährige mit RB Leipzig trainiert. Trotz großer Pläne in der I-League träumt der Keeper von einem Vertrag in Europa.

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Subrata Pal selbst ist kein Mann großer Worte, auch wenn in der Heimat Großes von ihm erwartet wird: „Ich bin glücklich hier zu sein und zu lernen“, bleibt er bescheiden. Als ihm Leipzigs Kapitän Daniel Frahn zum Ende der Trainings-Einheit ein Trikot mit der Nummer eins und den Unterschriften der Spieler überreicht, sagt Pal „Thank you“ und strahlt.

In seiner Heimatstadt Kalkutta ist der bescheidene Torhüter ein Superstar. Der 25-Jährige kann nicht auf die Straße gehen, ohne angesprochen zu werden und Autogramme zu schreiben. Pal gilt als einer der besten Schlussmänner Asiens, wurde in Indien zum Torhüter des Jahres gewählt, ist 43-facher Nationalspieler und nebenbei einer der Topverdiener der heimischen I-League.

Wenn sich seine Mannschaft Prayag United und Mohun Bagan im Kalkuttaer Stadtderby gegenüberstehen, pilgern bis zu 120.000 Zuschauer ins Salt Lake Stadion, die zweitgrößte Fußball-Arena der Welt. Um Pal zu sehen. Ihn fliegen zu sehen.

Nicht wenige seiner Landsleute erwarten von dem schmächtigen jungen Mann, als zweiter Inder überhaupt den Sprung zu einem ausländischen Topklub zu schaffen. Nach Sunil Chhetri, der seit dieser Saison das Trikot von Sporting Lissabon überstreift. Doch der Weg ist steinig.

Vor seinem Trainingsprogramm in Leipzig versuchte der Torwart, vor zwei Jahren bei den Vancouver Whitecaps in der amerikanischen Major League Soccer anzuheuern, fand aber keinen Platz im Kader. Sein Landsmann Chhetri muss sich in Portugal in der zweiten Mannschaft durchbeißen. „Es ist mein Kindheitstraum, in Europa zu spielen“, sagt Pal, weiß aber, dass Kicker aus dem Fußball-Entwicklungsland Indien international noch keinen hohen Stellenwert genießen.

Das riesige Land ist anders als im Cricket oder Hockey ein Fußball-Zwerg. In der FIFA-Weltrangliste steht Indien auf dem 163. Platz, hinter Curacao und Fidschi. 27 Jahre musste die Nationalelf warten, bis sie im vergangenen Jahr wieder an den Asienmeisterschaften teilnehmen durfte – auch dank der Paraden von Pal.

Die erste indische Liga sei fünf Jahre nach ihrer Neugründung auf einem guten Weg, bescheinigt der Keeper. Dennoch fehlt es weiterhin an professionellen Strukturen, Rasenplätzen und Trainingsanlagen, wie sie etwa RB Leipzig in der vierten deutschen Liga besitzt.

Der indische Fußball steht noch am Anfang, wie Subrata Pal, der von RB-Coach Alexander Zorniger zum Abschluss „einen Sprung nach vorne“ bescheinigt bekommt. Über eine Verpflichtung des Inders habe man aber nie nachgedacht, heißt es vom Klub.

Als sich alle Mitspieler nach dem Training bereits ins Trockene verzogen haben, antwortet Pal noch auf die Fragen zweier indischstämmiger Journalisten, die am RB-Trainingsgelände lange auf den Volkshelden gewartet haben. Subrata Pals Blick wandert nach oben zum wolkenverhangenen Himmel über Leipzig. „Das würde ich nicht als Regen bezeichnen“, sagt er und wischt sich kurz übers Gesicht. Bei seiner Rückkehr nach Indien erwartet ihn der Monsun.

Conrad Ziesch

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