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"Nur die Peitsche reicht nicht": Peter Pacult stellt sich als neuer RB-Trainer vor

"Nur die Peitsche reicht nicht": Peter Pacult stellt sich als neuer RB-Trainer vor

Leipzig. Peter Pacult bat als erstes um Verständnis. „Ich möchte so bleiben wie ich bin, dazu gehört auch, dass ich mich so artikuliere, wie ich es auch sonst getan habe", sagte der Mann, der ab dem Sommer den Trainerposten beim Regionalligisten RB Leipzig übernehmen wird.

Das hieß: Er wollte Wienerisch sprechen. „Falls sie mich nicht verstehen, fragen Sie bitte nach", ergänzte der 51-Jährige bei seiner ersten Pressekonferenz am Donnerstag in Leipzig.

Der neue Fußball-Lehrer hat einen Zweijahresvertrag unterschrieben. In dieser Zeit wolle er die Ziele, die sich RB gesteckt hat, erreichen, so Pacult. Auf Nachfrage, ob das heiße, dass die Mannschaft zweimal aufsteige, wiederholte der neue Mann lediglich, dass er die vom Verein gesteckten Vorgaben erfüllen wolle. "Wenn ich nicht aufsteige, verlängert sich mein Vertrag automatisch um drei Jahre", scherzte er.

Er sei froh, dass er „nach seinem Rausschmiss" bei Rapid Wien ein Angebot von RB Leipzig bekommen habe, sagte der gebürtige Wiener. Mitte April wurde Pacult unterstellt, er habe mit Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz in einem Weinlokal Verhandlungen über ein Engagement geführt. Der damalige Rapid-Cheftrainer hatte dies zuerst verneint, soll dann aber vor Klubverantwortlichen Gespräche mit dem Chef des Bullen-Imperiums eingeräumt haben.

Daraufhin entließ der Wiener Traditionsverein Pacult wegen eines „massiven Vertrauensbruchs". Der stellte im Interview mit diepresse.com lediglich fest: „Hätte es ein Angebot aus dem Ausland gegeben, hätte ich (Rapids, d. Red.) Präsident Edlinger sofort darüber informiert." Am Mittwoch erklärte er noch einmal fest: „Es ist doch normal, dass man beim Heurigen miteinander redet."

In den Gesprächen mit den RB-Verantwortlichen nach seiner Demission beim Wiener Traditionsklub sei ihm klar geworden, dass er in Leipzig viel bewegen könne. „Es ist sportlich eine hochinteressante Aufgabe." Konkret? Er habe schon während seiner Dynamo-Zeit von den Gerüchten um ein „RB-Projekt" gehört und es schon damals interessant gefunden. „Ein Trainer muss sich immer neuen Aufgaben stellen", so Pacult. „Bei Rapid habe ich die erfüllt." In der Saison 2007/08 holte der Ex-Dynamo-Trainer den Titel in der österreichischen Bundesliga und zog mit den Grün-Weißen zwei Mal in den Europapokal ein.

Über die Regionalliga ist der neue Trainer nach eigener Aussage „sehr gut informiert". Auch sein Netzwerk aus seiner Zeit bei Dynamo Dresden stehe noch und werde genutzt. Pacult versicherte den Anwesenden: „Ein Greenhorn kommt sicher nicht." Außerdem bringe er Tom Stohn mit. Der Pirnaer war zuletzt als Scout für Dynamo tätig.

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Peter Pacult (r.) übernimmt das Training der Rasenballer ab dem 27. Juni. RB-Geschäftsführer Dieter Gudel betonte, dass der Wiener "ein hervorragendes Netzwerk im ostdeutschen Fußball" habe.

Quelle: Christian Nitsche

Dass der Mann ein Fachmann ist, bestreiten selbst Ex-Spieler nicht, die unter seinem harschen Stil der Personalführung gelitten haben. Deshalb übernimmt der künftige Bullen-Trainer auch alle Aufgaben der Kaderplanung für die neue Saison. „Die Absprachen, die (Ex-Sportdirektor) Thomas Linke geführt hat, bleiben gültig", machte Pacult zwar deutlich. Zu möglichen Neuverpflichtungen wollte er sich hingegen nicht äußern. „Es ist doch nicht fair, sich jetzt über Spieler zu äußern, die noch woanders unter Vertrag stehen."

Und welche Fußballer wünscht sich ein österreichischer Meistertrainer? „Ich will Spieler, die Verantwortung übernehmen - auch wenn sie noch jung sind. Bei mir muss und soll sich keiner wegducken oder verstecken", meinte Pacult. Vielsagend schob er nach: „Ich unterscheide aber zwischen dem Menschen und dem Sportler. Und ich lege mehr Wert auf den Sportler."

Der neue Bullen-Trainer ist in seiner Heimat für seine harte Hand und einen schwierigen Charakter bekannt. Schenkt man den Aussagen Pacults glauben, erwartet die RB-Spieler aber keine Hölle auf Erden. „Es wird auch mal Puderzucker in den Hintern geben. Denn nur mit der Peitsche geht es nicht. Aber die habe ich bisher eh nie gebraucht."

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Ex-RB-Sportdirektor Thomas Linke hatte angeblich einen Trainer aus der Region bevorzugt.

Quelle: Regina Katzer

Wann Pacult nach dem freiwilligen Abgang von Thomas Linke einen neuen Sportdirektor an die Seite bekommt, ist noch ungewiss. In typischer RB-Manier stellte Dieter Gudel, Geschäftsführer von RB Leipzig, fest: „Wenn wir etwas zu vermelden haben, vermelden wir es."

Linke soll vor RB-Besitzer Dietrich Mateschitz für einen Übungsleiter aus der Region geworben haben. Da er sich mit dem Ansinnen nicht durchsetzen konnte, reichte er nach nur zehn Wochen im Amt seinen Rücktritt ein - 90 Minuten, bevor RB mitteilte, dass Pacult einen Vertrag unterschrieben habe.

Auch dazu gab sich Dieter Gudel wortkarg. „Das sind Sachen, die in der Vergangenheit liegen. Wir wollen uns auf die Zukunft konzentrieren", schwadronierte er. Gleich zu Beginn der Pressekonferenz hatte der Geschäftsführer versucht, peinliche Nachfragen zum Fall Linke abzubügeln. „Wir haben seinen Rücktritt zur Kenntnis genommen, die Formalitäten gestern erledigt. Über die Gründe werden wir uns nicht äußern. Mehr möchten wir darüber nicht kommunizieren." Aber laut Gudel bedeutet die Personalpolitik, die nun die komplette Demontage des Vize-Weltmeisters und Champions League-Gewinners Linke beinhaltet, für der Bullen kein Imageschaden.

Zum Schluss wurde es noch einmal gefühlig, als der neue Trainer gefragt wurde, ob er sich in die Lage des Noch-Trainers Tomas Oral hineinversetzen könne, der die Vorstellung des neuen Mannes noch in seiner Amtszeit miterleben müsse? „Ja, wahrscheinlich ist das so, wie ich mich bei meinem Rausschmiss bei Rapid gefühlt habe." Wie das gewesen sei? Pacult blickte auf den Tisch vor ihm und schwieg. Nach rund zehn Sekunden schaute RB-Pressesprecher Enrico Bach Pacult an. Dann blickte er zum Reporter und fragte: „Reicht das als Antwort?" „Muss ja!", kam es zurück.

Ganz am Ende ergriff Pacult noch einmal Wort in eigener Sache. Er bat darum, „fair" aufgenommen zu werden. „Bitte glauben sie nicht alles, was in Österreich über mich geschrieben wurde", sagte er an die Presse gerichtet. „Machen sie sich ihre eigenen Gedanken und bilden sich ihr eigenes Bild."

Michael Dick

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