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RB Leipzig startet am Cottaweg in das Unternehmen Fußball-Bundesliga

RB Leipzig startet am Cottaweg in das Unternehmen Fußball-Bundesliga

Leipzig. Die Katze ist aus dem Sack: Zusammen mit der Leipziger Stadtverwaltung hat  Fußball-Regionalligist Rasenball Leipzig am Freitag Details seines geplanten Trainingszentrums am Cottaweg bekannt gegeben.

Wie RB-Geschäftsführer Dieter Gudel bei einem Pressegespräch vor etwa 50 Journalisten sagte, sollen auf einem Gelände zwischen Auwald und Kleinmesse bis 2013 insgesamt 30 Millionen Euro auf einer Gesamtfläche von etwa 92.000 Quadratmetern investiert werden.

Schon bis zum Beginn der Saison 2011/2012 sollen hier in einem ersten Bauabschnitt vier Großfeldplätze entstehen, auf denen Profiteam und Nachwuchs gemeinsam trainieren können. Ein zweiter Bauabschnitt ab 2012 sieht dann zwei weitere Spielfelder, entsprechende Trainingsgebäude, ein Jugendinternat sowie ein Betriebsgebäude vor. Eines der Spielfelder soll dann mit einer kleinen Tribüne ausgestattet werden, die Platz für maximal 1.000 Zuschauer biete. Dort sollen künftig die A- und B-Jugend-Punktspiele des Nachwuchsleistungszentrums ausgetragen werden. Außerdem ist eine Fläche für ein spezielles Torwarttraining vorgesehen. Darüberhinaus planen die Bullen eine Tartan-Strecke mit einer Länge von von 80 Metern á vier Bahnen und die Errichtung eines Trainingshügels mit etwa zehnprozentiger Steigung.

„Wir haben uns bei den Planungen am Notwendigen orientiert“, sagte Gudel und widersprach damit etwas spöttisch manchen Spekulationen, RB Leipzig wolle in Leipzig in ähnlichem Umfang wie etwa der Londoner Spitzenclub Chelsea FC mit seinen mehr als 30 Trainingsplätzen tätig werden. Die geplanten sechs Plätze entsprächen trotzdem den Ansprüchen, die in den höchsten Fußballspielklassen gestellt werden und beruhen auf den Erfahrungen der anderen Fußballstandorte des Mutterkonzerns Red Bull in Salzburg, New York, Brasilien und Ghana.

Das unterstrich auch RB-Präsident Dietmar Beiersdorfer, der gleichsam für die weltweiten Fußball-Bemühungen des Getränkeherstellers Red Bull zuständig ist. „Das Gelände wird alle Funktionen erfüllen, die im modernen Profifußball notwendig sind. Und es wird sehr, sehr schön werden.“ Mit ähnlicher Euphorie dankte der sonst eher zurückhaltende Beiersdorfer auch der Leipziger Stadtverwaltung, die das Vereinsgelände „in phantastischer Lage“ ermöglichte. „Wir sind sehr glücklich, dass es so nah am Zentrum und am Stadion liegen wird“, sagte Beiersdorfer. Man habe viele Angebote auch aus umliegenden Gemeinden erhalten, wollte aber ein Konzept der kurzen Wege. „Hier stoßen wir nun unsere Fahnen in den Grund und können sagen: Wir sind ein Leipziger Club.“

Auch Leipzigs Oberbürgermeister Burghard Jung war die Freude während der gesamten Präsentation anzusehen. Nachdem das Stadtoberhaupt in einem Exkurs die bisher „desaströse Fußballgrundsituation“ seit den späten 1990er Jahren in der Stadt beschrieben hatte und dem gegenüber das heutige Sportforum als „vielleicht schönstes innerstädtisches Sportareal“ gepriesen hatte, kam er zu dem Schluss: „RB Leipzig ist ein unglaubliches Geschenk an die Stadt.“ Jung verglich das Engagement mit einer Wirtschaftsansiedlung größeren Stils. Schließlich würde ein Verein in der Zweiten Bundesliga etwa 2000 Arbeitsplätze schaffen, ein Verein in der höchsten Spielklasse sogar 4000 bis 6000 Stellen.

Zudem ließ Jung durchblicken, dass die Investition von Red Bull in das Trainingsgelände von RB Leipzig „noch bei weitem nicht alles sei“, was für die Zukunft geplant sist. Red Bull habe die klare Absicht, den Fußball in der Stadt zu entwickeln, sagte Jung. Nach Aussage von Beiersdorfer soll dies im Übrigen auch unter Berücksichtigung der Fußballsituation in der Stadt und der Traditionen passieren. Man sei im Dialog mit den anderen beiden Vereinen - FC Sachsen und 1. FC Lokomotive - und in Ansätzen sei eine Zusammenarbeit auch bisher schon gelungen.

Von Austausch und Einbindung sprach auch Leipzigs Sportbürgermeister Heiko Rosenthal, der gleichzeitig das Amt des Umweltbürgermeisters inne hat. Rosenthal versuchte vor allem die Bedenken bezüglich der Lage des Trainingszentrums am Rande des Auwaldes zu entkräften. Vor dem ersten Bauabschnitt habe die Stadt sieben Umweltverbände um ihre Meinung gebeten, fünf hätten diese auch geäußert. Die Stellungnahmen seien in eine Erheblichkeitsabschätzung des Bauvorhabens eingeflossen. Auf Nachfrage musste Rosenthal mitteilen, dass unter den Einschätzungen der Umweltverbände allerdings nur eine positiv war. Das Amt sei trotzdem zur Erkenntnis gekommen, dass es keine erheblichen Einschnitte auf dem zum Teil heute schon sportlich genutzten Areal geben werden.

Bevor der zweite Bauabschnitt beginnt, wird die Stadt jedoch noch eine so genannte Umweltverträglichkeitsprüfung durchführen, die – so Oberbürgermeister Burghard Jung – in ihrer Konsequenz auch Auswirkungen auf das gesamte Projekt haben könnte. Wie RB-Geschäftsführer Dieter Gudel sagte, befände sich der Verein aber in direktem Austausch mit den Umweltverbänden und wolle deren Bedenken berücksichtigen. Man arbeite zusammen mit der Kommune deshalb auch sehr intensiv am Rahmenplan der nach Aussage von Jung das gesamt Gelände neu ordnen soll.

In dieser Ordnung gebe es auch Raum für Nachbarn – wie den BSV Schönau und die Schausteller auf der Leipziger Kleinmesse. RB-Präsident Beiersdorfer sagte, man habe sich mit dem unter anderem in der 1. Kreisklasse aktiven BSV auf eine teilweise Abtretung des Geländes geeinigt. Die Kleinmesse im Süden des geplanten Trainingsgeländes werde von der Umstrukturierung nicht betroffen sein – bis auf die angelagerten Parkflächen, sagte Burghard Jung. Auch von einem Ausbau der Durchfahrt zum geplanten Trainingsgelände aus Richtung der Jahnallee ist derzeit nicht die Rede. „Wir brauchen die Durchfahrt bisher nicht, RB Leipzig auch nicht“, verkündete OB Jung.

Nach Angaben des Stadtoberhauptes soll in den Stadtratssitzungen am 9. Februar oder 2. März über den ersten Bauabschnitt des Trainingszentrum entschieden werden. Jung rechnet dort mit einer großen Aufgeschlossenheit der Abgeordneten gegenüber der Anträge: „Denn dies ist kein parteipolitisches Projekt.“

Matthias Puppe

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