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Rangnick und Zorniger stellen Weichen bei RB Leipzig – Lobinger neuer Fitnesscoach

Rangnick und Zorniger stellen Weichen bei RB Leipzig – Lobinger neuer Fitnesscoach

Leipzig. Eben noch in der Gerüchteküche, jetzt schon in der Stadt: Nur Stunden nach der Entlassung von Rasenball-Chefcoach Peter Pacult wurde dessen Nachfolger Alexander Zorniger offiziell in Leipzig vorgestellt.

Knapp hundert Medienvertreter aus nah und fern empfingen den 44-jährigen Fußballlehrer am Mittwoch im VIP-Bereich der Red-Bull-Arena – zusammen mit dem neuen RB-Fitnesstrainer Tim Lobinger und dem neuen Sportdirektor Ralf Rangnick. Noch am selben Tag feierte Zorniger mit dem Testspiel-Sieg gegen Piesteritz den ersten Erfolg.

Rangnick ist zwar erst seit zwei Wochen gleichzeitig für die Geschicke im Fußball-Mutterschiff Salzburg und in der Filiale in der Messestadt zuständig, hat aber schon Parallelen zwischen Firmenphilosophie und sportlicher Ambition verinnerlicht. „Der Slogan heißt doch: Red Bull verleiht Flügel – und genauso wollen wir künftig auch spielen“, umschrieb der frühere Erfolgscoach bei Hoffenheim, Schalke und Stuttgart das neue, kooperative Fußballkonzept in Bach- und Mozartstadt.

Ex-Coach Peter Pacult konnte solch luftige Intentionen in der vergangenen Saison in Leipzig offenbar nur schwer vermitteln, blieb mit dem im Stile eines Zweitligisten aufgetankten RB-Luftschiff jäh in der vierten Liga hängen. „Peter Pacult hat einfach eine andere Sichtweise und Spielphilosophie“, sagte Rangnick am Mittwoch kurz und knapp auf die Frage nach dem Ausscheiden des Wiener Fußballgrantlers aus dem Red-Bull-Imperium. Zusammen mit Pacult mussten auch Sportdirektor Wolfgang Loos und Fitnesstrainer Christian Canestrini ihre Sachen packen.

Zorniger plant offensives Spielsystem - Kader soll verjüngt und verkleinert werden

Die richtige Einstellung zum erhofften Gekicke habe dagegen „Wunschkandidat“ Alexander Zorniger, der nun bei RB mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet wurde. „Das ist eine Riesenmöglichkeit für mich, da musste ich zugreifen“, sagte der 1967 im baden-württembergischen Mutlangen Geborene am Mittwoch mit schwäbischem Zungenschlag und schob hinterher: „Ich bin sicher vielen noch nicht so bekannt, aber Ralf und ich kennen uns schon länger, haben eine ähnliche Philosophie vom Spiel.“

Auf dem Platz soll die gemeinschaftliche Denkweise in einem 4-4-2-Spielsystem mit aggressiver Balleroberungstaktik resultieren, ließ Zorniger schon mal durchblicken. Taktikfans dürfte dabei auffallen: In diesem System hätten im Sturmzentrum Mario Gomez und Miroslaw Klose sogar zusammen Platz – es riecht also nach Offensivfußball. „Wir wollen mit und ohne Ball immer Druck auf den Gegner ausüben, das Spiel jederzeit kontrollieren“, erklärte Zorniger.

Dass Gomez und Klose künftig das Leibchen mit den Roten Bullen tragen werden, ist äußerst unwahrscheinlich, auch der oft kolportierte Michael Ballack wird wohl an anderer Stelle Druck ausüben. Trotzdem dürften bis zum Ende der Transferzeit am 31. August noch einige neue Namen auf dem Trainingsgelände am Cottaweg auftauchen und dafür so manch aktuell angestellter RB-Ballkünstler entschwinden. Denn wie schon vor einer Woche angekündigt, plant Rangnick eine deutliche Verjüngung und eine Reduktion der Kader in Salzburg und Leipzig.

Der Sportdirektor will demnächst auf der Red-Bull-Gehaltsliste nur noch Spieler sehen, deren Engagement beim Club auch mit ihrem Karrierezeitpunkt vereinbar ist. Soll heißen: Wer braucht in Liga vier schon ehemalige Bundesliga-Kicker. Bestenfalls zwei Spieler für jede Position, zuzüglich aufstrebender A-Jugendlicher auf Abruf will Rangnick in Lohn und Brot behalten. Spielern wie Carsten Kammlott, der unter Peter Pacult nur selten zum Zug kam, dürfte unter Rangnick und Zorniger dabei eine bessere Zukunft winken: „Kammlott stand bei uns damals schon in Hoffenheim ganz oben auf der Liste und ich kann mir nicht erklären, warum er bisher kaum gespielt hat“, sagte der Sportdirektor.

Erstes Training am Cottaweg - Lobinger nimmt Magath-Hügel ins Visier

Am Mittwochnachmittag riefen Rangnick und Zorniger trotzdem erstmal alle aktuellen RB-Profis zum ersten Training an den Cottaweg, um sich ein Bild vom Kader zu machen. Während der neue Coach, assistiert von Co-Trainer Tom Stohn und Torwartcoach Perry Bräutigam, vor allem technische Fertigkeiten am Ball üben ließ und dabei bedeutend präsenter als sein Vorgänger auf dem Platz agierte, widmete sich der früherer Weltklasse-Stabhochspringer und neue RB-Fitnesscoach Tim Lobinger besonders Timo Röttger, Umut Koçin und Marcus Hoffmann. Das Trio sucht nach Trainingsrückständen noch konditionellen Anschluss ans Team, hieß es.

Am Donnerstag sollen die drei deshalb auch mit dem berüchtigten Magath’schen Fitnesshügel auf dem Trainingsgelände Bekanntschaft machen, sagte Lobinger. „Das hohe Gras darauf stört mich nicht, das wird einfach platt getrampelt“, erklärte der 39-Jährige, der nach eigenen Angaben auch Angebote von Fußball-Bundesligisten hatte, sich aber auch aufgrund der gebotenen Perspektive und seiner Erfahrungen an der Pleiße für RB entschieden hat: „Leipzig ist eine tolle Stadt“, sagte Lobinger.

Apropos Stadt: Um etwaige Vorbehalte mancher Fußballfans gegenüber dem Projekt Rasenballsport Leipzig macht sich Ralf Rangnick keine Gedanken. Der mit viel Erfahrung aus seiner Zeit bei der TSG Hoffenheim gestählte Sportdirektor glaubt auch nicht, dass es allzu viele kritische Stimmen geben wird. „Man muss sich natürlich den Respekt verdienen, die Menschen dauerhaft überzeugen, um das Stadion vollzukriegen“, sagte Rangnick und schob später hinterher an: „Ich mache mir jetzt über die Mitnahme der Fans aber noch keine Sorgen. Irgendwann kommt sicher der Punkt, da müssen wir überlegen, ob unser Stadion überhaupt groß genug ist. Doch jetzt wollen wir erstmal unseren Fußball in die Köpfe der Menschen bringen.“

Matthias Roth / Matthias Puppe

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