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"Tradition ist kein Verdienst" - Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz im LVZ-Exklusiv-Interview

"Tradition ist kein Verdienst" - Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz im LVZ-Exklusiv-Interview

Interviews mag Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz wie platte Reifen an Sebastian Vettels Formel-1-Rennwagen. Der 69-Jährige ist genialer Vermarkter seines Energydrink-Imperiums, hält sich aber selbst im Hintergrund.

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Dietrich Mateschitz gründete Red Bull und sponsert zahlreiche Sportarten.

Quelle: dpa

Leipzig. Nach jahrelangen Absagen sagte der scheue Österreicher jetzt ja - Die LVZ sprach mit dem Milliardär über RB Leipzig, Traditionsklubs wie Bayern und Barcelona sowie das Leistungsprinzip.

Frage: Ihrer Verpflichtung von Fußball-Chef Ralf Rangnick folgten umfangreiche Umbaumaßnahmen bei RB Salzburg und RB Leipzig. Salzburg blieb titellos, Leipzig ist in die 3. Liga aufgestiegen. Wie zufrieden sind Sie mit der Ent­wicklung Ihrer Sparte Fußball?

Dietrich Mateschitz:

Wir sind sehr zufrieden, glauben, dass sich unser Fußballprojekt in die richtige Richtung entwickelt. Wir hoffen, dass mit dem Team rund um Ralf Rangnick nun auch die notwendige Kontinuität der Arbeit gewährleistet ist.

Wie und wo haben Sie das entscheidende Spiel Ihrer Leipziger Werktätigen in Lotte erlebt?

Beide Male vor dem Fernsehschirm, wobei vor allem das Spiel in Lotte eines der spannendsten und aufregendsten war, das ich je gesehen habe - und Gott sei Dank zu unseren Gunsten ausging. Wobei aber auch die Leistung der Mannschaft von Lotte hervorragend war.

Wann werden Sie persönlich in Leipzig sein, und wie intensiv ist Ihr Kontakt zu Rangnick, Cheftrainer Alexander Zorniger und Geschäftsführer Ulrich Wolter?

Meine zentrale Ansprechperson ist Ralf Rangnick, der ja auch beide Clubs in Salzburg und Leipzig koordiniert. Aber ich sehe auch Herrn Wolter und Herrn Zorniger regelmäßig. Ich werde sicherlich im Herbst einmal in Leipzig sein und ein Heimspiel besuchen.

Die Fans nehmen RB Leipzig immer besser an, die Zuschauerzahlen waren schon in der vierten Liga Drittliga-reif. Ist diese Resonanz eine Abstimmung mit den Füßen, die den Kritikern des Bundesliga-Projekts den Wind aus den Segeln nimmt?

Konstruktive und fundierte Kritik ist uns wichtig, abwertende Kritik nehmen wir ehrlich gesagt nicht ernst und ist uns ziemlich egal. Wenn wir an ein Projekt und ein Ziel glauben, dann lassen wir uns bei dessen Erreichung eigentlich nicht beirren. Die Zuschauerzahlen waren von Anfang an hervorragend und werden immer besser. Und das ist das, was zählt und uns wirklich freut und auch die Richtigkeit unseres Engagements in Leipzig bestätigt.

Weshalb echauffiert sich Dortmund-Boss Hans-Joachim Watzke bei jeder Gelegenheit über das Leipziger Red-Bull-Engagement, während man beispielsweise vom FC Bayern München nichts Negatives über RB Leipzig hört? Ist Tradition ein Wert an sich?

Natürlich sind traditionelle Werte wichtig, vor allem in Bereichen wie Kunst und Kultur. Aber Tradition ist kein Verdienst, alt werden Dinge von selber. Wenn man heute beispielsweise einen Bösendorfer Flügel mit genauso viel meisterlichem Können und Geschick baut wie vor 100 Jahren, dann hat dieser dieselbe Wertigkeit wie der, der im Museum steht. Ich glaube auch, dass Zeit einer der relativsten Begriffe überhaupt ist. Der einzige Unterschied zwischen dem FC Barcelona, Bayern München und RB Leipzig ist in 500 Jahren der, dass diese Clubs 600 Jahre alt sind und wir 500 Jahre. Warum sich manche Leute echauffieren und dafür sind, dass sie dagegen sind, weiß ich nicht. Da müssen Sie sie selber fragen.

Die Marketing-Maschinerie von Red Bull läuft in Leipzig noch mit gebremstem Schaum, ist offenbar der Ligazugehörigkeit angepasst. Wird erst in der Bundesliga richtig Gas gegeben, könnte dann beispielsweise ein Sebastian Vettel in der Red Bull Arena zu einem Spiel auftauchen?

Diese sogenannte Marketing-Maschinerie gibt es nicht. Wir machen ganz einfach gute Events und guten Sport. Wir sind nicht mit Sebastian Vettel drei Mal Formel-1-Weltmeister geworden, weil wir eine Marketing-Maschinerie haben, sondern das beste Auto mit dem schnellsten Fahrer. Und das ist überall so, wo wir uns engagieren: Es geht um ­Leistung, denn Leistung ist das einzige, was wirklich zählt. Sebastian Vettel wird sicher einmal ins Stadion kommen, aber nicht weil unser ­Marketing es verlangt, sondern weil er Fußball mag und selbst gerne spielt.

Zwei Aufstiege in vier Jahren sind vorzeigbar. Wann folgen Nummer 3 und 4?

Dem Club muss man genug Zeit zum Wachsen geben, dazu gehören auch Konsolidierungsphasen. Es geht nicht um einen Wettlauf, mit möglichst vielen Söldnern möglichst rasch in die Bundesliga zu kommen, sondern es geht um eine gesunde Entwicklung und gesundes Wachstum. Und das mit möglichst vielen eigenen Spielern.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.07.2013

Interview: Guido Schäfer

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