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Nach dreimonatiger Zwangspause: RB-Talent Senkbeil fährt zur EM-Quali

Überraschende Nominierung Nach dreimonatiger Zwangspause: RB-Talent Senkbeil fährt zur EM-Quali

Schlechte Blutwerte, dazu Schmerzen an Knien und Handgelenken – RB Leipzigs Kilian Senkbeil konnte zwischenzeitlich nicht mal mehr den Verschluss der Mineralwasserflasche öffnen. Drei Monate später ist er zurück und bei der EM-Quali der deutschen U17 dabei.

Zwischenstopp im Sportpark Tresenwald: Kilian Senkbeil von RB Leipzig machte sich in der Heimat locker, bevor es zu EM-Qualifikation mit der U17-Nationalmannschaft nach Düsseldorf geht.

Quelle: Christian Fest

Machern. Es grenzt an ein Wunder, dass der 16-jährige Macherner Kilian Senkbeil doch noch für die Qualifikation zur U 17-Europameisterschaft nominiert wurde. Drei lange Monate fiel das Talent von RB Leipzig wegen einer reaktiven Arthritis aus. Nach schnell überstandenem, eher harmlosem Magen-Darm-Infekt schoss das Immunsystem des Jungen gewissermaßen mit Kanonen auf Spatzen. Die unterforderten Antikörper suchten sich andere „Opfer“ und dockten an gesunde Oberflächen an. Folge: Schlechte Blutwerte, dazu Schmerzen an Knien und Handgelenken – Kilian konnte zwischenzeitlich nicht mal mehr den Verschluss der Mineralwasserflasche öffnen.

Spezialisten in Waiblingen punktierten ihn. Inzwischen ist der Innenverteidiger topfit. An der Seite seines Integrationstrainers und des Psychologen kämpfte sich Kapitän Kilian wieder in den Kader seiner U 17-Rasenballer zurück und spielte beim 2:0-Sieg der Leipziger gegen den VfL Osnabrück bereits durch. Doch damit nicht genug: Seinen Mann stand der Macherner auch beim 0:0 der U 19 gegen Hertha BSC und meldete den zwei Jahre älteren, prominenten Gegenspieler Mike Brömer komplett ab. Am Wochenende half Kilian noch beim Punktspiel der RB-Junioren gegen den FC Carl-Zeiss Jena aus und reiste nach dem 2:0-Triumph gleich weiter zur U 17-Nationalmannschaft nach Düsseldorf.

Dort hat am Donnerstag die zweite Qualifikationsrunde für die Europameisterschaft begonnen. 24 Teams spielen in acht Vierergruppen 15 Startplätze aus. Deutschland als gesetzte Nation steigt erst jetzt in die Qualifikation ein. Alle anderen Teams haben schon im Herbst eine erste Runde absolviert. Die Endrunde findet im Mai in Aserbaidschan statt. Der Gastgeber ist automatisch qualifiziert. Drei Rote Bullen machen sich Hoffnungen, beim Finale dabei zu sein.

Milutin Djordjevic ist für die Auswahl von Serbien nominiert, Renat Dadashov und Kilian Senkbeil wollen für das deutsche Team auflaufen. Während Dadashov, Toptorjäger seines Jahrgangs, als gesetzt gilt, kam die Nominierung für den Defensivspezialisten Kilian Senkbeil doch eher überraschend. Aufgrund seiner Erkrankung verpasste er die Vorbereitung auf die anstehenden Qualifikationsspiele. Vor einer Woche dann der unerwartete Anruf des U17-Trainers Meikel Schönweitz und die Frage: „Junge, traust du dir das zu?“ Kilian ließ sich nicht zweimal bitten. „Kilians Stärke ist die Flexibilität auf sämtlichen Defensivpositionen. Ob als Backup auf der rechten Außenbahn oder als Innenverteidiger in der Zentrale – auf Kilian kann man sich immer verlassen“, lobt Heimtrainer Robert Klauß seinen Schützling über den grünen Klee.

Schon im Kindergartenalter stand der zweikampfstarke Fußballer auf dem Trainingsplatz vom SV Tresenwald. Fünf Jahre kickte er in seinem Heimatort. Gecoacht wurde er von Jens Arb und Vater Bodo Senkbeil, dem einstigen Handballer und DHfK-Absolventen. Nach kurzem Intermezzo beim 1. FC Lok wechselte Kilian als Elfjähriger zu den Roten Bullen. Der Sportgymnasiast mit gutem Notendurchschnitt wohnt seit Sommer im modernsten Sportinternat Deutschlands, auf dem RB-Gelände am Cottaweg.

In der Bundesliga Nord-Nordost liegt Kilian mit seinem RB Leipzig hinter dem VfL Wolfsburg und Hertha BSC auf Tabellenplatz drei: „Wir haben in der Hinrunde einige Punkte liegen lassen – gegen Tennis Borussia etwa oder den VfL Osnabrück“, ärgert sich der im Alltag eher zurückhaltende, auf dem grünen Rasen aber um so lautstärkere Macherner.

Sein Debüt in der Nationalmannschaft gab er im Vorjahr im italienischen Recanati, 30 Kilometer südöstlich von Ancona. Damals war Kilian so etwas wie der tragische Held: „Kurz nach der Halbzeit hatte ich den Ball im Strafraum unglücklich an die Hand bekommen.“ Die Gastgeber verwandelten den fälligen Elfmeter und siegten vor gut 1.000 begeisterten Zuschauern mit 1:0. Im Oktober in Belgien und im November in England lief es umso besser, in beiden Partien, die Kilian von der ersten bis zur letzten Minute bestritt, behielten die Deutschen mit 2:1 sowie 5:3 die Oberhand.

In Düsseldorf treffen Kilian und Co. auf die Slowakei, Bulgarien (Sonnabend) und die Niederlande (Dienstag). Mit guten Leistungen will sich der Macherner für die Endrunde Anfang Mai empfehlen. Zu Weihnachten überreichte der RB-Kapitän seiner Trainerriege im Namen der ganzen Mannschaft noch etliche Präsentkörbe – über die Osterfeiertage kann sich der Wiedergenesene nun selbst das schönste Geschenk machen.

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