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Rami Zabdeh: Von einem der auszog Nationalspieler zu werden

RB Leipzig - U15 Rami Zabdeh: Von einem der auszog Nationalspieler zu werden

Rami Zabdeh ist ein leidenschaftlicher Fußballer. Seit er vier Jahre alt ist, kennt  er nur eine Richtung - die auf's Tor. Mittlerweile ist der Oschatzer Schüler in der zweiten Saison bei RB Leipzig. Mit der U15 des Clubs spielt er in der Regionalliga Nordost. Sein Ziel aber ist die deutsche Nationalmannschaft.

Fokussiert am Ball: Rami Zabdeh beim Einsatz für RB Leipzig. Der heute 14-Jährige spielt Fußball seit er vier Jahre alt ist und kickt mittlerweile seine zweite Saison für die roten Bullen.

Quelle: RB Leipzig/motivio

Oschatz. Dass kickende Jungs Fußballer werden wollen, ist weit verbreitet. Dass einer seinen Traum konsequent verfolgt, schon seltener. Rami Zabdeh ist so einer. Der Oschatzer Schüler kam als Vierjähriger eher zufällig zum Fußball, heute trainiert er viermal die Woche bei RB Leipzig und spielt seine zweite Saison für die Rasenballer. Mittlerweile gehört er zur U15.

Weil sein älterer Bruder Firas Fußball spielen sollte, ging Rami gleich mit zum Verein - und fiel beim FSV Oschatz Horst Peschmann auf. Der ist ein alter Trainerfuchs, der schon Talente wie Tom Geißler, Jürgen Rische oder Babett Peter entdeckt und auf den Weg gebracht hat. „Das sieht man schon daran, wie einer läuft, ob das was wird“, erinnert sich Peschmann an die erste Begegnung mit dem damals Vierjährigen. Nach den ersten Trainingseinheiten gab es für Rami Zabdeh kein Halten mehr. Ein Fußball-Verrückter ist das, sagen Eltern und Trainer. Er wollte immer auf den Platz, immer spielen, immer Tore schießen. Selbst wenn kein Training war, hat er gegen den Ball getreten. Vater Nabil Zabdeh zeigt auf die Reihe von Wandlampen im Flur der elterlichen Wohnung: „Die haben wir gefühlt hundertmal gewechselt, weil die Jungs hier Fußball gespielt und alle zerschossen haben.“

Das lässt Rami mittlerweile, gekickt wird nicht mehr im Haus. Trotzdem weist hier alles darauf hin, was seine größte Leidenschaft ist: Im für einen 14-Jährigen erstaunlich aufgeräumten Zimmer verweisen zahlreiche Fotos, Medaillen und Pokale auf die Erfolge auf dem Platz. Auf dem Schreibtisch liegt die Biografie von Zlatan Ibrahimowitsch - einer seiner Lieblingsfußballer neben, na klar, Weltfußballer Messi und Deutschlands Nationalspieler Karim Bellarabi - und in der Lücke zwischen Kleiderschrank und Wand türmen sich Fußbälle.

Ramis Woche ist durchgeplant: Montag bis Donnerstag ist er nachmittags beim Training in Leipzig, am Sonnabend stehen dann die Punktspiele an. Den Fahrdienst übernimmt meistens seine Mutter Rula Zabdeh. Auf der Autofahrt zwischen Oschatzer Thomas-Mann-Gymnasium und RB-Trainingsgelände gibt es dann zuerst etwas zu essen und auf dem Rest der Wegstrecke ist Zeit, schon einmal ein paar Hausaufgaben zu erledigen. „Ich lerne überwiegend am Wochenende und bereite dann so viel wie möglich schon für die Woche vor“, erzählt Rami. Manchmal nickt er auf der Rückfahrt nach Oschatz ein und ist bei der Ankunft halb neun abends noch einmal fit genug, die restlichen Schularbeiten in Angriff zu nehmen: „Dann habe ich wieder Energie.“ Bisher steckt der Neuntklässler das straffe Pensum gut weg - auf seinem jüngsten Zeugnis schaffte er einen Durchschnitt von 1,7.

Seine Eltern unterstützen Rami - genauso wie seinen älteren Bruder Firas, der der kreative Kopf der Familie ist, Musik macht, malt und Theater spielt. Bei aller Passion werden aber dennoch gute Leistungen in der Schule verlangt. Dazu passt, dass Rami („Man muss immer einen Plan B haben.“) Kinderarzt werden will, falls es mit der Profi-Karriere nicht klappt. „Unser Gedanke war nicht, dass Rami Profi wird. Aber wir haben immer forciert, dass unsere Kinder Sport machen“, sagt Vater Nabil Zabdeh, „die Jungen sollten körperlich fit sein und Freundschaften schließen. Sport ist immer auch Integration.“ Die Familie hat arabische Wurzeln, doch schon in den 80er Jahren kam der Vater als Arzt nach Deutschland und hat seit Anfang der 90er Jahre eine eigene Praxis in Oschatz. Wenn schon, dann sollen seine Jungs positiv auffallen. „Ich bin stolz, wenn ich Gutes über sie höre, denn die Söhne repräsentieren die Familie“, sagt er.

Bevor Rami voriges Jahr vom FSV Oschatz zur U14 von RB wechselte, waren bereits andere Vereine auf den Torjäger aufmerksam geworden. Doch Infrastruktur und Arbeit bei den roten Bullen begeistern die Familie. „Die Trainer haben nur ein Ziel: Sie wollen mit ihren Mannschaften gewinnen, ganz nach vorn“, beschreibt der Vater. Dass der 14-Jährige wechselte, ist für Trainer Horst Peschmann nur folgerichtig. „Es ist unsere Pflicht, solche Kerle in größere Vereine zu schicken“, findet er. Auch auf die Gefahr hin, dass der Druck im Konkurrenzkampf spürbar zunimmt. „Du musst geduldig sein. Ihr seid dort nicht nur fünf gute Spieler in der Mannschaft, sondern zehn oder zwölf.“ Dabei legte der Oschatzer Schüler in seiner ersten Saison bei der U14 einen Traumstart hin: Trotz sechswöchiger Verletzungspause am Anfang wurde Rami schnell Stammspieler und einer der stärksten Torjäger. Jetzt, in der U15, ist die Leistungsdichte noch einmal deutlich größer geworden. „Von sieben Neuzugängen sind alleine vier Stürmer, und natürlich wollen alle spielen und nicht nur auf der Bank sitzen“, beschreibt er die Situation.

Seine Strategie ist, einfach immer alles zu geben - im Training und bei den Einsätzen. Außerdem kommt er bereitwillig Bitten der Trainer nach, wenn bei der U14 noch jemand gebraucht wird. In dieser Rolle sorgte er zuletzt beim Spiel gegen den FC Grimma für den wichtigen Ausgleich und legte für den Siegtreffer vor. Für die U15 lief er dann wieder am Wochenende auf - und sorgte für Furore: Die roten Bullen gewannen gegen die Nachwuchskicker vom FC Carl Zeiss Jena mit 3:1 Toren, einen der Treffer hat dabei Rami Zabdeh eingenetzt. So kann es weitergehen für den 14-jährigen Oschatzer.

Dass die Rasenballer in Leipzig nichts dem Zufall überlassen, hat sich herumgesprochen. Dass dies auch für die Nachwuchsmannschaften gilt, weiß der Neuntklässler aus eigener Erfahrung. Selbst Ernährungsfragen werden besprochen und Richtlinien festgelegt - regelmäßiges Wiegen und Körperfettmessungen inklusive. Wobei man sich fragt, welches Körperfett bei vier Trainingseinheiten pro Woche da noch messbar ist... „Besser geht immer“, sagt Rami Zabdeh. Das scheint auch Horst Peschmann so zu sehen. Zu seinem allerersten Trainer aus F-Jugend-Zeiten hat der Oschatzer Schüler nach wie vor ein enges Verhältnis. Wenn der 77-Jährige also etwas sagt, nimmt der Schüler sich das zu Herzen. So wie die Sache mit der Beidfüßigkeit. „Denke dran, du brauchst auch das linke Bein“, hat der Fußballkenner seinen Zögling gemahnt, der bestens mit rechts trifft. Rami nickt und versichert: „Ich kann mit links schon sehr gut passen, auch wenn die Schüsse noch nicht so hart sind.“

Peschmann ist sicher, dass sein Schützling das Potenzial ganz nach oben hat. „Der Junge hat Talent, fügt sich überall gut ein und arbeitet hart an sich - das sind genau die Tugenden, die gebraucht werden“, beschreibt er. „Ich geb alles“, versichert der Fußballer. Ein bisschen Glück gehöre aber auch dazu: „Ich darf mich nicht verletzten und muss noch etwas wachsen“, wünscht sich Rami Zabdeh. Und dann könnte es tatsächlich klappen. Mit der Profi-Karriere als Fußballer.

Jana Brechlin

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