Startseite LVZ
Volltextsuche über das Angebot:

Google+ Instagram YouTube
Spektakuläre Schlussphase: RB Leipzig wendet peinliche Pleite ab

2. Bundesliga Spektakuläre Schlussphase: RB Leipzig wendet peinliche Pleite ab

Das wäre fast ins Auge gegangen: RB Leipzig hat mit einer Aufholjagd gegen den MSV Duisburg das Spiel noch gedreht. Innerhalb von fünf Minuten erzielten die Gastgeber drei Tore. Die Fans feierten ausgelassen den 4:2-Erfolg als Nikolausgeschenk.

Hatten am Ende doch noch Grund zum Jubeln: Nils Quaschner, Yussuf Poulsen und Massimo Bruno von RB Leipzig.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. "Das ist heute ein sehr verrücktes Spiel gewesen", sagte Abwehrchef Willi Orban. Nach dem 1:2 habe sich jeder gefragt: Ob das heute noch für einen Sieg reicht? Am Ende schafften die Leipziger die Wende und Trainer Ralf Rangnick ließ sich zu ungewohnten Emotionen hinreißen. Nach dem 4:2 schnappte er sich auf dem Rasen den Ball und schoss ihn in die Luft. "Ich war überrascht, wie gut du kicken kannst", sagte MSV-Trainer Ilia Gruev zu seinem Kollegen. Rangnick erwiderte: "Es sollte nicht respektlos sein und ich bin froh, dass ich mich nicht verletzt habe."

RB Leipzig startete mit einer starken Anfangsviertelstunde: Mit Offensivfußball und Chancen im Minutentakt drängten die Gastgeber den MSV Duisburg an den eigenen Strafraum. Davie Selke hatte schon in der 2. Minute die Gelegenheit zur Führung, scheiterte aber an Keeper Michael Ratajczak. RB zeigte ein gepflegtes Kurzpass-Spiel und kombinierte selbst im Strafraum der Gäste nahezu ungestört. Was fehlte, waren die Tore. Emil Forsberg, noch einmal Selke und Marcel Sabitzer vergaben die Führung.

Das wäre fast ins Auge gegangen: RB Leipzig hat sich mit einer Aufholjagd gegen den MSV Duisburg noch den Sieg geholt. Innerhalb der letzten fünf Minuten erzielten die Gastgeber drei Tore und machten ihren Fans doch noch ein Nikolausgeschenk. Fotos: Christian Modla

Zur Bildergalerie

In der 14. Minute jubelten die meisten der 27.477 Besucher in der Red-Bull-Arena dann doch: Sabitzer schlug einen Traumpass auf Selke, der Stürmer lief allein aufs MSV-Tor zu und schob zur vermeintlichen Führung ein. Schiedsrichter Peter Sippel gab den Treffer nicht. Er hatte den bisher erfolgreichsten Leipziger Angreifer im Abseits gesehen. Es war eine knappe Entscheidung. Der Videoanalyst funkte vom Oberrang sofort auf die Bank: gleiche Höhe mit Rolf Feltscher, reguläres Tor. Rangnick nahm es gelassen: "Das passiert auch auf anderen Plätzen."

Vom Tabellenletzten war bis dahin in der Offensive nichts zu sehen. In der 17. Minute fassten sich die Zebras dann doch ein Herz, einen Konter konnte Marvin Compper gerade noch zur Ecke klären. Der anschließende Ball landete beim völlig freistehenden Kevin Wolze, der von der Strafraumgrenze zur schmeichelhaften Führung traf. "So etwas kannst du nicht verteidigen", meinte Yussuf Poulsen. Rund 300 MSV-Anhänger jubelten. "Das hat uns kurz aus dem Gleichgewicht gebracht", sagte der gesperrte RB-Kapitän Dominik Kaiser in der Pause. Der Tabellenzweite leistete sich jetzt Fehlpässe und war nicht so zwingend wie am Anfang. Diese Phase dauerte aber gerade zehn Minuten.

Dann kam der große Augenblick von Poulsen. Der Däne hatte es zuletzt nicht mehr in die Startelf geschafft und wartete immer noch auf seinen ersten Saisontreffer. In der 27. Minute bediente Forsberg auf der linken Seite Marcel Halstenberg, der Verteidiger stürmte in den Strafraum und legte den Ball für Poulsen auf. Der Däne verwandelte zum Ausgleich. Und in der 38. Minute hatte er sogar die Führung auf dem Fuß, kam aber einen Schritt zu spät ans Spielgerät. "Ich bin gut drauf, habe auf einen Platz in der Startelf gewartet und mich direkt belohnt", so der Torschütze.

In der Pause tauschte RB-Coach Ralf Rangnick im Mittelfeld und brachte Massimo Bruno für Diego Demme. Der MSV stellte in der Abwehr auf Fünferkette um. "Das ist gegen RB legitim", erklärte Gruev.

Bei kühlem Wind und Sonnenschein entwickelte sich die zweite Halbzeit zu einem Sturmlauf von RB und einer Geduldsprobe für die Zuschauer. Was zunächst fehlte, war die Führung der Leipziger. Compper und Selke vergaben per Kopf. Leipzig setzte sich im Duisburger Strafraum fest, der MSV verteidigte leidenschaftlich. Selke sah für eine Schwalbe dafür die gelbe Karte und plötzlich traute sich auch Duisburg wieder über die Mittellinie.

RB dreht Spiel in den letzten fünf Minuten

Rangnick reagierte und wechselte für die Schlussoffensive Nils Quaschner für Selke ein. Die Zebras, unter ihrem neuen Trainer Gruev zu Stärke findend, konterten nun. Ausgerechnet Kevin Scheidhauer behielt in der 79. Minute die Übersicht und schloss einen Gegenstoß zur erneuten Führung ab. Scheidhauer stammt aus der Jugend des 1. FC Lok Leipzig, ging später zum VfL Wolfsburg und steht nun in den Diensten des MSV. Er durfte sich nur sechs Minuten freuen, dann nahm der Wahnsinn in der Red-Bull-Arena seinen Lauf. "Die letzten Minuten waren unglaublich", sagte Forsberg.

In der 85. Minute traf Quaschner per Kopf zum Ausgleich, zwei Minuten später Antic Nukan zur Führung und in der letzten Minute erneut Poulsen zum 4:2. Nukan konnte sein Glück nach dem Schlusspfiff kaum fassen und feierte auf dem Rasen kniend mit den Kollegen. "Ich bin glücklich, habe fünf Monate auf diesen Moment gewartet", freute sich der türkische Nationalspieler. Orban ergänzte: "Wir haben Charakter und Qualität gezeigt."

Gruev ist mit seinen Duisburgern weiter Letzter, verteilte bei der Pressekonferenz aber verbale Blumensträuße. Das erste Lob erhielt RB-Pressesprecher Benjamin Ippoliti: "Sie haben als erster meinen Namen richtig betont, kommen Sie aus dem Osten?" Ippoliti: "Nein, eher aus dem Süden." Und in Richtung RB-Coach sagte der Bulgare: "Herr Rangnick, Respekt für Ihre Arbeit hier."

Von Matthias Roth

Statistik

RB Leipzig: Coltorti, Klostermann, Orban, Compper (67. Nukan), Halstenberg, Ilsanker, Demme (46. Bruno), Sabitzer, Poulsen, Forsberg, Selke (75. Quaschner)

MSV Duisburg : Ratajczak, Bohl, Feltscher, R., Bajic, Wolze, Holland, Albutat, Chanturia (46. Meißner), Grote, Janijic (81. Onuegbu), Bröker (64. Scheidhauer)

Tore: 0:1 Wolze (18.), 1:1 Poulsen (27.), 1:2 Scheidhauer (79.), 2:2 Quaschner (85.), 3:2 Nukan (87.), 4:2 Poulsen (90.)

Zuschauer: 27.477

Schiedsrichter: Peter Sippel (München)

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Spielberichte

Jede Woche im LVZ-Tippspiel zur Saison 2016/17 regionale Partien tippen und tolle Preise gewinnen! mehr