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Aus dem Krankenbett zum Weltmeister - Eilers lebt Traum

Radsport Aus dem Krankenbett zum Weltmeister - Eilers lebt Traum

Joachim Eilers hat sich bei der Bahnrad-WM in die Weltspitze katapultiert. Dabei lag er noch vor acht Monaten mit fünffachem Oberarmbruch auf der Betonpiste in Cottbus. Im deutschen Team ist er nun ein heißer Medaillenanwärter für Rio.

London. Bei der Abschlussfeier der deutschen Bahnrad-Mannschaft in London musste Joachim Eilers eine Runde ausgeben - und er tat es mit Vergnügen. Dass der 25-Jährige nach der WM in London als Doppel-Weltmeister dasteht, hätte der gebürtige Kölner noch vor acht Monaten nicht zu träumen gewagt.

"Ich habe meinen Olympia-Traum schon platzen sehen, nachdem ich im Sommer den schweren Rückfall hatte", berichtete Eilers von seinen bitteren Momenten im Juli 2015.

Was war passiert? Beim Sprint-Wettkampf in Cottbus war Eilers über den Kolumbianer Fabian Puerta gestürzt, die harte Piste entlanggerutscht und mit dem Schultereckgelenk gegen eine Betonplatte geknallt. Er erlitt einen fünffachen Oberarmbruch. "Die Ärzte haben mich wieder zusammengeflickt", erzählte das Kraftpaket, das sechs Wochen nicht richtig trainieren konnte. Heute kann er darüber lachen. "Ich habe noch drei Titaniumschrauben drin. Ich bin stabiler geworden."

Wie stabil er ist, musste die geballte internationale Konkurrenz schmerzhaft erfahren. Im nichtolympischen 1000-Meter-Zeitfahren holte er seinen ersten Titel, die Krönung folgte am Sonntag mit Gold im Keirin nach einem Foto-Finish. "Das ist ein Traum, mich muss nur noch jemand aufwecken. Ich werde einige Tage brauchen, um das zu realisieren", sagte Eilers, der auch noch Bronze im Teamsprint gewann.

Im deutschen Team wurde er als großer Hoffnungsträger für Rio gefeiert, der in China weilende BDR-Präsident Rudolf Scharping meldete sich dagegen nicht. "Vielleicht bekomme ich ja noch ein Briefchen", meinte Eilers schmunzelnd.

Brief hin oder her - mit drei Medaillen verließ er am Montag London. Die Heimat ist inzwischen Chemnitz, wo er unter Trainer Ralph Müller zum Weltklasseathleten gereift ist. Und die edlen Plaketten aus London sollen diesmal nicht wie üblich im Karton verschwinden. "Ich muss sehen, dass ich jemanden beauftrage, die Medaillen ordnungsgemäß aufzuhängen. Dekorative Fähigkeiten sind nicht meine Stärke", gibt Eilers zu, der momentan ohne Freundin ist.

Eine mögliche Freundin hätte dann im Sommer vielleicht schon die nächste Aufgabe, wenn Eilers zu den Medaillenkandidaten in Rio zählt. Im Teamsprint ist er als Schlussfahrer gesetzt. Schon bei der WM in London hatte er mit einer starken letzten Runde Platz drei gerettet. Und seit Sonntag zählt er zu den ganz heißen Anwärtern auf eine Keirin-Medaille. "Wenn es gelingt, wäre es ein genialer Traum. Olympia ist absolut mein Ziel. Man hat ja teilweise nur einmal die Chance, dabei zu sein", betonte Eilers.

Bevor der Countdown für Rio losgeht, will Eilers erstmal eine zweiwöchige Pause einlegen und seine Eltern im Rheinland besuchen. Ende März geht es dann mit dem Aufbautraining auf Mallorca weiter. Damit der Traum weitergeht.

dpa

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