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Jungprofi Buchmann rückt in den Blickpunkt

Radsport Jungprofi Buchmann rückt in den Blickpunkt

Zur Belohnung gab es für Emanuel Buchmann einen Schokoladenkuchen aus dem gläsernen Kochstudio. Der Sekt blieb dagegen im Kühlschrank der deutschen Bora-Argon-Mannschaft, auch wenn dafür durchaus Anlass bestanden hätte.

Plateau de Beille. Denn der dritte Platz auf der schweren Pyrenäen-Etappe über den Tourmalet hinweg war für den viertjüngsten Fahrer im Peloton der 102. Tour de France "wie ein Sieg", bemerkte Teamchef Ralph Denk.

Und vielleicht war dieser dritte Platz noch viel, viel mehr. Es könnte der Startschuss einer Karriere werden, die Buchmann womöglich in ganz andere Bereiche führt. "Er hat die Veranlagung, bei den großen Rundfahrten Tour, Giro und Vuelta irgendwann mal unter die besten Zehn zu fahren", sagte Denk der Deutschen Presse Agentur.

Seit Jahren diskutiert man im deutschen Radsport über die fehlenden Rundfahrer. Ein Nachfolger von Jan Ullrich und Andreas Klöden, deren Ära eher unrühmlich zu Ende gegangen ist, lässt auf sich warten. Buchmann könnte diese Lücke schließen. "Ich sehe mich als Bergspezialist und Mann für das Gesamtklassement", sagt der 22-Jährige bescheiden. Dass das 64 Kilogramm schwere Leichtgewicht inzwischen Interviews für das australische Fernsehen geben muss, ist ihm ein wenig suspekt.

Vor einem halben Jahr kannten Buchmann nur die Insider. Als Neuprofi war er zu Bora gekommen und anschließend gleich durchgestartet. Nach guten Leistungen im Frühjahr kletterte der Ravensburger bei der anspruchsvollen Dauphine-Rundfahrt gut die Berge hinauf. Das war gleichbedeutend mit der Fahrkarte für die Tour. Noch vor dem Start der 102. Frankreich-Rundfahrt landete Buchmann einen ganz besonderen Coup, als er die deutsche Meisterschaft gewann und den Stars John Degenkolb und André Greipel die Show stahl.

Seither gerät Degenkolb geradezu ins Schwärmen von seinem Rivalen. Ähnlich ergeht es Dominik Nerz, für den Buchmann bis zu dessen Ausstieg wegen Magenproblemen als Helfer abgestellt war: "Er kann noch so viel mehr. Wenn man ihm noch etwas Zeit gibt, wird er ein ganz Großer." Teamchef Denk ergänzt: "Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl bei ihm. Er ist von der Entwicklung sehr weit, auch mental." Dass ein Fahrer mit 22 Jahren schon die Tour de France fährt, ist eher die Ausnahme. Im gleichen Alter waren einst auch Jan Ullrich (1996) und Didi Thurau (1977) bei ihrer Premiere in Frankreich.

Nach dem Aus von Nerz hat Buchmann nun freie Fahrt. "Er kann jetzt volles Risiko gehen. An der Gesamtwertung haben wir keine Anteile mehr", sagt Denk. Spätestens in den Alpen will Buchmann wieder eine gute Gruppe erwischen. Das ist ihm auch lieber, als im Feld zu fahren, denn "es ist schon sehr hektisch da, sehr unangenehm".

Der Bora-Fahrer gehört schon jetzt zu den Gewinnern der Tour, auch vom Marktwert her. Dass jetzt Interessenten kommen, sei legitim, sagt Denk, der den bis 2016 vertraglich gebundenen Buchmann aber nicht so schnell abgeben will: "Ich denke, dass er sich sehr wohlfühlt bei uns. Beim nächsten Mal werden wir was drauflegen müssen, aber das machen wir gerne. Er ist sein Geld wert."

dpa

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