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Martin vor dem Neustart bei Katusha-Alpecin

Radsport Martin vor dem Neustart bei Katusha-Alpecin

Radprofi Martin freut sich auf sein erstes Jahr im neuen Katusha-Alpecin-Team und träumt von Gelb zum Tour-Auftakt in Düsseldorf. Das zum Teil angekratzte Image seines Arbeitgebers stört ihn nicht: "Altlasten interessieren mich nicht".

Tony Martin wurder kürzlich zum ersten Mal Vater.

Quelle: arifoto UG

Calpe. Tony Martin betritt privat und sportlich Neuland. Eine Woche nachdem der 31 Jahre alte Wahlschweizer zum ersten Mal Vater geworden war, erreichte er als letzter Radprofi das Trainingslager seines neuen Katusha-Alpecin-Teams in Calpe.

Das zum Teil erheblich angekratzte Image seines neuen Arbeitgebers juckt den vierfachen Zeitfahr-Weltmeister, um klare Worte im Anti-Doping-Kampf nie verlegen, wenig. "Ich habe 100 Prozent Vertrauen zum Team", sagte Martin der Deutschen Presse-Agentur.

"Altlasten interessieren mich nicht. Ich kann Teil eines neuen Projektes werden und mithelfen, das Team neu auszurichten. Katusha beschreitet mit seinem deutschen Partner einen klaren Weg. Ich bin von der Richtung überzeugt", erklärte der Wahlschweizer. Im August hatte er nach fünf Jahren bei Etixx-Quick Step einen neuen, millionenschweren Zwei-Jahresvertrag unterschrieben.

Katusha, ab 2017 vom Bielefelder Sponsor Alpecin mitfinanziert, genießt nicht den besten Ruf. In den Vorjahren begleiteten die einstige russische Mannschaft, die jetzt mit Schweizer Lizenz fährt und von dem Schweizer Rechtsanwalt Alexis Schoeb geführt wird, Doping-Vorwürfe. Vor drei Jahren erstritt das Team seine wegen Dopings entzogene World-Tour-Lizenz vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS zurück.

Laut neuer Team-Philosophie ist das Schnee von gestern. "Jeder bei uns ist gegen Doping, und der Urteilsspruch 2013 hat doch bewiesen, dass das Vorgehen des Weltverbandes gegen uns nicht korrekt war. Zumal ein solcher Lizenzentzug immer alle Arbeitnehmer in einem Team trifft und nicht nur die Schuldigen", sagte Teamchef Torsten Schmidt, früher Profi bei Gerolsteiner, danach kurz Nationaltrainer der Schweiz und im fünften Jahr bei Katusha.

Er untersteht dem neuen General-Manager José Azevedo, einem früheren Fahrer aus dem Lance-Armstrong-Clan der einstigen US-Teams US Postal und Discovery Channel. Azevedos Vorgänger, der Armstrong-Freund Wjatscheslaw Jekimow, rückte auf der Katusha-Führungsebene an eine andere Stelle.

Sportlich steht für Martin 2017 vor allem die Tour de France mit dem Start in Düsseldorf am 1. Juli im Fokus. "Das ist natürlich mein Highlight. Das Gelbe Trikot ist schon zum Auftakt beim 13 Kilometer-Zeitfahren in Reichweite", sagte Martin, der sich davor auch wieder bei den Frühjahrs-Klassikern in Szene setzen will - und bei Paris-Nizza im März. "Bei Paris-Roubaix oder der Flandern-Rundfahrt sind wir mit unseren Spitzen Alexander Kristoff und Tony noch schwerer auszurechnen", meinte Schmidt.

Den Start im neuen Team in Spanien, wo er auf alte Bekannte wie Rick Zabel oder Nils Politt traf, empfand Martin jedenfalls als sehr angenehm. "Ich wurde sehr freundlich empfangen. Ich fühle mich wohl und bin topfit", sagte der Zeitfahr-Spezialist, der in seiner Spezial-Disziplin bei der WM im Oktober in Norwegen zum fünften Titel fahren will, der ihn zum alleinigen Rekordhalter im Kampf gegen die Uhr machen würde.

Martin, der kurz vor dem dritten Advent zu seiner Familie zurückkehren wird, geht das neue Jahr voller Elan an: "Ich hatte erfolgreiche und schöne Jahre bei Etixx. Aber natürlich waren die Strukturen nach all den Jahren auch irgendwie eingefahren. Ich freue mich auf den neuen Input".

dpa

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