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Motordoping nur PR-Gag? - Prudhomme: "Elektroschock"

Radsport Motordoping nur PR-Gag? - Prudhomme: "Elektroschock"

Es ist der neueste Auswuchs der Manipulation: Das sogenannte Motordoping. UCI und ASO nehmen die Sache ernst. Bei der am Samstag startenden Tour de France sind findige Detektive auf der Suche nach versteckten mechanischen Antrieben.

Mont-Saint-Michel. Nicht nur so mancher Medikamentenkoffer verbirgt womöglich Geheimnisse. Das sogenannte Motordoping ist der neue Aufreger. Christian Prudhomme, Direktor der Tour de France und damit ab Samstag Gastgeber der Weltelite, registrierte einen "Elektro-Schock für den Radsport".

Bei der in Mont-Saint-Michel beginnenden 103. Frankreich-Rundfahrt werden Kontrolleure mit Mechaniker-Kenntnissen unterwegs sein, um illegale Antriebe in den "Dienstfahrzeugen" der Protagonisten aufzuspüren. Im Auftrag des Sporministeriums sollen zudem Motorradfahrer unterwegs mit Wärmebild-Kameras Detektiv spielen.

Beim vergangenen Giro d'Italia wurden die Räder vor und nach den Zeitfahren und zwischendurch noch mindestens einmal in jedem Team getestet. Mini-Motoren in der Hinterrad-Nabe oder im Tretlager? In Italien Fehlanzeige.

Jean-Pierre Verdy, bis zum Vorjahr Direktor des Kontrollbereichs der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD, hatte in der Fachzeitschrift "Tour" behauptet, bei der Tour 2015 seien rund ein Dutzend Fahrer mit versteckten Motoren unterwegs gewesen. Er nannte weder Namen, noch legte er Beweise legte vor.

Der Tour-Organisator ASO und der Weltverband UCI nehmen die Sache auf jeden Fall ernst. Die UCI-Fahnder werden schon vor dem Tour-Auftakt in Mont-Saint-Michel mit ihren Laptops, die auf Magnetresonanz reagieren, die Fuhrparks in den Fahrerlagern durchscannen.

Für Ex-Profi und Teamchef Rolf Aldag ist "Motordoping" kein aktuelles Problem. Er wertete die Aktivitäten der Technik-Kontrolleure als "starkes Signal zur Abschreckung". Wenn etwas dran sein sollte, könnte der "Tod des Radsports" bevorstehen, nachdem seine Branche doch so lange "auf der Intensivstation" gelegen habe. Die Vorstellung sei "gerade in der Addition unerträglich", wenn nicht nur chemisch sondern auch mit verstecktem Antrieb manipuliert würde.

Die tatsächliche Etablierung der neuen Variante des Sportbetrugs würde der knapp erholten Branche laut Aldag, der Doping im damaligen Team Telekom 2007 zugegeben hatte, den endgültigen Rest geben. Der dreifache deutsche Meister und siebenfache Tour-Teilnehmer Fabian Wegmann hält das Ganze dagegen eher für einen PR-Gag der boomenden E-Bike-Branche.

Viele Aktive sind anderer Meinung. "Die Tests sind sinnvoll", erklärte der dreifache Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin. John Degenkolb sieht keinen moralischen Unterschied zwischen mechanischer und chemischer Manipulation: "Beides ist saudoof."

Für Marcel Kittel ist "klar, dass es vorkommt", aber es sei "schwer vorstellbar, weil es viele Mitwisser gäbe: Ein manipuliertes Fahrrad kann man nicht einfach verschwinden lassen." Der Topsprinter hält eine direkte Kontrolle der Räder, die vor Steigungen gewechselt werden, für den logischsten Test.

Die UCI wurde bei ihren seit 2014 etablierten Kontrollen nach illegalen Antrieben erst einmal fündig: Am 30. Januar flog in diesem Jahr Femke Van den Driessche bei der Cross-WM auf. Die 19 Jahre alte Belgierin wurde sechs Jahre gesperrt und zu 20 000 Schweizer Franken Strafe verdonnert. Eine kleine Einzeltäterin aus dem U23-Bereich?

Ausgerechnet die nicht gerade unbescholtenen Tom Boonen und Alberto Contador führen Argumente der Ethik ins Feld. "Das ist das allerunterstes Niveau. Ich würde niemals auch nur daran denken", sagte der mehrfache Flandern- und Roubaix-Gewinner aus Belgien, der nach Kokain-Befunden gesperrt war. Der zweifache Toursieger Contador ist für rigorose - lebenslange - Strafen. "Kein Pardon", forderte der Spanier, der bei der Tour 2010 mit Clenbuterol gedopt hatte und zwei Jahre gesperrt worden war.

dpa

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