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UCI nach Hitzeschlacht in Doha in der Kritik

Radsport UCI nach Hitzeschlacht in Doha in der Kritik

Vor allem die Frauen haben zum Auftakt der Straßenrad-WM unter der großen Hitze in Doha gelitten. Bei Temperaturen von fast 40 Grad benötigen viele Fahrerinnen ärztliche Hilfe. Die UCI gerät zunehmend in die Kritik. Werden nun die Rennen verkürzt?

Die Frauen mussten das Mannschaftszeitfahren in glühender Hitze absolvieren.

Quelle: Oliver Weiken

Doha. Hochglanzbilder hatte sich der Radsport-Weltverband UCI in der Traumwelt Doha erhofft, doch schon der WM-Auftakt lieferte nach der Tortur in der Wüste erschreckende Eindrücke.

Wie von Sinnen steuerte die Niederländerin Anouska Koster im Mannschaftszeitfahren bei gesundheitsschädlichen Temperaturen von fast 40 Grad ihre Rennmaschine in die Absperrgitter, überschlug sich und erlitt Verletzungen im Gesicht. Im Zielbereich lagen Fahrerinnen völlig entkräftet auf dem Asphalt, die frühere deutsche Zeitfahrmeisterin Mieke Kröger brauchte noch auf dem Weg zur Siegerehrung Unterstützung.

Entsprechend groß war die Kritik an den Verantwortlichen. "Die UCI hat das nicht durchdacht. Das macht keinen Sinn. Die Hitze, das ist unmöglich. Es ist wie in einer Sauna", schimpfte Kosters Kollegin Roxane Knetemann. Und die Niederländerin Chantal Blaak betonte: "Sogar die Lungen haben geschmerzt. Nach 20 Minuten waren wir überhitzt."

Einen unter dem Motto "Beat the Heat" entworfenen Leitfaden hatte die UCI vor den Titelkämpfen mit Verhaltensempfehlungen bei großer Hitze publiziert, was viele Beteiligte im Nachhinein als Aktionismus bewerteten. So herrschte Unverständnis darüber, dass die Frauen zur Unzeit in der prallen Sonne auf die Strecke mussten, während die Männer anschließend gemäßigtere Temperaturen vorfanden.

Auch fehlte es offenbar an medizinischer Betreuung. Teilweise mussten die Fahrerinnen bis zu 20 Minuten auf ärztliche Hilfe warten. "Ich bin noch nie in solch einer Hitze gefahren. Du gehst an dein Limit und weißt nicht, was mit deinem Körper passiert", sagte Olympiasiegerin Anna van der Breggen. Die deutsche Fahrerin Trixi Worrack, die im Team Canyon-SRAM zusammen mit Kröger immerhin noch Silber holte, war mit den Gegebenheiten etwas besser als viele ihrer Kolleginnen zurecht gekommen. Sie habe sich in den letzten zehn Tagen gut akklimatisiert, bekannte sie.

Gelitten haben auch die Männer, wie Tony Martin nach dem Sieg mit Etixx im Teamzeitfahren berichtete. "Nach zehn Minuten ist unser Motor heiß gelaufen", sagte der dreimalige Einzel-Weltmeister. Trotzdem sei es wegen der vorgerückten Zeit kühler als erwartet gewesen.

Angesichts der großen Hitze will sich die UCI vorbehalten, die Rennen zu verkürzen. Das Männerrennen am 16. Oktober könnte sogar von 257,5 auf nur noch 106 Kilometer verkürzt und ausschließlich auf der vorgelagerten Insel "The Pearl" ausgetragen werden.

Die UCI hatte die WM aufgrund der klimatischen Bedingungen ohnehin schon um einige Wochen später als üblich angesetzt. Im Gegensatz zur Fußball-WM 2022 war eine Verlegung in die Wintermonate aber nicht möglich, da die Radsaison im Oktober endet.

Am Abend konnte Koster immerhin Entwarnung geben, Knochenbrüche hatte sie bei ihrem Crash nicht erlitten. Mit einem Veilchen am rechten Auge und Bandagen an den Armen konnte sie schon wieder gequält lächeln. Bilder, die die UCI eigentlich nicht produzieren wollte.

dpa

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