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Weltmeister Sagan: der schnelle Slapstick-Slowake

Radsport Weltmeister Sagan: der schnelle Slapstick-Slowake

John Degenkolbs Traum vom WM-Titel oder einer Medaille erfüllte sich in Richmond nicht. Deutschlands Ass fehlten am Ende die Kräfte. Jubeln konnte jemand, der immer vorne mit dabei ist, aber trotzdem nur selten ganz oben steht: Peter Sagan aus der Slowakei.

Richmond. Er ist schnell, schlagfertig und nun ganz oben auf dem Podium. Peter Sagan, der ewige Zweite, fuhr beim WM-Straßenrennen in Richmond nach 261,4 Kilometern endlich als Sieger über die Ziellinie - und krönte sich zum ersten slowakischen Titelträger der Radsportgeschichte.

Als Sagan am vorletzten Anstieg, knapp zweieinhalb Kilometer vor dem Ziel, anzog, konnte John Degenkolb nicht mehr mithalten. Deutschlands größter Titelaspirant kam als 29. ins Ziel. "Ich habe Kommentare von Leuten gelesen, die meinten, ich sei für ein solch langes Rennen nicht gut genug. Nun habe ich trotzdem das Weltmeister-Trikot", meinte Sagan lässig.

Er hatte in diesem Jahr 15 Mal den Zielstrich als Zweiter passiert - allein fünfmal bei der Tour de France. Egal, wie sehr er sich auch quälte, irgendwie gab es immer einen, der vor ihm war. "Diesmal dachte ich mir, wenn ich wieder Zweiter werde, wird's allmählich langweilig für die Zuschauer", betonte der 25-Jährige in seiner längst legendären Art.

Der Slowake habe "hoch gepokert und am Ende den Jackpot gewonnen", resümierte Degenkolb. "Wenn man sieht, wie Sagan am Berg abgeht, glaube ich schon, dass der Stärkste gewonnen hat", befand Bundestrainer Jan Schaffrath. Sagan blieb während des Rennens lange Zeit unauffällig. Doch er hatte gar keine andere Wahl. Das slowakische Team bestand nur aus drei Fahrern - neben ihm waren es sein Bruder Juraj sowie Michael Kolar. Degenkolb oder der belgische Mitfavorit und 2012-Weltmeister Philippe Gilbert hatten jeweils acht Helfer an ihrer Seite.

"Die großen Mannschaften konnten ihre Strategien setzen. Ich hatte nur eine Chance - einen einzigen Angriff zu fahren", erklärte Sagan. An der steilsten Stelle des 18,1 Kilometer Rundkurses, einem rund 100 Meter-Kopfsteinpflaster-Anstieg, zog er an und niemand konnte ihm folgen. Mit drei Sekunden Vorsprung fuhr der 1,84 Meter große Mann unter dem Jubel tausender Fans auf der Board Street vor Michael Matthews (Australien) und Ramunas Navardauskas (Litauen) über die Ziellinie.

Doch die Sagan-Show war noch nicht vorbei. Auch auf der Pressekonferenz zeigte sich der neue Weltmeister unterhaltsam. Als sich jemand vom "Wall Street Journal" vorstellte, jubelte Sagan: "Wall Street, juhu" und riss seinen Arm begeistert in die Höhe.

Die Gefühlslage im deutschen Team war eher eine Mischung aus Heiterkeit und Nachdenken. Während André Greipel rund 30 Minuten nach Ende des Rennens eine Dose Bier in der Hand hatte, saß Degenkolb am offenen Kofferraum eines Team-Fahrzeugs und sah immer noch mitgenommen aus.

"Die Mannschaft hat super gearbeitet, sich ins Zeug gelegt, um mir ein gutes Rennen zu ermöglichen. Großes Kompliment an alle", so Degenkolb. Er habe sich bis zur letzten Runde gut gefühlt, sei jedoch "vielleicht am Ende ein bisschen zu offensiv" gewesen, um letztlich "noch die Körner zu haben, die Attacke von Sagan mitzugehen", meinte der 26-Jährige. Durch seine Siege bei Mailand - Sanremo und Paris - Roubaix hatte er sich im Frühjahr einen Namen gemacht und Hoffnungen geweckt, als erster Deutscher seit Rudi Altig 1966 wieder Weltmeister werden zu können.

"Ich habe bis zuletzt gekämpft, bin mit Schmerzen über die Linie gefahren, mehr war einfach nicht drin", betonte Degenkolb. Er hoffe, "die Unterstützung irgendwann mal an die Mannschaft zurückgeben" zu können. Vielleicht ja am 6. August 2016 beim Olympischen Straßenrennen in Rio de Janeiro. 

dpa

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