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Widersprüche bei Brailsford-Anhörung

Radsport Widersprüche bei Brailsford-Anhörung

Der Imageschaden erscheint irreparabel. Sky-Teamchef Brailsford und sein früherer Schützling Wiggins sind wegen eines ominösen Medikamenten-Pakets in der Schusslinie. Vorher waren medizinische Sondergenehmigungen für den ersten britischen Toursieger das Thema.

Dave Brailsford musste dem Sportausschuss des Britischen Parlaments stellen.

Quelle: Manuel Lopez

London. Das Radsport-Team Sky mit seiner Galionsfigur Chris Froome verschickt via Twitter launige Weihnachtsgrüße. Dabei ist den Briten eigentlich so gar nicht nach Feiern zumute.

Vor dem Fest musste sich Teamchef Sir Dave Brailsford, seit Jahren Mastermind der ganz erstaunlichen Erfolgsgeschichte des Radsports auf der Insel, dem Sportausschuss des Britischen Parlaments stellen. Dabei machte der sonst so eloquente 52-Jährige bei Nachfragen zur Verschickung eines ominösen Medikamenten-Pakets an die Adresse von Sir Bradley Wiggins keine besonders gute Figur.

Der erste englische Tour-de-France-Sieger (2012) steht dazu seit Monaten wegen in Anspruch genommener medizinischer Sondergenehmigungen im Fokus. Das hatten russische Hacker publik gemacht. Der an allergischem Asthma leidende Wiggins hatte immer dann auf die Wirkung lindernder Kortekoide gesetzt, wenn es sportlich wichtig wurde: Vor seinen Siegen beim Critérium du Dauphiné 2011, der Tour 2012 und dem Giro-Start 2013.

Am 12. Juni 2011 hatte der damalige britische Frauen-Trainer Simon Cope ein Paket vom Verbandssitz in Manchester in die französischen Alpen nach La Toussuire zu Sky-Teamarzt Richard Freeman gebracht. Das wurde erst im Herbst dieses Jahres bekannt. Jetzt klärte Brailsford, der sich vorher in peinliche Widersprüche verwickelt hatte, über den Inhalt der Sendung für Wiggins auf. Angeblich handelte es sich um das eher harmlose, schleimlösende Hustenmittel "Fluimucil". Das sollten Allergiker nach Apotheker-Rat übrigens besser meiden.

Ungereimtheiten überall - ein Königreich für die Wahrheit. Brailsford, der immer mit Inbrunst Null-Toleranz beim Thema Doping propagierte, könnte ein zweites Mal vor das Kultur-, Medien- und Sport-Komitee des Parlaments geladen werden. Das bestätigte dessen Vorsitzender Damian Collins, der laut Londoner "Times" fragte: "Warum sollte Brailsford so lange den Inhalt geheim halten und versuchen, die Veröffentlichung der Geschichte zu verhindern, wenn der Inhalt des Pakets völlig harmlos war?"

In der Woche nach Weihnachten erwarten die Nationale Anti-Doping-Agentur UKAD und der Parlaments-Ausschuss die Dokumentation des Verbandes über Verschreibung und Verschickung des rezeptpflichtigen Medikaments an Wiggins. Der 36 Jahre alte Zeitfahr-Olympiasieger von London hat übrigens noch nicht entschieden, ob er nicht 2017 doch aufhören solle.

Der dreifache Toursieger Froome ist derweil von seinem einstigen Kapitän Wiggins abgerückt ("Er muss sich erklären"), wie der einstige Armstrong-Jäger David Walsh von Brailsford. Der irische Journalist, der 2013 eine Saison eng mit dem von der Queen zum Ritter geschlagenen Teamchef arbeiten durfte und danach das Buch "Inside Team Sky" mit einem sehr wohlwollenden Text verfasste, ist inzwischen umgekehrt.

Wenn die Froome-Mannschaft seine "Glaubwürdigkeit wieder herstellen" wolle, müsste Brailsford ausscheiden, meinte Walsh. Aber der Finanzier aus der Medienbranche, der pro Saison geschätzte 28 Millionen Euro in seine Erfolgsmannschaft pumpt, hat ein Festhalten an dem umstrittenen Macher signalisiert.

dpa

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