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Affront vor Hitlers Augen: Ausstellung erinnert an Leipziger Weitspringer Luz Long

Affront vor Hitlers Augen: Ausstellung erinnert an Leipziger Weitspringer Luz Long

Dieses Duell elektrisiert die Massen: Luz Long gegen Jesse Owens, Deutschland gegen USA, blonder Deutscher gegen Afroamerikaner. Es ist der 4. August 1936. Das Olympiastadion bei den Spielen von Berlin ist mit 100.000 Zuschauern gefüllt.

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Luz Long und Jesse Owens beim Weitsprungwettbewerb der Olympischen Spiele 1936 in Berlin.

Quelle: Paul Wolff

Leipzig. Das Thermometer klettert an diesem Sommertag auf gerade 20 Grad, zwischendurch ziehen immer wieder kleine Regenschauer über die Arena am Reichssportfeld.

Der Vorkampf beginnt um 10.30 Uhr: 43 Athleten aus 27 Ländern gehen im Weitsprung an den Start. Der Leipziger Long rechnet sich etwas aus, in Deutschland kann ihm keiner das Wasser reichen. Mit 7,81 Meter hält er den nationalen Rekord. Sein schärfster Gegner ist Owens, der Amerikaner hat zwei Tage zuvor bereits über 100 Meter eine Goldmedaille gewonnen.

Leipziger Hilfe für Jesse Owens

In der Qualifikation steht Owens bereits vor dem Aus. 7,15 Meter sind für den Endkampf gefordert. Ein vermeintlicher, zu kurzer, Probesprung wird von Schiedsrichtern bereits gewertet. Beim nächsten Anlauf übertritt Owens. Ihm bleibt eine letzte Möglichkeit, um ins Finale einzuziehen. Im dritten Versuch schafft er die geforderte Weite. Genau gemessen wird vom Kampfegricht nicht, nur geschaut, ob die 7,15 Meter überquert wurden.

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Leipzig. Dieses Duell elektrisiert die Massen: Luz Long gegen Jesse Owens. Bei den Olympischen Spielen 1936 will ein Leipziger die Goldmedaille im Weitsprung gewinnen. Er scheitert knapp gegen seinen afroamerikanischen Kontrahenten, verbrüdert sich aber vor den Augen Adolf Hitlers mit seinem Gegner, ein politischer Affront. Long würde am Sonnabend 100 Jahre alt. Eine Ausstellung erinnert an ihn.

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Das Finale beginnt um 16.30 Uhr auf der anderen Stadionseite. Dort, direkt unter der Ehrenloge mit Adolf Hitler, beginnt der Kampf um die Medaillen. Am Ende hat Owens mit 8,06 Meter die Nase vorn. Der Starter vom Leipziger SC (LSC) holt mit 7,87 Meter Silber. Es folgt ein für damalige Zeiten politischer Affront: Die beiden besten Weitspringer nehmen sich in die Arme und feiern vor den Augen des Reichskanzlers Hand in Hand ihren Erfolg. "Ich könnte alle Medaillen und Pokale einschmelzen lassen und das Gold würde nicht die 24-karätige Freundschaft aufwiegen, die mich mit Luz Long verbindet", sagt Owens noch Jahre später.

Am 27. April würde Long 100 Jahre alt. Das Leipziger Sportmuseum widmet ihm aus diesem Anlass eine Ausstellung. Im Foyer des Verlagsgebäudes der Leipziger Volkszeitung ist bis zum 14. Juli die Schau „Der weite Sprung“ zu sehen.

Der spätere Olympiaheld wird am 27. April 1913 geboren. Seine Eltern lassen ihn auf den Namen Carl Ludwig taufen. Die Familie lebt in der Reitzenhainer Straße (heute Prager Straße). Den Longs geht es gut. Der Vater betreibt die später bei einem Luftangriff zerstörte Schwanenapotheke. Schon bald zieht die Familie in eine Villa in der Russenstraße.

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Luz Long um 1934

Quelle: Kai Long

Long verbringt dort eine unbeschwerte Kindheit. Auf dem großzügigen Grundstück baut sich der inzwischen zwölf Jahre alte Junge seine erste Weitsprunggrube im Hühnergehege selbst. Er schließt sich dem LSC an, wird Leichtathlet und gibt sich bald den Künstlernamen Luz, ohne „t“. „Er wollte von seinen Geschwistern nicht mehr Dicker oder Carle genannt werden“, berichtet Gerlinde Rohr, Leiterin des Sportmuseums. Sie forscht seit mehr als 20 Jahren zur Biografie Longs. „Die Quellenlage ist faszinierend“, sagt sie. Longs Mutter Johanna, eine Urenkelin des Chemikers Justus von Liebig, schrieb regelmäßig Tagebuch, bewahrte viele Briefe auf und erstellte von weiteren Familien- Korrespondenzen Abschriften.

Eigentlich kann sie mit der Leichtathletik nicht viel anfangen. Im Berliner Olympiastadion lässt sie sich aber von der Stimmung anstecken und murmelt „Owens schlecht, Owens schlecht“ vor sich hin, damit der Amerikaner einen kurzen Sprung hinlegen möge. Auch wenn ihr Sohn nicht gewinnt: Luz ist auf einen Schlag in ganz Deutschland bekannt. Auch deshalb, weil ihn Leni Riefenstahl in ihrem umstrittenen Propagandafilm „Fest der Völker“ in Szene setzt. Leicht bekleidet filmt sie den Leipziger bei Aufnahmen auf der Kurischen Nehrung.

Tod in Italien

Seinen Ruhm kann Luz Long nur wenige Jahre auskosten. Er studiert noch Jura und heiratet die Hamburgerin Gisela. Im April 1941 wird er zum Militärdienst eingezogen. Bei der Landung der Alliierten auf Sizilien wird Long schwer verletzt und stirbt am 14. Juli 1943.

Jesse Owens beendet nach Streitigkeiten mit dem amerikanischen Verband im Alter von 23 Jahren seine Karriere. Ohne Einkommen und Vermögen muss er für Schauwettkämpfe durchs Land tingeln und tritt dabei auch gegen Rennpferde an. Später wird der Olympiasieger als „Botschafter des Sports“ zum Vortragsreisenden. 1980 stirbt er mit 66 Jahren an Lungenkrebs.

Die Familie seines Konkurrenten Long bleibt bis heute eng mit Leipzig verbunden, die Villa in der Russenstraße ist noch immer im Familienbesitz. Dort lebt heute eine Nichte des Weitspringers. Sie will zum Geburtstag ihres Onkels am Sonnabend eine Gedenktafel anbringen lassen.

Gerlinde Rohr vom Sportmuseum freut sich über die späte Ehrung des Olympioniken. Wenn es nach ihr ginge, würde wie schon vier Mal in den 1950er Jahren, regelmäßig ein Luz-Long-Leichtathletikwettbewerb zum Gedenken in seiner Heimtstadt ausgetragen werden.

Matthias Roth

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