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Arielle für einen Tag - Schwimmen wie eine Meerjungfrau in Bad Lausick

Arielle für einen Tag - Schwimmen wie eine Meerjungfrau in Bad Lausick

„Die Bewegung muss viel mehr aus dem Fußgelenk kommen“, ruft Sabine Schönborn von der Nebenbahn, während ich versuche, nicht komplett unterzugehen. Wie wild wedele ich mit den Armen umher.

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Gar nicht so einfach: Schwimmen wie eine Meerjungfrau.

Quelle: Dirk Knofe

Bad Lausick. „Meerjungfrauen benutzen nur ihre Flosse“, erklärt Schönborn. Neben mir kichern schon Mädchen im Grundschulalter; ich stelle mich anscheinend ziemlich ungeschickt an. „Dann versuch es erstmal mit Rückenschwimmen“, rät Schönborn. Wie eine Meerjungfrau zu schwimmen, ist gar nicht so leicht.

An diesem Donnerstagabend im Juni habe ich mich von Leipzig rund 30 Kilometer nach Süden in die Kurstadt Bad Lausick aufgemacht, um im Spaßbad „Riff“ an einem in Sachsen bisher einzigarten Kurs teilzunehmen: eine Einführung in die Kunst des Nixenschwimmens. „So ein Angebot gibt es in Deutschland nur noch in Dortmund“, erklärt Kursleiterin Schönborn. Seit Mai unterrichtet die gebürtige Leipzigerin große und kleine Meerjungfrauen, zuvor arbeitete sie als Krankenschwester im Leipziger Klinikum St. Georg. „Vor einem Jahr hatte ich einen Burnout“, bekennt Schönborn, „danach überlegte ich mir, was ich wirklich machen will im Leben.“ Schon seit ihrer Jugend war die 34-Jährige eine begeisterte Schwimmerin, nun verdient sie mit ihrem Steckenpferd Geld.

Inzwischen gibt Schönborn auch Baby-Schwimmkurse, organisiert Aqua-Zumba, -Fitness und -Pilates. Auf die Idee mit dem Meerjungfrauenschwimmen kam sie über ihre Töchter – beide ebensolche Wasserraten wie die Mutter –, denen sie mal eine besondere Freude machen wollte. Im Internet stieß sie auf einen Anbieter von Nixenflossen – und griff sofort zu. Mittlerweile hat sie ein ganzes Set an künstlichen Fischextremitäten, von den Größen S bis L und in den Farben dunkelblau bis hellorange. Als nächstes will Schönborn eine an die eigene Beinform angepasste Silikonflosse anschaffen. Kostenpunkt: 1500 Euro.

Aber auch mit den Einsteigermodellen für 130 Euro fühle ich mich bald wie ein Fisch im Wasser – mit ein bisschen Übung. Nach einer Stunde Meerjungenfrauenkurs bei Sabine Schönborn, die für Teilnehmer 20 Euro kostet, kann auch ein Anfänger schon erste Elemente wie das Flossenschlagen oder eine Rolle unter Wasser vollführen. „Wichtig ist es, die Delfin-Schwimmtechnik gut ausführen zu können“, sagt die Expertin. Dann gehe der Rest schon fast von alleine.

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Üben in Bad Lausick.

Quelle: Dirk Knofe

Zu ihr kommen können Jung und Alt, einzige Voraussetzung für Kinder sei das Seepferdchen-Abzeichen und erste Erfahrungen im Tauchen. Und auch wenn sich der Kurs vornehmlich an junge Mädchen richtet, so gab es doch schon einige Mütter, die mitgetaucht sind. Sogar ein erster männlicher Teilnehmer hat sich schon vor mir von Sabine Schönborn in die Geheimnisse des Flossenschwimmens einweisen lassen.

Für Jungs soll es in Zukunft zudem die Möglichkeit des Haifischkraulens geben. Dabei wird die Flosse quer am Körper angebracht und die kleinen Raubtiere schwimmen wie echte Fische mit seitlichem Flossenschlag. Auch sonst hat Schönborn noch einige ambitionierte Pläne für ihr Nixenprojekt. Der wichtigste Baustein darin: Endlich auch Kurse in Leipzig anbieten. Schon vor dem Engagement in Bad Lausick hatte sie es in der Messestadt versucht, war aber sowohl bei der Grünauer Welle als auch bei der Sachsen-Therme abgeblitzt. Angeblich fehlten die freien Becken-Kapazitäten. Nun versucht es die Schwimmlehrerin auf eigene Faust mit einer Halle im Norden der Stadt, die eigens für ihre Kurse angemietet wird. Nur spruchreif sei das Ganze noch nicht, weshalb Schönborn keine konkreten Daten nennen will.

Aber auch mit den Lehrgängen in Bad Lausick ist sie schon gut ausgelastet, nach eigenen Angaben gibt es dafür inzwischen lange Wartelisten. Ein Grund dafür sind auch die Unterwasserbilder, die ein erfahrener Fotograf von den aufwendig geschminkten und mit Blume im Haar versehenen Mädchen macht. Und Sabine Schönborn hat weitere Einfälle. „Ich könnte mir gut vorstellen, irgendwann mal alle Meerjungfrauen aus der Region bei einem großen Nixentreffen zu versammeln“, sagt sie. Außerdem soll es demnächst auch Wettkämpfe für die angehenden Arielles geben, etwa Schwimmen auf Zeit. Und dann ist da noch ihr großer Traum: Einmal nach Thailand fliegen und vor der Touristeninsel Phuket als Meerjungfrau im Wasser baden.

Ich habe mir derweil die Flosse wieder ausgezogen, auch wenn das Gleiten durchs 25-Meter-Becken im Spaßbad inzwischen immer besser funktioniert. Rund sieben Kilo wiegt das gute Stück, nach einer Weile bekommt man davon überall Blasen an den Zehen. „Vorher sollte man Söckchen anziehen“, empfiehlt Sabine Schönborn. Die Lehrerin ist mit meinen Fortschritten einigermaßen zufrieden. Schließlich bekomme ich auch mein „Nixen-Diplom“ ausgehändigt und trete als frischgebackener Meer-Mann den Rückweg nach Leipzig an.

Christian Dittmer

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