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Atlas-Boxerin Atanassow beklagt fehlende Anerkennung durch Spitzenverband

Atlas-Boxerin Atanassow beklagt fehlende Anerkennung durch Spitzenverband

Ihren Frust hat sie in die Tatzen von Trainer Torsten Müller geschlagen, mit ihrer Wut die Sandsäcke in der Halle im Sportforum unaufhörlich bearbeitet. Die Leipziger Boxerin Sandra Atanassow ist als Zweite von den internationalen deutschen Meisterschaften im bayerischen Weißenburg zurückgekehrt, ein Grund zum Feiern war das für die 30-Jährige mit den lila-pink gefärbten Haaren nicht.

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Trainingsalltag: Sandra Atanassow und Torsten Müller.

Quelle: Thomas Fritz

Leipzig. Nach drei Siegen unterlag sie Finalgegnerin Nomin Deutsch. Schlimmer noch: Sie fühlt sich erneut vom Deutschen Boxverband (DBV) benachteiligt, der sie schon zur EM im Mai trotz erfüllter Kriterien nicht nominiert hatte. Fehlende internationale Klasse, fehlenden Kaderstatus und ihr Alter nannte DBV-Cheftrainer Michael Bastian als Grund.

Das will Atanassow so nicht stehen lassen. "Meine Niederlage stand schon vorher fest, weil mich der Verband nicht bei der WM dabei haben will. Mit Platz zwei habe ich nun kein Argument in der Hand. Man will mich ruhig stellen", sagt die Athletin vom Boxring Atlas, die in der Gewichtsklasse bis 57 kg startet. Ein schwerer Vorwurf. Den ihr Coach teilt. Müller: "Sandra hat eine super Meisterschaft geboxt, im Finale drei von vier Runden klar gewonnen, das haben auch andere Trainer und Athletinnen vor Ort so gesehen. Nur das Kampfgericht nicht."

Frauen-Bundestrainer David Hoppstock schließt Unregelmäßigkeiten dagegen aus. Er verweist auf die Erfahrung der Offiziellen und ihre guten Leistungen bei der DM. "Das ist ein alter Hut. Wenn man enttäuscht ist, kommen schnell solche Vorwürfe", sagt der 43-Jährige unaufgeregt. Hoppstock teilt die Einschätzung seines Trainerkollegen Bastian. "Die Kleene", er meint Atanassow, "tut mir leid, aber sie ist international nicht gut genug - wie die gesamte 57-kg-Klasse." Daher sei Atanassows Bezwingerin Nomin Deutsch ebenfalls nicht nominiert worden, sondern die Zweite der 60er, Nina Meinke (Berlin), die nun abspecken muss.

Sandra Atanassow, die erst 2008 mit Wettkämpfen begann, sechs Tage die Woche trainiert - seit Anfang des Jahres auch am Olympiastützpunkt - ärgert das: Sie sieht das Leistungsprinzip ­ausgehebelt "Oft werden Sportler aus Fördergruppen der Bundeswehr bevorzugt", sagt sie. "Wenn man ganz nach oben will, dann muss man den kleinen Verein verlassen und zum Bundes- oder Landesstützpunkt wechseln", dreht ­David Hoppstock den Spieß um. Zu alt, um es zu schaffen, sei sie trotz ihrer 30 Jahre jedenfalls nicht, so der Trainer.

Sandra Atanassow schüttelt mit dem Kopf. Ihr sei vom Verband nie eine Perspektive aufgezeigt worden. Dabei hat sie sich seit 2011 bei Kader-Lehrgängen behauptet, boxt seit drei Jahren für die Nationalmannschaft, gewann 2014 Gold bei den internationalen Woman Boxing Days sowie Silber im Länderkampf gegen Russland und Irland - nur eine Auswahl ihrer Erfolge. "Warum bin ich für Länderkämpfe gut genug, für Welt- oder Europameisterschaften dann auf einmal nicht mehr?", fragt sie.

Hoppstock, seit 2013 im Amt, bestätigt indirekt das Desinteresse des Verbandes. "Die Kleene hat international und national noch nicht viel gewonnen, außer die Vizemeisterschaft dieses Jahr." Dabei war Sandra Atanassow in ihrer Klasse bereits 2011 und 2013 zweitbeste Boxerin der Republik.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.09.2014

Thomas Fritz

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