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"Auf dem Rasen kann ich mal Bad Boy sein"

"Auf dem Rasen kann ich mal Bad Boy sein"

Es riecht nach Abstiegskampf, wenn die Regionalliga Kolosse der Leipzig Lions in der Ratzelstraße in ihrem Abschlusstraining aufeinander prallen und schweißgebadet am Taktikfeinschliff arbeiten.

Die bei Sonnenuntergang idyllisch anmutende Rasenfläche des vereinseigenen Stadions in Grünau eignet sich demnach nur bedingt zum Blumenpflücken. Dass es den Mannen um Headcoach Carsten Kunz in dieser Spielzeit nur selten glückte, ihr Wohnzimmer in die sprichwörtliche Höhle des Löwen zu verwandeln, steht auf einem andern Blatt. Stellvertretend für ein ganzes Rudel mutiger "Kleiderschränke", bezieht Lions Kapitän Markus Patho (27) Stellung. Zudem blickt er auf das entscheidende Abstiegs Endspiel in Magdeburg (Sonntag, 16 Uhr) voraus und gewährt Einblicke in das Leben eines Footballers.

Frage: Als Reisebüro-Mitarbeiter vermitteln Sie Kunden die schönsten Orte auf dieser Welt. Ihren Gegnern auf dem Spielfeld dagegen bereiten Sie mit Vorliebe Albträume - Ihr Job auf dem Rasen gleicht mitunter dem einer Dampfwalze. Wie geht das zusammen ?

Markus Patho: Im Prinzip überhaupt nicht. Aber das ist ja auch das Schöne daran. Auf dem Rasen kann ich eine komplett andere Seite von mir zeigen, auch mal "Bad Boy" sein. Zudem gibt es für mich keinen besseren Weg, überschüssige Energie los zu werden, als Football zu spielen. Umgekehrt würden meine Kollegen sicher bestätigen, dass ich in meinem Job im Büro sehr ruhig, liebevoll und ausgeglichen agiere.

Gewichtsklassentechnische Pendants zu Ihnen als Offensivspieler sind mit Stephan Kunath (130 kg) und Marco Arlandt (125) aus der Defensive schnell gefunden. Fühlen Sie sich manchmal, als ob Sie fahrende Züge aufhalten müssten?

Es kommt zum Vollkontakt, auch mit den beiden, ganz klar. Aber das gehört dazu. Außerhalb des Platzes gibt es keine Ressentiments. Es ist im Grunde ein ungeschriebenes Gesetz: Je mehr Kilos die Line-Spieler auf die Waage bringen, desto besser ist der Quarterback geschützt. Dass die Jungs, die an mir vorbei wollen, auch nicht zartbesaitet daher kommen, ist demnach nur eine Konsequenz.

Wenn Sie mit Marco und Stefan außerhalb des Stadions unterwegs sind - ist es schon mal passiert, das Leute aus Ehrfurcht vor Ihrer imposanten Erscheinung die Bürgersteig Seite gewechselt haben?

Nein, das habe ich zumindest noch nicht wahr genommen. Aber zugegeben, wie jeder Sportler sind auch wir schon Feiern gewesen. Probleme in Diskotheken oder Klubs mit Halbstarken gab es nie. Ich glaube schon, dass wir aufgrund unserer Erscheinung eine gewisse Wirkung auf unser Umfeld haben.

Hilft Ihnen diese auch auf Ihrer Position? Was muss ein "Lineplayer" mitbringen?

Ein dreistelliges Gewicht ist in jedem Falle von Vorteil. Es ist gar nicht unbedingt die Größe entscheidend, sondern ein tiefer Schwerpunkt lässt dich deine Aufgabe in der Line gut verrichten. Wir sind sozusagen die Bodyguards des Quarterbacks, Schutzwall vor den Versuchen der Defensive, unsere Reihen zu durchbrechen und den Spielzug zu vernichten.

Stichwort Quarterback - die populärste Position beim Football. Würden Sie manchmal gerne tauschen?

Klares Nein. Das wäre nichts für mich. Außerdem liebe ich auf dem Feld das, was ich tue, bekleide meine Position aus Überzeugung. Es ist schon enorm, welche Anforderungen auf den Quarterback zukommen, was er sehen muss, wie schnell er reagieren muss, wie viel Verantwortung er für das Spiel trägt. Das ist nichts für jeden.

Lange lief es in der Meisterschaft unrund, zuletzt folgten allerdings drei Siege in Folge. Was muss passieren, dass Ihr Team die Klasse hält?

Ganz einfach, wir müssen uns selbst, aber vor allem den gegnerischen Spielern im letzten Spiel in den Hintern treten. Das Team hat sich in dieser Saison zu oft die Butter vom Brot nehmen lassen. Dass die Qualität da ist, zeigen die letzten Spiele. Wenn wir in Magdeburg doppelt punkten, sieht es gut aus. Allerdings bleibt uns danach aufgrund des diffusen Spielplans nur abzuwarten, was die anderen Teams in den verbleibenden Spielen veranstalten. Zudem entscheidet es sich erst durch die Zweitliga-Absteiger, ob in unserer Staffel eine oder zwei Mannschaften den Gang in die Viertklassigkeit antreten müssen. Aber ich bin überzeugt, dass wir das schaffen können und auch nächste Saison Regionalliga spielen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.09.2013

Matthias Gerlich

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